Klima? Ist da was? Kreuzlingen hilft

KonstanzerInnen, die befürchten, durch das verkleinerte Feuerwerk beim Seenachtfest dieses Jahr zu wenig Feinstaub abzubekommen, dürfen erleichtert aufatmen. Auch der ersehnte CO2-Ausstoss ist garantiert, denn: Kreuzlingen hilft gerne. Das Organisationskomitee (OK) des „Fantastical“ in unserer Nachbarstadt lässt’s dieses Jahr gleich zweimal krachen. Man gönnt sich ja sonst nix.

Anzeige

Von keinerlei Bedenken hinsichtlich des menschlichen Einflusses auf die Klimaerwärmung angekränkelt zeigten sich die OK-Mitglieder gegenüber der „Thurgauer Zeitung (TZ)“: Das Feuerwerk habe in Kreuzlingen Tradition und die Besucher kämen vor allem deswegen zur Kreuzlinger Ausgabe der Seenachtfestes an diesem Wochenende. „Warum sollen wir ihnen das wegnehmen?“ Und weil man ihnen das nicht nehmen will, legt man dieses Jahr gleich noch eine Schippe drauf und veranstaltet zusätzlich auch noch am Freitagabend ein zusätzliches Feuerwerk zu dem traditionellen am Samstag.

Das am Freitag sei speziell für die Kreuzlinger gedacht, so die OK-Vertreter. Es finde näher am See statt als das samstägliche. Dadurch spiegelten sich die pyrotechnischen Sterne und Sonnen besonders gut im Wasser. Am Samstagabend kracht’s dann wieder im gewohnten Abstand und abgestimmt auf das Konstanzer Feuerwerk, das dieses Jahr ja aus Klimaschutzgründen etwas kleiner ausfallen soll.

Auf die Frage der Nachhaltigkeit angesprochen, verwies der OK-Präsident gegenüber der TZ-Journalistin auf das bereits vor Jahren eingeführte Mehrweggeschirr, das beim „Fantastical“ verwendet werde. Und darauf, dass man die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln fördere.

Das Kreuzlinger Verhalten hat im Thurgau Tradition: Als im April 1986 der Atomunfall in Tschernobyl passierte, mussten die Reichenauer Gemüsebauern den Salat unterpflügen und vom Milchkonsum wurde abgeraten. Man fürchtete in Deutschland den radioaktiven Niederschlag.

Nicht so in der Schweiz und im Thurgau: Die Thurgauer Gemüse- und Milchbauern verkauften ihre Produkte uneingeschränkt. Der atomare Niederschlag hat wohl einen Bogen um die neutrale Schweiz gemacht – und so wird es auch mit der Klimaerwärmung sein. Gut, mancherorts ruft der Berg nicht, er kommt lieber gleich selbst ins Tal – der Permafrost zieht sich eben zurück. Aber so weit, dass man deshalb ein Feuerwerk auslassen würde, ist es nun doch nicht gekommen.

Lieselotte Schiesser