Hiebe, Stiche und Paraden auf dem Münsterplatz

Man kennt die Mantel-und-Degen-Story um Cyrano de Bergerac aus dem Kino: Gewandt mit Wort und Degen, macht Cyrano das Paris des 17. Jahrhunderts unsicher – zahlreiche Leichen pflastern seinen Weg, weil Spötter über seine überlange Nase lästern. Doch insgeheim lastet dieser Makel auf dem Dichter, der sich deshalb nicht traut, seine Liebe der schönen Cousine zu gestehen. Und dieses komische Versdrama soll die Zuschau­er*innen zur diesjährigen Freilichtshow des Konstanzer Theaters locken?

„Natürlich“, sagt Mark Zurmühle, seit einem Jahr Schauspieldirektor am Theater Konstanz und Regisseur dieser Aufführung, „denn bislang wurde das Stück von Edmond Rostand nur naiv-romantisierend interpretiert. Dabei wird die politische Dimension übersehen – man kann nämlich Cyrano sehr wohl als Vorläufer der Französischen Revolution verstehen.“ Denn der Titelheld entlarvt die Worthülsen seiner Dichter-Kollegen und geißelt den Machtmissbrauch der herrschenden Aristokraten. „Nicht unähnlich der Arbeit mutiger Journalisten, die heutzutage Lobbyismus und korrupte Politiker ans Licht der Öffentlichkeit zerren.“

Da will die Inszenierung ansetzen, aber auf die dramatischen Elemente der Degen-Duelle mit Hauen und Stechen, mit Finten und Paraden der Fechtkünstler sowie auf Massenszenen trotzdem nicht verzichten – nahezu 30 Komparsen aus Konstanz und der Region sind mit im Spiel.

Dennoch bleibt die Geschichte der unerfüllten Liebe zu Roxane, die ihr Herz dem attraktiven, aber tölpeligen Christan schenkt, Herzstück der Aufführung. Denn das Verwirrspiel um beide Männer – der eine steuert Liebesbriefe und Verse bei, der andere Gesicht und Körper – macht den Reiz dieser Tragikkomödie aus, die doch nur die Macht von Liebe und Poesie beschreibt. „Doch hier“, so Zurmühle, „bleibt die Liebe nur ein Luftschloss.“

Folgerichtig hat Marie Labsch eine weiße Hüpfburg, aus der jederzeit die Luft entweichen kann, vor der Münsterkulisse platziert, hat Nic Tillein die Kostüme aus drei Jahrhunderten ausgekramt, hat Gabriel Cazes seine sechs Musiker zu Songs zwischen Romantik und Dylan animiert, denn das Thema reicht jahrhundertelang in die Gegenwart, und hat der Dramaturg Daniel Grünauer das Stück von fünf Stunden Länge auf knapp drei eingedampft – das Freilichttheaterspektakel beginnt mit der Premiere am Freitag, 22. Juni, ab 19 Uhr auf dem Konstanzer Münsterplatz. Und am darauf folgenden Montag ist eine Premieren-Kritik auf seemoz zu lesen.

hpk

Das Foto zeigt das Regieteam um Regisseur Mark Zurmühle vor der Münsterkulisse.