Heilandzack!

Bei der eindrucksvollen Klimademo, die in die Geschichte der Stadt eingehen wird, waren völlig unterschiedliche Leute dabei. Menschen wurden gesichtet, die sonst nur selten auf die Straße gehen, um ihre Rechte einzufordern und die Politik zum mutigen Handeln aufzurufen. Prominenter Besuch (siehe Bild) kam sogar von ganz weit oben. Der Mann hat sich die letzten zwei Jahrtausende gut gehalten, obwohl man ihn einst sehr unfreundlich behandelt hat. Und auskunftsbereit war er auch.

Was machen Sie denn da? Mit Ihnen hat nun wirklich niemand gerechnet.

Darauf kann ich Ihnen eine klare Antwort geben. Ich habe mir lange genug angeschaut, was Ihr hier unten auf der Erde so treibt. Leider nichts Gutes, es stinkt sozusagen zum Himmel. Manchmal sehen wir kaum mehr die Hand vor Augen bei dem Dreck, den Ihr uns hochblast. Auch leiden viele in meiner Truppe an Atemwegserkrankungen. Da kommt wenig Freude auf, so kann das nicht weitergehen. Wir haben uns auf Magdalena-TV auch über das verabschiedete Klimapaket informiert. Also ehrlich: Ihr habt sie doch nicht mehr alle, wenn Ihr das einfach so hinnehmt.

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Schon klar. Aber was schlagen Sie denn vor?

Ich bin ja ein grundsätzlich friedlicher Zeitgenosse, aber auch mir ist in früheren Zeiten schon mal der Kragen geplatzt. Die Älteren unter Euch werden sich eventuell daran erinnern, was mein Kumpel Matthäus darüber berichtet hat. In einem Tempel bin ich Händlern und habgierigen Geldwechslern an die Wäsche, habe denen die Tische umgeworfen und sie zum Teufel gejagt. Da steppte der Bär, kann ich Ihnen sagen. Damals schon ging es solchen Leuten ausnahmslos darum, auf Kosten der großen Mehrheit fette Kasse zu machen, und das hat sich leider bis heute nicht geändert. Sie wissen doch: Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.

Nun ja, Sie sehen ja, sogar im kleinen und beschaulichen Konstanz tut sich was. Fast zehntausend Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen sind hier und fordern eine lebenswerte Umwelt. Das müsste Ihnen doch Hoffnung geben.

Das freut mich ja auch, denn es geht aus meiner Sicht schlichtweg um die Bewahrung der Schöpfung, wenn ich diesen Begriff bemühen darf. Mein Vater hat sich fast rund um die Uhr wirklich einen Arsch voll Arbeit gemacht, um Euch einen halbwegs bewohnbaren Planeten anzubieten. Wenn Ihr Euch jetzt nicht auf die Hinterbeine stellt, fliegt Euch die Kiste um die Ohren. Und klar ist auch: Ich stehe dann im Ernstfall für Reparaturen nicht zur Verfügung. Erstens sind die Unterlagen von damals nicht archiviert und ich habe auch keinerlei Lust, mich da einzumischen. Das müsst Ihr schon selber regeln.

Danke für Ihre deutlichen Aussagen.

Gerne. Und nun gehet hin in Frieden, aber wehret Euch.

H. Reile (Text & Bild)