„Zusammen werden wir die Wahl gewinnen“

So Luigi Pantisano (40), der als wohl aussichts­reichster Gegenkandidat von Ulrich Burchardt bei den kommenden Oberbürger­meister­wahlen im September gilt, bei einer Veranstaltung am Sonntagabend im Konzil. Unterstützt wird Pantisano vor allem aus der grün-linken Ecke, aber auch von liberalen und sogar eher konservativen Geistern, die von der achtjährigen Amtszeit Burchardts tief enttäuscht sind und sich für die kommenden Jahre neuen und frischen Wind erhoffen.

Pantisanos Wahlkampfleiter Daniel Schröder war die Freude ins Gesicht gemeißelt: „Aufgrund der Corona-Krise dürfen wir nur 100 Leute in den Saal lassen, aber wir hatten über 160 Anmeldungen“. Und in der Tat war das Interesse groß, den Kandidaten endlich mal live zu erleben.

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Ständig in der Stadt unterwegs

Das muss man ihm lassen: Im Gegensatz zu allen anderen OB-Kandidaten ist Pantisano schon seit Monaten auf Achse, vor allem – notgedrungen durch Corona – überwiegend in den sozialen Medien. Aber er suchte auch immer wieder das direkte Gespräch mit „allen gesellschaftlich relevanten Gruppen“, wie er bei seinem Auftritt erklärte. Dabei habe er „gelernt, wo vielen in Konstanz der Schuh drückt“. Und eines sei ihm schnell klar geworden: „Die Konstanzerinnen und Konstanzer wünschen sich einen Oberbürgermeister, der konsequent die Probleme anpackt“. Denn viele würden sich von der Verwaltungsspitze mehr Bürgernähe erwarten, fühlten sich aber zu Recht „oft enttäuscht und abgewiesen“. Ein Oberbürgermeister müsse „einen klaren Plan haben und ihn zusammen mit den Bewohnern umsetzen“. Applaus, Applaus, und den gab es mehrmals reichlich an diesem schwülen Sommerabend.

Konstanz klimapositiv? Nicht mit Burchardt

Diese Entscheidung bei der vergangenen Gemeinderatssitzung war auch ein Thema bei Pantisanos Auftritt. Der gemeinsame Antrag von FGL, LLK und JFK, Konstanz solle bis 2030 klimapositiv werden, wurde mit 20 zu 21 Stimmen äußerst knapp abgelehnt. Und Burchardt reihte sich ein in die Gruppe derer, die glauben, damit könne man sich durchaus noch etwas Zeit lassen. Eine Steilvorlage für Pantisano, der diese auch geschickt verwertete: „Wenn ich Oberbürgermeister werde, lassen wir darüber einfach nochmal abstimmen und ich werde dafür stimmen“. Außerdem plädierte der smarte Kandidat für einen Klimaausschuss und eine direkte Bürgerbeteiligung in dieser (überlebens)wichtigen Angelegenheit. Pantisano weiß, dass dieser Weg ein steiniger sein wird, „aber die Forderungen von Fridays for Future sind für mich Verpflichtung“. Klar koste das zusätzliches Geld, „aber es geht um unsere Zukunft“. Seine Aussage, dem Klimawandel könne man nicht nur „mit Marketing-Gags“ entgegenwirken, war durchaus ein deutlicher Ellbogencheck in Richtung Burchardt und wurde vom Publikum sehr wohl verstanden.

Runter mit den Mieten

Neu ist es beileibe nicht, dass Konstanz für Normalverdiener auch in Burchardts Amtszeit nahezu unbezahlbar geworden ist. Und Wohnprojekte wie beispielsweise im Hafner, auf dem früheren Siemensareal oder am Döbele liegen in weiter Ferne und ändern nichts an der aktuellen Situation. Der Laubenhof auf dem ehemaligen Vincentius-Gelände ist für Luigi Pantisano ein „Negativbeispiel“ in Sachen Wohnungsbau, denn dort würde keine einzige Wohnung für junge Familien geschaffen. Der OB-Kandidat verspricht: „Als Oberbürgermeister werde ich dafür eintreten, keine städtischen Grundstücke und Immobilien zu verkaufen“. Angesichts der Besetzung der Markgrafenstraße zeige sich für ihn auch deutlich: „Leerstand ist ein Schaden für die Allgemeinheit“. Er wolle sich vielmehr für zusätzliches Personal einsetzen, das die Umsetzung des Zweckentfremdungsverbotes deutlich forciere. Dazu die Forderung: „Die Mieten müssen langfristig wieder sinken“. Bei all seinen ambitionierten Vorhaben verstehe er sich „als Brückenbauer“, der für einen sozial-ökologischen Wandel der Stadt stehe und diesen in vorderster Linie mitgestalten wolle.

Vorrang für die Schwächsten

Auch bei der Mobilität will Pantisano neue Wege gehen und nicht nur Versprechungen abliefern, die sich bei näherem Hinsehen als Nebelkerzen erweisen. Eine autofreie Innenstadt sei natürlich oberstes Ziel, dazu „ein günstiger bis kostenfreier Nahverkehr“. Vor allem aber gelte es, im Straßenverkehr die Rechte von Älteren und Kindern zu stärken. In seinem Wahlkampfflyer ist übrigens zu lesen: „Mit zusätzlichen verkehrsberuhigten Zonen in der gesamten Stadt entstehen neue Räume für sichere Rad- und Fußwege, Grünbereiche, Bäume und Spielplätze. Ich werde mich auch dafür einsetzen, dass Konstanz zu einer grenzüberschreitenden Modellregion für einen kostenfreien Nahverkehr wird“.

Pantisanos erster größerer und öffentlicher Auftritt wurde allgemein als gelungen bezeichnet. Ob er tatsächlich gegen den Amtsinhaber Burchardt bestehen kann, wird sich spätestens dann zeigen, wenn die Kontrahenten aufeinandertreffen. Es wäre zu früh, einen Wechselwillen zu verkünden, aber zwingt Pantisano den derzeitigen Rathauschef in einen zweiten Wahlgang, stehen seine Chancen nicht schlecht.

H. Reile (Text und Foto)