Rapper, Sportler und Streiter für Benachteiligte

Drei KandidatInnen der neuen Wähler­ver­ei­ni­gung „SÖS – Singen ökologisch und sozial“ wurden an dieser Stelle bereits vorgestellt. Heute folgt das Porträt eines Mannes, den (nicht nur) in Singen viele, in der Südstadt – seinem Lebensmittelpunkt – fast jede/r kennt. Gemeint ist Emiddio Sansone, Eventmanager, Sportler und Rapper – im Rollstuhl seit Jahrzehnten, aufgrund seiner Glasknochen. Und wer ihn kennt, spricht von ihm mit Respekt aufgrund seines vielfältigen sozialen Engagements und seines eisernen Willens, sich trotz Behinderung immer wieder für andere einzusetzen. Die Liste seiner künst­le­ri­schen und sportlichen Leistungen sowie seiner ehrenamtlichen sozialen Betätigungen ist lang und nur einige davon werden unten genannt.

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Sein Entschluss, sich bei SÖS einzubringen und bei der Kommunalwahl zu kandidieren, erfolgte spontan beim Lesen der Pressemitteilung mit dem Termin für die Nominierungsveranstaltung. Ganz besonders drei Kernpunkte des SÖS-Wahlprogramms, für die er sich schon lange engagiert, liegen ihm besonders am Herzen: Barrieren abbauen für Senioren und Behinderte, Begegnungszentren schaffen und alternative Kultur fördern. Und ebenso spontan wurde er nach einer kurzen Vorstellungsrunde von den Mitkandidierenden auf Platz 5 der Liste gewählt.

Würde Emiddio Sansone, der 1980 in Italien geboren wurde und seit über 37 Jahren im Langenrain in Singens Südstadt lebt, in den Gemeinderat gewählt, so würde er sich vorrangig für Behinderte und sozial Benachteiligte einsetzen wollen. Für wichtig hält er eine enge Zusammenarbeit mit Singens Behindertenbeauftragtem, dessen Sprechzeiten – nur einmal pro Woche – er für zu wenig hält. Viele Schulen, Jugendhäuser, Vereinsheime, Lokale, öffentliche Plätze seien zumeist gar nicht oder nur unzureichend barrierefrei, da gäbe es z.B. Treppenstufen, wo keine sein sollten, es fehlten rollstuhlgerechte Toiletten, und Parkplätze für behinderte Menschen würden allzuoft gedankenlos von Nichtbehinderten besetzt, was von Ordnungshütern viel zu selten kontrolliert werde. Er selbst habe auch mit den Stadtbussen immer wieder frustrierende Erfahrungen gemacht: Manche Busfahrer seien im Umgang mit Behinderten ratlos, ließen diese zum Beispiel warten, bis alle anderen Passagiere eingestiegen seien und würden sich erst dann um den Einstieg für Rollstuhlfahrer kümmern. Und wenn der Bus voll sei, könne es passieren, dass Rollstuhlfahrer gar nicht erst mitgenommen werden. Hier müsse ein anderes Bewusstsein für ein Miteinander vermittelt werden.

Ehrenamtliche soziale Engagements: Jugendbegleitprogramm Baden-Württemberg „Rappen macht Spaß-AG“ für die Johann-Peter-Hebelschule – Kooperationsleiter der Fußball-AG für die Johann-Peter-Hebelschule und den ESV Südstern Singen – Jugendscout für den 1. FC Rielasingen-Arlen – Jugendleiter des C.F.E. Indipendente Singen – Kooperationsleiter der Fußball-AG für die Wessenbergschule und den ESV Südstern – Selbsthilfe Körperbehinderter Singen-Hegau (BSK) und Gründer der Jugendgruppe – PauLa-Projekt (Schulfrühstück) Wessenbergschule, Komposition einer Erkennungsmelodie für PauLa, Produktion einer Compact-Disc mit Schülern – Mitspieler im Verein des Rollstuhlclub Zürich Oberland.
Künstlerisches Schaffen und Auszeichnungen: Freiberuflicher Künstler alias Rap-Sänger „Red Dog“; „Red Dog“ – Gewinner des baden-württembergischen Landeswettbewerbs des Deutschen Amateur-Films & Beitrag Baden-Württembergs zu den Deutschen Amateur-Filmfestspielen in Sankt Wolfgang, Bayern, 2011. 2003: Förderpreis des Kulturfördervereins der Stadt Singen. 2004: „Mensch des Monats“ in der ZDF-Sendung „Hallo Deutschland“ und „Mann der Woche“ in der SWR3-Sendereihe „Ländersache“.

Auch beim Behindertensport sieht er noch viel Verbesserungsbedarf: Singen besäße dafür so gut wie gar keine Möglichkeiten. Als ehemaliger aktiver Paralympics-Teilnehmer (Basketball) habe er regelmäßig nur auswärts trainieren können. Toll wäre eine Übersicht, wo und wann Rollstuhlfahrer sich sportlich betätigen können. Sein Wunsch, dass das Hallenbad endlich gründlich saniert werden möge, werden ganz sicher sehr viele SingenerInen aller Stadtteile, jeden Alters und auch aller politischen Couleur teilen.

Vor allem den schlechten Zustand der Sportanlagen und Sportplätze im Singener Süden kritisiert er: Sport- und Spielgeräte seien alt und zum Teil zerbrochen, Basketballplätze gehörten seit Jahren erneuert, Mülleimer fehlten, sodass Abfall überall herumläge. Seit langem werde eine Verbesserung versprochen, doch dass irgendwann hier noch etwas passieren werde, daran glaubt er nicht mehr – solange sich die Mehrheiten im Gemeinderat nicht ändern.

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Viele Menschen in der Südstadt fühlten sich „diskriminiert“, so Emiddio Sansone wörtlich. Eine Einschätzung, die sicher stimmt und sich bei den zurückliegenden Wahlen nicht zuletzt auch in der teils extrem niedrigen Wahlbeteiligung (in manchen Wahllokalen nur 10 Prozent!) widerspiegelte. Auch dies war für ihn ein Ansporn, sich der SÖS-Gruppe mit ihrem Ziel des Politikwechsels anzuschließen. Die Stadt müsse aktiver werden, um diesen MitbürgerInnen das Gefühl, abgehängt zu sein, zu nehmen. Die (ideelle und finanzielle) Unterstützung bei der Organisation von alternativen Kulturveranstaltungen sei eine Möglichkeit. „Warum nicht mal ein Musikevent in der Radrennbahn“? fragt der Eventmanager Sansone. Radolfzell mit seinen Veranstaltungen in der Konzertmuschel mache es vor. Und auch er mahnt an – wie schon seine Mitstreiterin und SÖS-Kandidatin Birgit Kloos –, dass viele SüdstadtbewohnerInnen jenischer Herkunft seien und deren Wunsch nach einem Grundstück für ein Kulturzentrum nicht mehr länger ignoriert werden dürfe.

„Was ich anfange, bringe ich auch zu Ende, weil mir ein Lächeln mehr bedeutet als tausend Dankesworte“, so seine Begründung für seinen jahrelangen Einsatz für andere trotz seiner eigenen Krankheit.

Uta Preimesser (Foto: Dieter Heise)

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