FFF trifft einen Verantwortlichen

FridaysForFuture hat als Teil der Öffent­lich­keitsarbeit bereits früh das Gespräch mit PolitikerInnen gesucht, lässt sie allerdings nicht als RednerInnen zu den Freitagsdemos zu. Nachdem bereits vor geraumer Zeit ein Gespräch mit dem Konstanzer OB stattfand, trafen sich AktivistInnen jetzt mit dem Bundestags­abgeordneten Andreas Jung (CDU). Sie diskutierten mit ihm und der Jungen Union über ihre Forderungen und wollen im Herbst bei einem weiteren Treffen nach konkreten Ergebnissen fragen.

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Innerhalb von FridaysForFuture, so hört man, gebe es widerstreitende Meinungen in der Frage, wie sehr man sich PolitikerInnen annähern solle, die sich doch bisher so wenig um den Klimawandel gekümmert haben. Auf der einen Seite wollen die KlimavorkämpferInnen Verantwortliche mit dem Zustand der Welt konfrontieren, um deren Bewusstsein zu schärfen, auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob man/frau so nicht am Ende denen, die das absehbare Desaster bisher sehenden Auges nicht verhindert haben, eine Plattform bietet, auf der sie sich im grünen Mäntelchen präsentieren können.

Andreas Jung, vor einigen Tagen Gesprächspartner von FFF, sitzt seit 2005 für den Wahlkreis Konstanz im Bundestag und war dort lange unter anderem im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit tätig.

FFF hat eine Medienmitteilung zum Treffen mit Andreas Jung veröffentlicht, die wir hier vollständig (mit minimalen stilistischen Anpassungen) wiedergeben:


Am 17. April trafen sich VertreterInnen von FridaysForFuture, ParentsForFuture und Scientists4Future aus Konstanz, Singen und Radolfzell mit dem Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und der Jungen Union, um die bundesweiten Forderungen der FridaysForFuture-Bewegung zu besprechen.

Die sechs Forderungen lauten:

Mitttelfristig:
1. Nettonull der CO2-Emissionen bis 2035
2. Kohleausstieg bis 2030
3. 100 % erneuerbare Energieversorgung bis 2035

Bis Ende 2019:
4. Das Ende der Subventionen für fossile Brennstoffe (diese belaufen sich aktuell auf 46 Mrd Euro [1])
5. Abschalten von einem Viertel der Kohlekraft
6. Eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch entstehen. Laut UBA sind das 180 € p.t. CO2 [2].

Andreas Jung pflichtete den Jugendlichen bei, dass dem Klimaschutz eine sehr hohe Priorität eingeräumt werden muss. Diese Botschaft wolle er nach Berlin tragen. Insbesondere die CO2-Steuer werde er dort durchzubringen versuchen. Allerdings wolle er nicht mit konkreten Zahlen in die Verhandlungen zur Einführung der CO2-Steuer gehen. Manuel Oestringer von FridaysForFuture betonte deshalb noch einmal: „Unsere Forderungen sind notwendige Minimalforderungen. Sie sind so formuliert, dass kein Spielraum nach oben besteht.“ Noemi Mundhaas, Pressesprecherin von FridaysforFuture, ergänzte: „Die Physik verhandelt nicht. Wenn wir weniger als diese Forderungen umsetzen, werden voraussichtlich Kipppunkte im Klimasystem überschritten und die 1,5-Grad-Celsius-Grenze kann nicht eingehalten werden.“

Alle Seiten betonten die Notwendigkeit schnell zu handeln, um vergangene Versäumnisse aufzuholen und eine globale Katastrophe zu verhindern.

Mundhaas bedankte sich im Namen von FridaysForFuture bei Andreas Jung und der Jungen Union für das konstruktive Treffen, man freue sich bereits auf das nächste Treffen im Herbst, bei dem über den bis dahin geschafften Fortschritte bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen gesprochen werden soll.

[1] Florian Zerzawy, Swantje Fiedler und Alexander Mahler, Subventionen für fossile Energien in Deutschland, Hamburg im Juni 2017, Eine Studie vom FÖS im Auftrag von Greenpeace.
[2] Dr. Astrid Matthey, Dr. Björn Bünger, Methodenkonvention 3.0 zur Ermittlung von Umweltkosten, Umweltbundesamt, Dessau Roßlau.


MM/O. Pugliese (Bild: FridaysForFuture)