Baugemeinschaft will Polizeiposten Lutherplatz

Der Polizeiposten am Konstanzer Lutherplatz dämmert seit vielen Jahren im Dornröschen­schlaf vor sich hin. Von den Beamten nur noch seltenst genutzt, verfällt das Gebäude in Landesbesitz zusehends. Nun hat sich die WohnWerkstatt, eine von mehreren Bau­ge­mein­schaften in Konstanz, die händeringend auf die von der Politik versprochenen Grund­stücke warten, mit einem Brief an die zuständige Landes­ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau gewandt, die Liegenschaft für Wohnnutzung freizugeben. Der Brief im Wortlaut:


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Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Hoffmeister-Kraut,

die WohnWerkstatt Konstanz wendet sich mit der Bitte an Sie, den Verkauf oder die Vergabe in Erbpacht des kaum genutzten Polizeipostens Lutherplatz in Konstanz zwecks Schaffung von Wohnraum zu ermöglichen.

Konstanz ist die teuerste deutsche Mittelstadt (50.000 bis 100.000 Einwohner) laut der aktuellen Studie von Immowelt [Lit. 1].

Der landeseigene Polizeiposten Lutherplatz befindet sich in innerstädtischer 1A-Wohnlage. Es ist ein wunderschönes Haus, das seit Jahrzehnten nur sporadisch genutzt wird, bei dem die Fenster eines Trakts dauerhaft vernagelt sind und dessen Anbau insgesamt verfällt. Der hinter dem Haus liegende ebenerdige Parkplatz – ebenfalls in bester Wohnlage – bietet Platz für einen weiteren, etwa gleich großen Baukörper.

Der aktuelle Koalitionsvertrag „Baden-Württemberg gestalten: Verlässlich. Nachhaltig. Innovativ.“ beinhaltet im Kapitel AKTIVE LIEGENSCHAFTSPOLITIK STÄRKEN folgende Aussage. “Landeseigene Flächen werden wir für den Wohnungsbau mobilisieren. Das Land wird auf die Kommunen zugehen und eigene Flächen und Liegenschaften für den Wohnungsbau anbieten, damit von ihm bevorratete Grundstücke für den Wohnungsbau genutzt werden können.“ Im Kapitel LANDESWOHNRAUMFÖRDERUNG STÄRKEN UND VEREINFACHEN steht “Wir wollen neuen und kleineren Akteuren wie Genossenschaften, Gemeinschaftsvorhaben von Eigentümern (Baugruppen) und gemeinnützig orientierten privaten Investoren, die neuen sozialgebundenen Mietwohnraum schaffen wollen, den Zugang zum Programm erleichtern und prüfen hierzu Bürgschaftsmodelle.“ [2]

Ein Ziel des Förderprogramms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ ist es, „[…] bestehende Leerstände und innerörtliche Flächen, wie Baulücken und Brachflächen, oder auch Potenziale zur qualitätsvollen Nachverdichtung zu aktivieren.“

Die WohnWerkstatt hofft, dass Sie nach einer Prüfung der Sachlage die Einschätzung teilen, dass mit der Ausschreibung des Polizeipostens Lutherplatz für die Errichtung eines sozialen Gemeinschaftswohnprojekts wie es die WohnWerkstatt plant [Lit. 2] , geradezu exemplarisch alle oben genannten Ziele des Koalitionsvertrags und des Förderprogramms umzusetzen würde.

Der Landesbetrieb Vermögen und Bau ist leider nicht dieser Auffassung. Er bestreitet, dass es sich bei dem Polizeiposten wenn nicht um einen Leerstand, so doch um eine für die hohe Qualität eklatant unternutzte Immobilie mit ebenso platzvergeudender Parkfläche handelt. Ebenso verweist er auf eine zukünftig geplante Nutzung durch das Land selbst. In dieser Weise wurde auch die Wahlkreisabgeordnete Nese Erikli beschieden. Tatsache ist, dass diese Ankündigung von Vermögen und Bau jetzt seit über 20 Jahren (so lange verfolge ich die Kommunalpolitik) besteht ohne dass sich etwas tut.

Bitte stellen Sie sicher, dass nicht ohne Grund weitere 20 Jahre ein perfektes Haus und eine perfekte Fläche in Deutschlands teuerster Mittelstadt im Dornröschenschlaf liegen.

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Wir stehen natürlich gerne für Gespräche zur Verfügung. Sicher wird auch die Stadtverwaltung Konstanz höchst glücklich sein, wenn Sie (oder auf Ihre Initiative hin Vermögen und Bau) Gesprächsbereitschaft bezüglich Polizeiposten signalisieren.

Mit freundlichen Grüßen
Für die WohnWerkstatt Leben & Teilen
Gez. Sabine Seeliger

[Lit. 1] https://www.haufe.de/immobilien/entwicklung-vermarktung/marktanalysen/konstanz-ist-teuerste-mittelstadt-in-deutschland_84324_479286.html (abgerufen 09.06.2019)
[Lit. 2] https://www.wohnwerkstatt-konstanz.de/konzept.html


MM/red (Foto: WohnWerkstattr Leben & Teilen)