Themenabend Kultur in der Kantine

Eingeladen hatte die grüne Jugend Konstanz. Gekommen waren vergangenen Mittwoch etwa 40 Kulturschaffende und Interessierte. Auf dem Podium waren Marcel Roth, Stadtrat in Stuttgart und dort zuständig für Kulturfragen, Luigi Pantisano, Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl am 27. September in Konstanz und schließlich Simon Weiland, Kulturschaffender einerseits, Organisator andererseits im Vorstand des K9. Ort: der Hof der Kantine im Neuwerk.

Jenseits der für viele Kulturschaffende wichtigen Frage: wie kommt man durch die Coronakrise, ging es vor allem um Freiräume, in denen Kultur stattfinden kann. Berichtet wurde unter anderem über entsprechende Projekte in Stuttgart und es wurde deutlich, wie schwierig die Situation in einer Stadt ist, in der jeder Raum finanziell gewinnbringend genutzt wird und für (Sub-) Kultur kaum etwas bleibt. Immerhin konnte Kulturstadträtin Gisela Kusche von der FGL doch auf einige freie Räume in Konstanz hinweisen und stellte unter anderem die Idee vor, den (überdachten) Ort am alten Hauptzoll zu nutzen für grenzübergreifende Projekte. Insgesamt wurde klar, dass es nicht darum geht, dass die Politik Kultur schafft, sondern dass sie die Möglichkeit dazu bieten muss.

Anzeige

Am Ende der Veranstaltung wurde noch einmal deutlich, wie wichtig ein stadtplanerisches Vorgehen sein kann, um Konflikte zu vermeiden. Schon die heftigen Diskussionen über die Situation am Herosé zeigen die Auswirkungen falscher Planung – in dem Fall sind sie schon unter einer früheren Stadtleitung zustande gekommen. Immerhin hätte aber die jetzige Verwaltungsspitze daraus lernen können – das scheint nicht der Fall: das Neuwerk beispielsweise ist ja an einer Stelle entstanden, an der Lärmemissionen niemanden stören. Nun aber wurde direkt daneben ein Hotel hochgezogen, dass sich ständig beschwert und auf der anderen Seite ist eine Wohnbebauung geplant die zu weiteren Konflikten führen kann.

Stephan Schulz (Text und Foto)


Kommentar

(sts) Politik ist ein wenig wie Grießbrei: wenn man nicht rührt, gibt’s Klumpen. Genau dieses Rühren könnte eine Aufgabe von Kunst sein. Genau dafür muss sie aber unabhängig von der Politik sein. Letztere sollte der Kunst Räume bieten. Sie sollte aber auch souverän sein und Kunst ertragen. Im Falle des Theaters in Konstanz ist das nicht gelungen – nicht beim Leiter des Theaters, der es manchen sicher nicht leicht gemacht hat, aber ist das seine Aufgabe? Auch bei Gästen wie Serdar Somuncu wurde die Provokation am Stadttheater nicht ertragen – sie wurde nicht einmal verstanden. Das ist bedauerlich.

Bedauerlich ist auch, dass in der Vergangenheit Räume, in denen Kunst stattfand, nicht gewahrt wurden, sondern zum Beispiel dem Profit einer Drogeriekette geopfert wurden, wie im Fall des Scala-Kinos mitten im Herzen der Stadt.

Trotz großer Einrichtungen wie Theater und Philharmonie gibt es in Konstanz nach oben hin noch viel Luft für Kleinkunst und (Sub-) Kultur, die ein künftiger Bürgermeister fördern könnte, bei gleichzeitiger Wahrung der Freiheit, die sie braucht.

 

(Anmerkung der Redaktion): Noch ist Bürgermeister Andreas Osner (SPD) für die Kultur zuständig, er steht aber ständig in der Kritik. Seine Amtszeit läuft nächstes Jahr aus, er würde allerdings gerne weitermachen, nachdem seine Kandidatur in Heidelberg gescheitert ist. Es gilt als sicher, dass sich für den Posten noch andere bewerben. Diese Entscheidung treffen aber nicht die WählerInnen, sondern der Gemeinderat hat das letzte Wort. Eine Amtszeit läuft insgesamt über acht Jahre.