Dichterliebe bei der RathausOper 2020

Heinrich Heine war der schon zu Lebzeiten meistvertonte deutschsprachige Dichter, und gerade romantische Komponisten wie etwa Schumann oder Brahms (aber auch noch Schönberg) hinterließen ein umfangreiches Liedschaffen. Das Lied war in der Romantik und bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein einfach in, egal ob Kunstlied oder (vermeintliches) Volkslied. Die Konstanzer RathausOper präsentiert in den nächsten Tagen eine Komposition von Christian Jost rund um Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“.

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Liebe, Einsamkeit und menschliche Endlichkeit – diese ewigen Themen durchziehen die sechzehn Lieder von Robert Schumanns berühmter „Dichterliebe“ (komponiert in Schumanns „Liederjahr“ 1840, am Stück uraufgeführt erst 1861 mit Brahms am Klavier) auf Gedichte von Heinrich Heine, die 1823 erstmals erschienen waren und später auch Eingang in dessen berühmtes „Buch der Lieder“ fanden. „Im wunderschönen Monat Mai“ hat es zu einem Kultwerk der deutschen Romantik gebracht, und auch ansonsten fehlt es in diesen Liedern nicht an den zeittypischen Lieblingsthemen der bildungsbürgerlichen Schichten: Liebe, Lilie, Träne, Rhein, Rose und ihresgleichen durchseufzten nicht nur die gerade höchst beliebten Poesiealben, die nach getrockneten Blümchen und oft wohl auch still verdrückten Tränchen dufteten, sondern erhielten von Meisterdichtern wie Heine echte literarische Weihen.

Romantische Zerrissenheit

Diese Werke sind Klang gewordene Imaginationen einer zerrissenen Seele. Die Mezzosopranistin Lena Sutor-Wernich und der Bariton David Pichlmaier (beide im Ensemble des Staatstheaters Darmstadt) geben der rätselhaften Seele eine Stimme, die eine Liebe besingt, von der wir nicht wissen, ob sie erträumt oder reale Vergangenheit ist. Komponist Christian Jost (*1963) integriert diese Liederinseln in eine neue, groß angelegte Komposition. Der Abend wird umrahmt von weiteren Heine-Texten, dargeboten von Schauspieler Tomasz Robak (ehemaliges Ensemblemitglied am Theater Konstanz).

Unter der Leitung von Eckart Manke bringt das neunköpfige Kammerorchester der RathausOper Konstanz das vielschichtige Werk zum Klingen. Mit assoziativen Visualisierungen eröffnet die diesjährige Produktion im Rathaus-Innenhof einzelne Fenster in die menschliche Seele. Regisseur Daniel Grünauer greift mit Licht und Projektionen (Shara Werscke und Jan Behnstedt) die Sehnsucht nach Gewissheiten auf und erschafft so ein Fenster zur Seele. Bei Probenbeginn am Montag zeigten sich alle Produktionsbeteiligten glücklich, wieder kreativ arbeiten zu können und bald dem Publikum zu begegnen.

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Gutes Wetter – schlechtes Wetter

Die Vorstellungen im Rathaushof sind an die aktuelle Situation angepasst: Die knapp 90 Zuschauer nehmen an 45 Stuhl- und Tischinseln vorwiegend in Zweier- und Dreiergruppen Platz. Bei Regen sind ebenso viele Stuhlinseln in der Spiegelhalle vorbereitet. Bei gutem und stabilem Wetter können am Abend zusätzliche Schönwettertickets für den Rathaushof verkauft werden, die Abendkasse am Augustinerplatz öffnet dafür um 19.45 Uhr. Die beliebte Rathausbar muss leider geschlossen bleiben, Getränke können aber vorab mit den Tickets bestellt werden – die Besucher finden diese dann am Tisch eingestellt. Ticketwünsche werden per Mail tickets@rathausoper.de oder telefonisch +49 176 51155 964 entgegengenommen. Die Tickets kosten regulär 30 Euro, ein Corona-Unterstützungsticket für 40 Euro kommt der Produktion und den Kulturschaffenden zugute.

MM/red (Bild: RathausOper Konstanz)


Wann: Freitag, 21.08.2020, Sonntag, 23. August 2020, Montag, 24. August 2020, Mittwoch, 26. August 2020, Freitag, 28. August 2020, Samstag, 29. August 2020, jeweils um 20.45 Uhr. Wo: Hof des Rathauses, Kanzleistraße 13-15, 78462 Konstanz, Abendkasse am Augustinerplatz (das ist der Platz hinter dem Karstadt); bei schlechtem Wetter in der Spiegelhalle am Hafen, Hafenstraße 12, 78462 Konstanz. Wer: Lena Sutor-Wernich, David Pichlmaier, Tomasz Robak und dem Kammerorchester der RathausOper Konstanz; musikalische Leitung Eckart Manke; Inszenierung Daniel Grünauer; Visuals Jan Behnstedt; Lichtdesign Shara Werschke.