Philharmonie apollo

Ein Hoffnungsschimmer für die Philharmonie?

Von Harald Borges

Noch vor wenigen Tagen sah es so aus, als solle der Konstanzer Gemeinderat das Totenglöcklein für die Bodensee Philharmonie läuten. Doch dann vertagte er das Thema Philharmonie-Finanzen auf eine Ausschusssitzung am 23. Oktober, und dort soll jetzt über ein modifiziertes Sparverfahren befunden werden, das dem Orchester eine Chance lässt.

Der Plan war einfach: Der Kulturbereich insgesamt erhält von der Stadt in den Jahren bis 2030 weniger Geld, und rund die Hälfte der einzusparenden Summe sollte bei der Philharmonie wegfallen (seemoz berichtete). Das Orchester sollte pro Jahr einen wachsenden Betrag weniger bekommen als bisher vorgesehen, und im Jahr 2030 schließlich – trotz aller Kostensteigerungen – mit 1,1 Millionen Euro weniger an städtischem Zuschuss auskommen als geplant.

Dafür wurde ein Wolkenkuckucksheim aus zu erzielenden Mehreinnahmen an die blutrote Wand gemalt: Künftige Verhandlungen über mehr Geld von anderen Kommunen, dem Landkreis und aus der Schweiz, höhere Eintrittspreise bei steigender Auslastung, Sponsorengelder zuhauf … alles Vorschläge, die bereits seit Jahrzehnten durch die Orchesterdebatten geistern, ohne jemals eine handfeste Spur in den Finanzen hinterlassen zu haben.

Sichere Kürzungen, ungewisse Mehreinnahmen

Die sichere Kürzung von Geldern sollte also irgendwie durch völlig unsichere Zuwendungen von Dritten ausgeglichen werden, die größtenteils von dem ihnen zugedachten Glück noch gar nichts wissen und angesichts der derzeitigen Finanzlage auch kaum die Spendierhosen anhaben dürften. Natürlich sollte die Philharmonie (vor allem in Person der Intendanz) diese Gelder weitgehend selbst einwerben, wenn auch punktuell unterstützt durch die Stadtspitze. Wenn das nicht gelänge, wäre – so der Plan – die Philharmonie selbst schuld und könnte demnächst abgewickelt werden. In der schönen neuen Welt des marktwirtschaftlich gedachten Konzerns Stadt ist kein Eckchen für Verlierer auf stets defizitären schöngeistigen Kostenstellen vorgesehen.

Aus Muss soll Kann werden

Nun könnte es, wenn der Gemeinderat mitspielt, etwas anders kommen, als es noch vor wenigen Tagen schien. Inzwischen wurde die Tagesordnung für die öffentliche Sondersitzung des Orchester- und Musikausschusses am 23. Oktober freigeschaltet. Dort findet sich ein veränderter und noch vorläufiger Beschlussvorschlag, der nur wenige Änderungen enthält, aber die haben es in sich und könnten dem Orchester eine echte Überlebenschance trotz sinkender städtischer Zuschüsse bieten.

Die Bodensee Philharmonie soll die Reduzierung des städtischen Zuschusses auch weiterhin wie geplant durch Einsparungen, Mehreinnahmen und zusätzliche Finanzierungsbeiträge ausgleichen. Aber, und das ist der entscheidende Punkt, die Höhe der Zuschussminderung soll nicht im Voraus festgeschrieben, sondern jährlich im Zuge der Haushaltsberatungen neu ausgehandelt werden. Das heißt vermutlich, wenn es (wie abzusehen ist) nicht gelingt, die Einnahmen im vorgesehenen Maße zu steigern, will die Stadt mit sich reden lassen: „Der städtische Betriebskostenzuschuss an die Bodensee Philharmonie soll wird damit bis zum Jahr 2030 schrittweise um bis zu 1,1 Mio. EUR reduziert werden.“ Aus einer Muss-Bestimmung wird also ein Kann.

Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied, denn auf diesem Wege kann die jährliche Zuschussreduzierung der tatsächlichen Verbesserung der Finanzlage des Orchesters durch Kostenreduzierungen und Einnahmesteigerungen angepasst werden. Um welche Summen es dann letztlich gehen wird, bleibt abzuwarten.

Die Entscheidung ist offen

Das alles steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Gemeinderates. Der OB hofft, wie aus wohlunterrichteten Kreisen verlautet, auf eine langfristige Stärkung der Philharmonie und deren Erhalt in enger Zusammenarbeit aller Zuschussgeber und Beteiligten.

Man kann der Philharmonie in dieser Situation nur viel Glück wünschen: Das Geld für kulturelle Aktivitäten liegt nicht gerade auf der Straße, und die wirtschaftliche Messlatte für die künftige Betriebsleitung liegt verdammt hoch. Sollte das Einwerben von mehr Geld erfolglos bleiben, dürfte sich die Debatte um die Zukunft des Orchesters bei der Erarbeitung eines jeden neuen Haushaltes wie gehabt wiederholen und dementsprechend die Existenzangst der Beschäftigten Jahr für Jahr wachsen.

Quelle: Beschlussvorlage ö – 2026-2052/1

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