
Seit dem 1. Januar 2025 erhebt die Stadt Konstanz eine Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen für Speisen und Getränke zum Sofortverzehr. Nach einem Jahr zieht sie Bilanz: Neben einer gerechteren Verteilung der Entsorgungskosten für Straßenabfall und einer Stärkung der Mehrwegangebote konnten die Müllmengen im öffentlichen Raum eingedämmt werden.
Eine Zwischenbilanz im Herbst 2025 zeigte bereits, dass der Trend zu immer mehr Müll im öffentlichen Raum durch die Verpackungssteuer gebrochen werden konnte. Die Zahlen nach einem Jahr sind eindeutig: Im ersten Jahr der Verpackungssteuer fielen 4,5 Prozent weniger Straßenabfall an.
Weniger Verpackungsmüll im öffentlichen Raum
Bisher sind die Müllmengen von Jahr zu Jahr kontinuierlich angestiegen. Um nachweisen zu können, ob sich die Verpackungssteuer auf das Müllaufkommen auswirkt, wurde ihre Einführung von Beginn an mit einer datenbasierten Evaluation verknüpft. Die Abteilung für Datenmanagement und Statistik der Stadtverwaltung kooperierte dafür mit der Universität Konstanz.
Für das Gesamtjahr 2025 zeigt die Wirkanalyse: Im Vergleich zu den Vorjahren 2021 bis 2024 fielen letztes Jahr im Schnitt rund 22 Tonnen weniger Straßenabfall an – so viel wie das Gewicht von etwa 1,4 Millionen Coffee-to-go-Bechern. Prozentual gesehen entspricht dies einem Rückgang des Müllaufkommens um 4,5 Prozent – in einigen Stadtgebieten sind es sogar bis zu 10 Prozent. Das ist ein beachtliches Ergebnis, da Einwegverpackungen sehr leicht sind.
Da Verpackungsmüll nach Studienlage einen geringen bis mittleren Anteil am Gesamtgewicht des Straßenabfalls ausmacht, lässt sich daraus eine Reduktion des Verpackungsmülls von 30 bis 50 Prozent ableiten. Das Müllaufkommen wird von unterschiedlichen Faktoren wie Witterung und Veranstaltungen beeinflusst. Diese Kontextfaktoren wurden bei der Evaluation berücksichtigt.
Historie und Resümee
Die Einführung der Steuer wurde im Jahr 2023 mit deutlicher Mehrheit des Gemeinderats befürwortet, im weiteren Verlauf aber sehr emotional diskutiert – und wäre kurz vor der Einführung sogar fast noch gestoppt worden. „Dass wir mit der Verpackungssteuer nicht nur den Trend zu immer mehr Müll im öffentlichen Raum stoppen, sondern sogar eine Reduktion bewirken konnten, zeigt: Es lohnt sich, auch teils unpopuläre Maßnahmen in die Umsetzung zu bringen“, so das Resümee von Philipp Baumgartner, Leiter des Amts für Klimaschutz.
Ein weiterer positiver Effekt der Verpackungssteuer zeigt sich darin, dass sich das Mehrweg-Angebot in Konstanz vergrößert hat. Der Anbieter Recup verzeichnete beispielsweise zwischen Herbst 2024 und Frühjahr 2025 ein Wachstum von 40 Prozent. Aktuell gibt es über 100 Ausgabestellen für Mehrweg im gesamten Stadtgebiet. Auch die Auswahl an Speisen, die in Mehrwegverpackungen angeboten werden, ist vielfältiger geworden. Einige Betriebe haben sogar Lösungen gefunden, auf Einwegverpackungen fast gänzlich zu verzichten.
Flankierend zur Einführung der Steuer wurde im öffentlichen Raum und über die städtischen Kommunikationskanäle verstärkt für die Mehrwegnutzung geworben. Darüber hinaus wurde eine Mehrwegförderung für Konstanzer Handels- und Gastrobetriebe sowie Vereine mit einem Gesamtbudget von 60.000 Euro eingeführt. Bis zum Ende des Förderprogramms am 31. März 2026 wurden 50 Betriebe und 40 Vereine mit einer Summe von rund 38.000 Euro gefördert.

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