
Die Musiker*innengewerkschaft unisono hat jetzt von der Stadt Konstanz klare Perspektiven für die Zukunft der Bodensee Philharmonie sowie schleunigst einen strukturierten Prozess zur Intendant*innenfindung angemahnt.
Die Stimme der (in der breiten Öffentlichkeit eher unbekannten) Gewerkschaft unisono Deutsche Musik- und Orchestervereinigung e.V. hat in der Branche großes Gewicht, verhandelt sie doch als Arbeitnehmer*innenvertretung über die Tarifverträge mit dem Deutschen Bühnenverein als Vertretung der öffentlichen Arbeitgeber*innen. Die Gewerkschaft versteht sich als die Vertretung sämtlicher Berufsmusiker*innen in Deutschland mit einem ungewöhnlich hohen Organisationsgrad, ihr gehören z.B. fast alle Orchestermusiker*innen an.
Nach den Turbulenzen rund um die Konstanzer Bodensee Philharmonie hat unisono jetzt einen offenen Brief an die Stadtverwaltung publiziert, in dem Sicherheit für die Konstanzer Orchestermusiker*innen gefordert wird. Anlässe sind der Weggang des Intendanten Hans-Georg Hofmann in diesem Sommer sowie die Spardebatte der vergangenen Monate, in der gar eine Schließung des Orchesters im Raum stand.
„Diese Diskussion betrifft sowohl die Öffentlichkeit als auch die Beschäftigten. Beide brauchen ein klares Bekenntnis, dass die Stadt weiterhin uneingeschränkt hinter ihrem Orchester steht“, schreiben die beiden Gewerkschafts-Geschäftsführer*innen Robin von Olshausen und Julia Hofmann in einer Medienmitteilung. „Die Mitglieder der Bodensee Philharmonie brauchen eine klare Perspektive, damit sie die richtigen Schritte in ihrer Weiterentwicklung gehen können.“
Hier der offene Brief:
Bekenntnis der Stadt
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Burchardt,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Osner,
UNISONO, die Gewerkschaft und der Berufsverband der professionellen Musikerinnen und Musiker in Deutschland, wendet sich mit großer Sorge an Sie in Bezug auf die aktuelle Situation der Bodensee Philharmonie.
Die Position der Intendanz ist ab der kommenden Spielzeit unbesetzt. Gleichzeitig wurde bislang kein erkennbares oder öffentlich kommuniziertes Findungsverfahren eingeleitet. Ein solcher Umgang mit einer zentralen Leitungsfunktion eines kommunalen Orchesters ist aus unserer Sicht höchst ungewöhnlich, intransparent und erklärungsbedürftig.
Selbst wenn übergangsweise eine Interimslösung angestrebt wird, entbindet dies nicht von der Notwendigkeit, parallel ein reguläres, transparentes Auswahlverfahren durchzuführen. Weder die Gründe für das Ausbleiben eines Findungsverfahrens noch die strategischen Überlegungen der Stadt sind nachvollziehbar kommuniziert worden.
Vor diesem Hintergrund stellen sich grundlegende Fragen, die nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Öffentlichkeit betreffen:
- Steht die Stadt Konstanz weiterhin uneingeschränkt hinter ihrem Orchester?
- Welche Perspektive sehen Sie für die zukünftige Entwicklung der Bodensee Philharmonie?
Wir fordern Sie nachdrücklich auf, ein transparentes Intendanten-Findungsverfahren einzuleiten und ein klares öffentliches Bekenntnis zur Zukunft der Bodensee Philharmonie abzugeben.
Wir halten eine öffentliche Debatte über die kulturpolitische Ausrichtung der Stadt Konstanz in diesem Zusammenhang für notwendig und überfällig.


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