Maifeier 2024 Demo Hussenstraße ©pit Wuhrer

Mit Mut zur Bildungswende

2 Kommentare

Maifeier 2024 Demo Hussenstraße ©pit Wuhrer

Auf 1.-Mai-Veranstaltungen gibt es immer was zu lernen. Beispielsweise über den Zustand des Bildungswesens – und was dringend geändert werden müsste. Wie das gehen könnte, erläuterte Hans-Georg Pannwitz, Kreisvorsitzender der GEW, in seinem Grußwort bei der Konstanzer Maifeier im Stadtgarten. 

Bildung – Mutig – Los: Mit diesem Motto ist die GEW, die größte Bildungsgewerkschaft, in den Personalratswahlkampf gegangen. Es beschreibt gut, was es braucht, um unser Bildungssystem mit einer echten Bildungswende zeitgemäß zu machen. 

Denn wie ist der Zustand unserer Bildungseinrichtungen?
Wie fast überall herrscht auch bei uns Personalmangel. Zudem stecken wir in einer Umbruchsituation, da wir mit der Migrationsbewegung aus dem Süden und seit der Fluchtbewegung aus der Ukraine viele Menschen mit anderen Bildungswegen bei uns aufnehmen – und integrieren müssen. Dabei ist unser Bildungssystem immer noch fixiert auf Noten, Bestenauslese und der Selektion nach der vierten Klasse.

Damit stellt sich die grundlegende Frage: Welche Erwartung hat die Gesellschaft an die Schulen? Wie viele Ressourcen, finanziell und menschlich, sind wir bereit, in das Bildungssystem zu investieren?

Damit wir die Kinder nicht verlieren

Wir brauchen mutige Entscheidungen, nicht nur für ein längeres gemeinsames Lernen mit G9, also für Gymnasien mit neun Klassen. Sondern eine Bildungswende, die alle Faktoren, die für einen zukunftsweisende Bildung wichtig sind, in den Fokus nimmt. Denn wir verlieren immer noch die unteren 20 Prozent der Kinder, die ohne vollständigen Abschluss die Schule verlassen.

Können wir uns das als führendes Wirtschaftsland und mit unserer einzigen Ressource Bildung erlauben? Müssen wir nicht viel mehr den Fokus auf frühkindliche Bildung, auf ein längeres gemeinsames Lernen in der Grundschule und in Sekundarstufe 1 richten?

Dazu gehört die flächenweite Einführung multiprofessioneller Teams, die Schulen unterstützen und von der Verwaltungsarbeit entlasten. Dazu gehört aber auch psychologische/logopädische Unterstützung, damit auch Inklusion gelingen kann.

Mehr Bildungsgerechtigkeit!

Zudem brauchen wir eine Entrümpelung der Bildungspläne, um wegzukommen vom „Brechlernen“1 – und hin zu mehr eigenverantwortlichem Lernen. Demokratie lernen und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung sollten im Zentrum der Bildungswende stehen. Wir brauchen auch einen Ganztagsunterricht, der Lernen rhythmisiert und kindgerecht für alle ermöglicht und damit zu mehr Bildungsgerechtigkeit führt.

Wir sehen Bildungsarbeit als Teamarbeit – und benötigen damit auch eine Teamschule, die nicht Unterschiede hervorhebt, sondern Professionen gemeinsam verbindet und Bildung ganzheitlich im Ganztag sieht.

Dann wäre auch Schluss mit der Arbeit daheim, denn diese soll großteils vor Ort in den Bildungseinrichtungen stattfinden. Die Unterrichtsdeputate müssen entsprechend angepasst und reduziert werden, damit wir die pädagogische Arbeit mehr in den Fokus nehmen können.

Mehr Lohn haben wir erreicht, dank der Kolleg*innen, die auf der Straße Druck auf die Landesregierung gemacht haben – das ist kein Selbstläufer. Sondern Ergebnis GEWerkschaftlichen Zusammenhalts.

Legen wir also los, seien wir mutig, kommen wir mit den Menschen, mit den Kolleg*innen ins Gespräch und verändern so im Kleinen die Bildungslandschaft! Schließen wir uns zusammen, um gewerkschaftlich eine Bildungswende hinzubekommen!

Text: Hans-Georg Pannwitz von der GEW Konstanz / Fotos: Pit Wuhrer

  1. „Brechlernen“ heißt die Aneignung von Wissen, das schnellstmöglich wieder ausgekotzt wird – eine gängige Praxis an vielen Gymnasien. ↩︎

2 Kommentare

  1. Alex Tasdelen

    // am:

    Hans Pannwitz ist nur zuzustimmen. Mutige Kolleg*innen gibt es schon immer zur Genüge an den Schulen und die Kinder sind es ja sowieso. Woran es fehlt ist der Wille, endlich die notwendigen Strukturen vor Ort zu schaffen und den Schulen eigenverantwortlich Gestaltungsmöglichkeiten zu übertragen. Arbeitszeit in 45 Minuten-Lerneinheiten zu berechnen erschien mir schon vor 30 Jahren suspekt.

  2. Werner Volk

    // am:

    Mit zu wenig Personal mag es leicht rausrutschen, dass man Menschen mit Fluchterfahrungen aufnehmen „müsse“. Man kann es aber auch beschreiben als einen Wert, der dankbar macht, dass Menschen hier Zuflucht suchen und wertvolle Teilhaber an unserer Gesellschaft sein können – bei guten Angeboten an Bildung – von Sprache bis Basiskenntnisse beruflicher Art.
    Das unser Bildungssystem ein Selektionssystem ist, hätte mit zwei Sätzen ruhig näher beschrieben werden können. Dann würde auch deutlich, warum spezifisch wo Personal fehlt. Denn es gibt auch Bildungsbereiche, in denen kein Personal fehlt, weil Geld keine Rolle spielt. GEW traut euch, die nette Tarifpartnerschaft ein wenig zu stören.

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