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Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt deutlich an

Aus der Redaktion
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Die Zahl der Kriegsdienst-Verweigerungsanträge in Deutschland hat sich in den ersten drei Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdreifacht. Das geht laut der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)“ aus der Antwort einer Sprecherin der Bundeswehr in Köln auf eine aktuelle Anfrage der Friedensorganisation hervor.

Demnach haben 3493 Menschen im ersten Quartal 2026 einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung (KDV) gestellt. Davon kamen 64 Anträge von aktiven Soldat:innen, 236 von Reservist:innen und 3193 von Männern, die noch nie bei der Bundeswehr waren. Im Vorjahreszeitraum gingen insgesamt 1094 Anträge ein (Frage 50, BT-Drucksache 21/3772).

Beratung für Kriegsdienstveweigerung zunehmend gefragt

„Setzt sich der Trend fort, werden dieses Jahr deutlich über 15.000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gestellt werden“, so Cornelia Mannewitz, Bundesprecherin der DFG-VK. Laut Mannewitz baten allein im April mehr als 1000 Menschen die örtlichen Beratungsstellen der Friedensorganisation um Informationen und Unterstützung bei ihrer Verweigerung. Nach den Worten der Bundessprecherin waren das „nicht nur Jugendliche des Jahrgangs 2008, die jetzt von Zwangserfassung und Fragebogen betroffen sind“, sondern auch ältere Verweigernde.

Obwohl die Wehrpflicht derzeit noch ausgesetzt sei, hätten viele Männer Angst vor einer Einberufung zur Bundeswehr im Spannungs- oder Verteidigungsfall. „Diejenigen, die sich bei uns beraten lassen, wollen nicht zum Töten von Menschen ausgebildet werden. Und sie wollen schon gar nicht töten“, meint Cornelia Mannewitz.

Die DFG-VK sehe im Wachstum der KDV-Zahlen „eine klare politische Absage an das von Verteidigungsminister Boris Pistorius ausgerufene Ziel der Kriegstüchtigkeit und die Bestrebungen der Bundesregierung die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas auszubauen“. Mit ihren bundesweiten Beratungsangeboten für Kriegsdienstverweigerer:innen sei die DFG-VK gefragt und baue weiter die Beratungskapazitäten aus, um Wehrpflichtige sowie aktive oder ehemalige Soldat:innen bei ihrer Kriegsdienstverweigerung kompetent zu begleiten.

Das „Wehrdienstmodernisierungsgesetz“

Derzeit ist die allgemeine Wehrpflicht ausgesetzt, abgeschafft wurde sie jedoch nie. Seit dem 1. Januar 2026 gilt aber die Aktivierung von Paragraph 3 Abs. 2 Wehrpflichtgesetz. Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen kritisiert den mit dem Wehrdienstmodernisierungsgesetz aktivierten Paragraphen, wonach junge Männer im wehrpflichtigen Alter Deutschland nur noch mit Genehmigung für mehr als drei Monate verlassen dürfen.

Laut SWR stellte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im April nach einigen Debatten klar, dass wehrfähige Männer derzeit keine Genehmigung für lange Auslandsreisen brauchen. Sie gilt als erteilt, solange der Wehrdienst freiwillig ist. Wer sich direkt informieren will, kann sich an eines der bundesweit 15 Karrierecenter der Bundeswehr wenden. Welche Region zuständig ist, lässt sich über die Website der Bundeswehr oder eine Servicehotline herausfinden.

Ab Juli 2027 sollen junge Männer wieder verpflichtend gemustert werden, die ab dem 1. Januar 2008 geboren wurden. Unberührt davon bleibt das Recht jedes Einzelnen, den Militärdienst aus Gewissensgründen zu verweigern. Wer den Kriegsdienst verweigern und auf keinen Fall zur Bundeswehr möchte, findet dazu hier weitere Informationen.

Bild von Simone VomFeld auf Pixabay.

16 Kommentare

  1. Joe Mayer

    // am:

    Ersatzdienst ist ökonomisch völliger Blödsinn, genau wie Wehrpflicht.
    Nehmen wir mal, an der zukünftige Arzt macht nett Ersatzdienst, heisst nichts anderes, als dass er schlecht bezahlt ist und die Jobs von Pflegekräften kannibalisiert. Mit seiner geringen Entlohnung verhindert er leistungsgerechten Lohn.
    Er selbst wäre besser ein Jahr früher mit dem Studium fertig und der volkswirtschaftliche Vorteil wäre sein letztes Gehalt, abgezinst auf heute. Mehr Steuern und Sozialabgaben….wäre besser für alle.

    LG

  2. Robert Becker

    // am:

    @DIETMAR MESSMER

    Ihre Entscheidung für einen Ersatzdienst gebührt voller Respekt. Das sind wertvolle Dienste am Menschen, die einiges von einem abverlangen.

    Genau der gleiche Respekt sollte auch denjenigen zukommen, die sich für die Bundeswehr entscheiden, ob freiwillig oder verpflichtet. Auch hier lernt man einiges für das eigene Leben. Und für den Notfall, den sich niemand wünscht, ist man mit Sicherheit besser aufgestellt, als jemand der eine stark reduzierte Notfallausbildung bekommt.

    Berücksichtigen sollte man auch, dass niemand in einer Notfallsituation einfach so abhauen kann. Die Grenzen sind dicht, genauso wie Flughäfen. Und die sicheren Bunker, wenn es sie denn gibt, sind eher den Schwächeren vorbehalten. Das muss doch auch mal gesagt werden.

  3. Dietmar Messmer

    // am:

  4. Dietmar Messmer

    // am:

    Die aktuelle Debatte: längerer Auslandsaufenthalt von jungen Männern ja oder nein
    https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/wehrpflichtgesetz-maenner-bundeswehr-auslandsreise-faq-100.html
    Nach zehn Jahren wurde ich 1982 in 3. Instanz anerkannter Kriegsdienstverweigerer und 1983-1985 zivildienstleistend in einer Klinik in Bonn. 1983 Bonner Friedensdemo – Freunde seit damals.
    Politisch, ethisch, religiös – eigentlich anarchistisch und Antifaschist.
    Hoffnung und Lebensfreude finden in Festivals – trotz x-fachem atomaren Overkill.
    Also kommt zur Hiroshima Kundgebung am 6.8.2026 vor das Konstanzer Münster.

  5. Robert Becker

    // am:

    @ HELMUT REINHARDT

    Der Begriff „Horde“ ist nicht nazibelastet. Unter Wikipedia wird die Horde als „Eine … im allgemeinen Sinne … umherziehende Gruppe von Menschen, auch als wilde Bande oder Rotte…“ bezeichnet. Wenn Sie sich dabei besser fühlen, können Sie den Begriff fiktiv streichen und zur Beschreibung des Ist-Zustands der russischen Armee auch „internationale Söldnertruppe, die in fremdes Staatsgebiet eindringt“, wählen.

  6. Robert Becker

    // am:

    @Holger Reile

    Wenn es um echte Landesverteidigung geht, werden doch tatsächlich auch völlig unerwartete Kräfte mobilisiert. Und das ist gut so. Das ist doch genau das, was in der Ukraine sichtbar wird: Aus David wird Goliath. Alleine das ist schon Teil einer Abschreckung für alle Angriffsaggressivität in Zukunft.

    Anfangs hieß es ja noch selbst von bekannten Militärs, dass alles in 14 Tagen für Russland erledigt sei. Krasse Fehleinschätzung des Verteidigungswillens eines angegriffenen Volkes.

    Der absolute Verteidigungswille ist auch in den baltischen Staaten sichtbar genauso wie in den skandinavischen Ländern. Da ist man schon so gut ausgestattet und vorbereitet, dass schon riesige unterirdische Versorgungseinrichtungen vorhanden sind für den Kriegsfall. Aber nicht erst seit dem Ukraineüberfall.

    Dagegen wird man in Deutschland schon vergeblich nach einem einfachen Luftschutzbunker suchen. Finde den Fehler.

  7. Helmut Reinhardt

    // am:

    „..Es ist einer der scheußlichsten Züge des Krieges, dass alle Kriegspropaganda, alles Geschrei, alle Lügen und aller Hass ständig von Leuten kommen, die nicht mitkämpfen..“ https://nemesis.marxists.org/orwell-mein-katalonien5.htm

    In der Originalversion noch stärker wirkend:
    „..One of the most horrible features of war is that all the war-propaganda, all the screaming and lies and hatred, comes invariably from people who are not fighting..“ George Orwell, Homage to Catalonia 1938 https://gutenberg.net.au/ebooks02/0201111h.html

  8. Holger Reile

    // am:

    @Peter Krause
    Vorschlag: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und bewerben sich als Konstanzer Kanonenfutter.

  9. Peter Krause

    // am:

    Die Bundesrepublik muss sich verteidigen können – von uns allen.

  10. Helmut Reinhardt

    // am:

    @Robert Becker,
    Im Ernst? Sie wollen weiterhin die Sprache des NS-Regimes pflegen und damit auch dessen Verblendung und Verrohung teilen? Victor Klemperer notierte am 11. Februar 1943 im Tagebuch: „Als NS-Element fasse ich auch die Beschimpfung des Gegners auf. Immer wieder russische Horden.“ (Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Tagebücher 1942-1945, Aufbau-Verlag S.327) https://www.aufbau-verlage.de/aufbau/ich-will-zeugnis-ablegen-bis-zum-letzten/978-3-351-03616-4

    Der einfache Schritt, der Kriegsmaschinerie Menschen zu entziehen und hier lebenden oder Schutz suchenden russischen Staatsangehörigen, die sich nicht am Krieg beteiligen wollen, Asyl zu gewähren, wird irrsinnigerweise nicht unternommen – oder entspringt dies einem Einverständnis mit der gegenseitig kriegsfördernden Logik „Si vis bellum, para bellum“?: „Wehrpflichtige Russen dürfen laut Gericht abgeschoben werden. Wen in Russland ein Wehrdienst erwartet, ist nicht automatisch vor Abschiebung geschützt. Das Berliner Oberverwaltungsgericht verwarf damit ein Urteil der Vorinstanz.“
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-05/wehrdienst-russland-abschiebung-soldaten
    Davon Betroffene gibt es auch in Konstanz. Eine Möglichkeit hier mit friedlichen Mitteln praktische Solidarität zu zeigen.

  11. Robert Becker

    // am:

    @ HELMUT REINHARDT

    Zum Glück paßt der Begriff „Horde“ heute lediglich auf die Kriegsführung Russlands mit überwiegend schlecht ausgebildetem Personal, eingesammelt aus aller Herren Länder. Die Ukraine hat ja zum Glück bekanntlich den Schlüssel zur intelligenten Kriegsführung gefunden, um die Horden wirksam zu beeindrucken.

  12. Albert Kümmel-Schnur

    // am:

    Si vis bellum, para bellum. DAS hat historisch immer gestimmt.

  13. Helmut Reinhardt

    // am:

    @Robert Becker 29. Mai 2026
    Das Wort „Horden“ für den möglichen Gegner scheint aus den Zeiten des LTI* wider Erwarten doch noch gut erhalten durchgereicht worden zu sein. Das lässt für die Kriegstüchtigkeit zumindest älterer auch ungedienter Semester hoffen, geringstenfalls für die Verwendung in einer Einheit für Öffentlichkeitsarbeit und operative Kommunikation, wie das heute heißt, und weitab der Schusslinie.
    *LTI – Notizbuch eines Philologen (lateinisch Lingua Tertii Imperii ‚Sprache des Dritten Reich(e)s‘) ist ein 1947 erschienenes Werk von Victor Klemperer, das sich mit der Sprache des Nationalsozialismus befasst.

  14. Maik Schluroff

    // am:

    Qualifizierte persönliche Beratung zur Kriegsdienstverweigerung, Kontakt: KDV-KONSTANZ@DFG-VK.DE. Ausserdem: Jeden Donnerstag 18 – 19:30 Online-Beratung per Videocall (auch ohne Anmeldung): http://www.whereby.com/KDV-Konstanz.

    Angeblich überfällt uns Russland im Jahr 2029. Bis dahin sollen wir „kriegstüchtig“ sein. Warum wartet er so lange, bis wir „kriegstüchtig“ sind? Vielleicht liegt es ja auch daran, dass Europa selbst ohne die USA bei nahezu allen wesentlichen Waffen und Personalstärken jetzt schon dreifach überlegen ist (Südkurier vom 25.5.2026).

  15. Robert Becker

    // am:

    @DIETMAR MESSMER

    Volle Zustimmung! Jetzt müßte man nur noch Herrn Putin davon überzeugen und dann ist wieder alles gut. Ich befürchte nur, dass das erst gelingt, wenn der gute Mann mit seinen Horden an der Atlantikküste steht.

  16. Dietmar Messmer

    // am:

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