
Das hat es in Konstanz wohl noch nie gegeben: Am Samstag treten die Beschäftigten der beiden Spielcasinos an der Seestraße und am Bahnhofsplatz in den Ausstand. Der Eigentümer, das Land Baden-Württemberg, hatte ihnen ohne Vorwarnung die Tarifverträge gekündigt. Worum geht es?
Im Tarifkonflikt mit den baden-württembergischen Spielbanken ruft ver.di am Samstag zu einem Warnstreik auf, dem ersten in der Geschichte der hundertprozentigen Landestochter. Gestreikt wird in den Casinos in Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz ab 16 Uhr bis zum Ende des Samstag-Betriebs (gegen vier Uhr am Sonntag früh), so heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft ver.di.
Die Chefs des landeseigenen Unternehmens hatten ohne vorherige Gespräche bereits im September 2025 alle Tarifverträge gekündigt, darunter auch die betriebliche Gesundheitsförderung und sogar den Altersvorsorgetarifvertrag. In zwei Gesprächsrunden zum ausgelaufenen Gehaltstarifvertrag in diesem Frühjahr, zuletzt am 13. Mai, ist es nicht gelungen, ein Ergebnis zu erzielen. Einen neuen Verhandlungstermin gibt es nicht.
Ein ultimatives letztes Angebot des staatlichen Unternehmens mit nicht tabellenwirksamen monatlichen Einmalzahlungen für 2026, gesendet erst nach Bekanntwerden der Streikpläne, hat die Tarifkommission gestern Abend abgelehnt. „Nach der Kündigung aller Tarifverträge im Herbst 2025 und fehlender Kompromissbereitschaft im Frühjahr 2026, sagen jetzt wir: Rien ne va plus“, kommentierte ver.di-Verhandlungsführer Frank Hawel die Entscheidung.
Die Beschäftigten sind keine Cashcow
„Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten jede Nacht an Orten, in denen Geld scheinbar keine Rolle spielt. Außer es geht um ihre Arbeitsbedingungen.“ Die Gewerkschaft ruft bewusst an einem Samstag, dem Haupteinnahmetag, zu diesem ersten Streik in der Geschichte der baden-württembergischen Casinos auf: „Zwölf Prozent Gewinn im letzten Jahr müssen sich in einem Tarifergebnis widerspiegeln.“
ver.di fordert in der laufenden Gehaltstarifrunde einen Sockelbetrag von 350 Euro plus drei Prozent rückwirkend zum 1. Januar 2026. Einige Beschäftigtengruppen in den Spielbanken liegen beim tariflichen Gehalt ohne Trinkgelder (Tronc) sogar unter dem Mindestlohn. Mit der Umsetzung der EU-Bargeldrichtlinie 2027 drohen aber erhebliche Einbußen bei den Trinkgeldern.
Maike Schollenberger, ver.di Landesbezirksleiterin: „Es ist absolut in Ordnung, dass die Spielbanken für das Land Baden-Württemberg eine kleine, aber feine Cashcow sind. Die Beschäftigten sind es nicht. Und es ist irritierend, wenn eine hundertprozentige Landestochter alle Tarifverträge kündigt, anstatt wie bisher sozialpartnerschaftlich für beide Seiten faire Kompromisse zu suchen.“
In den drei Spielbanken sind über 500 Arbeitskräfte beschäftigt.
Foto: Pit Wuhrer
Demo-Hinweis:
In Konstanz streiken die Beschäftigten der beiden Casinos an der Seestraße 21 und am Bahnhofsplatz 10 am Samstag, den 30. Mai, ab 16 Uhr. Um ca. 18 Uhr beginnt an der Seestraße eine Streikdemo, die über die alte Rheinbrücke zum Bahnhofsplatz führt, wo eine Kundgebung geplant ist. Wer Solidarität zeigen möchte, ist herzlich willkommen.


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