
Das Singener Bürgerunternehmen solarcomplex kann für das zurückliegende Jahr 2025 erneut eine positive Bilanz vorlegen. Vorstandschef Bene Müller stellte das „hocherfreuliche Jahresergebnis“ detailliert vor und gab einen Überblick über die wichtigsten Projekte. Das Ökounternehmen sieht drei stabilen, voll ausgelasteten Geschäftsjahren entgegen.
Mit 128,3 Millionen Euro (2024: 104,6 Millionen Euro) ist die Bilanzsumme 2025 nochmals deutlich gewachsen. Einen Anstieg über 20 Millionen habe es in der Firmengeschichte bislang noch nie gegeben, teilt solarcomplex-Vorstandschef Bene Müller bei der Präsentation der Bilanzzahlen des Geschäftsjahrs 2025 mit. Dies sei zum einen dem Zuwachs des Anlagenvermögens um zehn Millionen Euro auf nun 93,9 Millionen Euro (2024: 83,9 Millionen Euro) zuzuschreiben. Durch den jährlichen Zubau an Solarparks und Wärmenetzen mache dies traditionell den größten Anteil in der Bilanz aus. Zum anderen ist auch das Eigenkapitel auf 47,9 Millionen Euro (2024: 43,3 Millionen Euro) gewachsen. Das Ergebnis vor Steuern beträgt 2,8 Millionen Euro.

Wie schon in den Jahren vor 2025, als anlässlich des 25-jährigen Firmenjubiläums 7,5 Prozent pro Aktie ausgeschüttet wurden, werde der Vorstand bei der Hauptversammlung eine Dividende von sechs Cent pro Aktie vorschlagen. „Nur“ sechs Cent bei bester Geschäftsentwicklung mag vielleicht die eine oder der andere als knausrig ansehen, doch Bene Müller wiederholt die bekannte Firmenphilosophie: Zu einer nicht-börsenorientierten Aktiengesellschaft gehöre unter anderem auch, dass man bei der Ausschüttung der Dividenden defensiv-konservativ agiere, um selbst Risiko-Rücklagen zu gewinnen.
Kontinuität in allen Geschäftsfeldern
Bilanzsumme, Anlagevermögen und Eigenkapital sind in den vergangenen Jahren im gleichen Verhältnis gewachsen. „Eine sehr gesunde Entwicklung“, so Bene Müller, weil man damit gegenüber den Banken seit etwa zehn Jahren eine konstante und vor allem komfortable Eigenkapitalquote in Höhe von zwischen 55 und 60 Prozent aufweisen könne, was ein wichtiger Parameter für die Gewährung von Darlehen sei. Auch 2026 werde die Bilanzsumme definitiv weiter wachsen, ebenso das Anlagevermögen. Beim Eigenkapital dagegen rechne man nur mit einem kleinen Zuwachs, da dieses Jahr keine neuen Aktienausgegeben werden.

Aktuell sind 17 Millionen Aktien im Handelsregister eingetragen. Zudem sind Genussscheine und Genussrechte im Wert von zehn Millionen Euro gezeichnet und „verbaut“. Seit November 2025 wird eine neue Tranche Genussscheine[[https://www.seemoz.de/buergergeld-fuer-die-waermewende/]] in Höhe von fünf Millionen Euro, fest verzinst mit 2,5 Prozent, ausgegeben. Bislang sind davon drei Millionen gezeichnet. Die Ausgabe läuft noch bis November dieses Jahres.
Kontinuität weisen auch alle drei Geschäftsfelder – Sonne, Wind und Wärme – des Ökounternehmens auf: Insgesamt seien derzeit Solarparks von insgesamt 100 Megawatt Leistung in der Umsetzungsplanung (B-Plan-Verfahren). Auch die Nachfrage nach Photovoltaik-Dachanlagen sei weiterhin groß. In diesem und den folgenden Jahren würden jährlich rund 30 Megawatt Freiland- und 10 Megawatt Dachanlagen gebaut werden. Zum Vergleich: in den ersten zwanzig Jahren von solarcomplex wurden insgesamt gerade mal 50 Megawatt Leistung verbaut.
Dach-Photovoltaik für die Bodensee-Wasserversorgung
Auf das Dach des „Hochbehälters Stuttgart“ der Bodensee-Wasserversorgung werde dieses Jahr eine Photovoltaik-Anlage mit 2,2 Megawatt Leistung gebaut werden. Motiv für den Zweckverband ist der enorm hohe Stromverbrauch für das Hochpumpen des Wassers (140 Millionen Kilowattstunden pro Jahr allein am Standort Sipplingen), weshalb nun alle Hochbehälterflächen zur Zwischenspeicherung des Bodenseewassers mit Photovoltaik ausgerüstet werden sollen. Der gewonnene Strom werde komplett selbst verbraucht.

Gemeindeeigene Solarparks in Gottmadingen
Den größten Einzelauftrag für Freiland-Photovoltaik hat solarcomplex von der Hegau-Gemeinde Gottmadingen im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung erhalten: Zwei Solarparks, „Katzental“ und „Vorräzen“, mit einer Leistung von insgesamt 20 Megawatt werden derzeit gebaut. Wo letztes Jahr noch Futtermais angebaut wurde, sind nun Solarmodule installiert. Auf den Flächen soll eine artenreiche Wiese entstehen, wo Schafe weiden können. Somit kann Gottmadingen künftig zwei Prozent seiner Offenlandfläche zur Produktion grüner Energie nutzen.
Um dieses Projekt zu finanzieren wurde eine kommunale Gesellschaft gegründet, sodass die Einnahmen aus den Solarparks direkt in die Gemeindekasse fließen werden. Ein echtes Bürgerprojekt, das Bene Müller ausdrücklich lobt: Dies sei „die beste Form der Bürgerbeteiligung“, da bei „anderen Bürgerbeteiligungen nur die dabei sind, die noch etwas übrig haben“, während hier in der Gemeinde, der Gesamtheit aller Bürger, auch wirklich alle profitieren. Es freue ihn daher, dass solarcomplex diesen Auftrag für Gottmadingen umsetzen dürfe.
Der erste Solarpark mit Batteriespeicher entsteht gerade in Zimmern bei Rottweil im Auftrag der Elektrizitätswerke Schönau, für die solarcomplex schon viele Aufträge umgesetzt hat. Auch alle weiteren Solarparks werden laut Müller ab diesem Jahr mit solchen großen Batteriespeichern in Seecontainern ausgerüstet. Mit diesen kann im Sommer um die Mittagszeit, wenn zu viel Strom produziert wird und daher die Börsenpreise stark fallen, dieser zwischengespeichert und nachmittags oder abends – mit Gewinn – wieder eingespeist werden.
Frust und Freude: Die Windparks Länge und Brand
Die einstigen langjährigen Sorgenkinder, die Windparks Länge und Brand, sind in der Fertigstellung. Der Windpark Länge südlich von Donaueschingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) wird dieses Jahr noch in Betrieb gehen. Mittels eines über 200 Meter hohen Großkrans werden zurzeit die 164 Meter hohen Türme der sechs Windkraftanlagen errichtet. Zusammen werden diese 60 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern können.

Beim Windpark Brand auf der Gemarkung Tengen werden noch im Juli die Tiefbauarbeiten beginnen. Die Inbetriebnahme der drei Windkrafträder ist 2027 geplant. Sie werden dann 30 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern können.
Nach zehn Jahren, in denen sich nichts getan hat, gebe es also nun mit neun Anlagen einen kräftigen Sprung beim Anteil des Windstroms in unserer Region. Ob nun Frust über das lange Warten oder Freude über die Fertigstellung überwiege, da ist Bene Müller noch im Zweifel. Bei der Entscheidung, dass solarcomplex keine weiteren Windkraftanlagen bauen werde, bleibe es definitiv.
Mit Wärmenetzen in die Energiewende
An das Wärmenetz Hilzingen, das bereits in Betrieb ist, sollen bis Ende des Jahres alle Kund:innen angeschlossen sein. Beim Flaggschiff Wärmenetz Dingelsdorf-Wallhausen, dem derzeit größten Projekt zur Wärmewende im Landkreis Konstanz, so Müller, gehen die Arbeiten voran. Ein aktuelles Foto zeigt den Rohbau der Heizzentrale (rechts) und den Pumpschacht (links) – momentan eine „wüste Baustelle“, aber der größte Teil der Fläche werde nach Fertigstellung wieder grüne Wiese sein.

Die beiden in Singen geplanten Wärmenetze „Bruderhof“ und „Musikinsel & Rielasinger Straße“ werde solarcomplex in den nächsten Wochen mit einem „attraktiven Strompreis“ bewerben, weshalb man sehr zuversichtlich sei, dass viele Hauseigentümer:innen Interesse an einem Anschluss hätten, so der Firmenchef.Ein weiteres Wärmenetz plant solarcomplex zusammen mit den Stadtwerken Konstanz für den neuen Konstanzer Stadtteil „Hafner“. Ein gemeinsamer Betreibervertrag soll demnächst abgeschlossen werden.

Herausforderungen und Ziele
Insgesamt sind Investitionen von 92 Millionen Euro in der „Pipeline Wärmenetze“ angesetzt. Für die nächsten drei Jahre sei man auf allen drei Geschäftsfeldern voll ausgelastet und könne stabil weiterarbeiten, betont Müller. Solarparks mit Batteriespeichern auszurüsten und mit Wärmenetzen in die Städte zu gehen, seien die neuen Herausforderungen.

<<BU>> Investitionssumme für alle in Bau befindlichen und in den nächsten Jahren geplanten Wärmenetze
Nicht nur finanziell (das Eigenkapital muss weiter wachsen), auch personell gelte es diese Projekte zu stemmen. Die Personaldecke habe mit einhundert Mitarbeiter:innen (zum Vergleich: vor fünf Jahres waren es vierzig) inzwischen ein stabiles Niveau erreicht. Doch auch in den kommenden Jahren müssten entsprechend dem wachsenden Kraftwerks- und Anlagenpark neue Fachkräfte eingestellt werden.
Und die Energiewende allgemein?
Also alles bestens? Und die diversen Pläne und geplanten Gesetzesänderungen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wie Wegfall der Förderung für Photovoltaik-Anlagen mit weniger als 25 Megawatt Leistung, Vorbehalte beim Netzausbau, neues Gebäudemodernisierungsgesetz? Als „krass schädlich für den Ausbau der erneuerbaren Energien“, kritisiert Bene Müller die Vorhaben scharf; sie seien „mit großen wirtschaftlichen Risiken für die gesamte Volkswirtschaft verbunden“, die damit noch länger in der fossilen Abhängigkeit verharren werde.
Obwohl solarcomplex von diesen geplanten Änderungen nicht direkt betroffen ist, bleibe man auf der Hut und „sehe auch über den Tellerrand hinaus“. Mit seinen Möglichkeiten hat sich das Ökounternehmen auch zu Wort gemeldet: Belegschaftsmitglieder nahmen an Demos teil, Abgeordnete wurden angesprochen, Branchenrundbriefe unterschrieben.
Horrorszenario wäre für Bene Müller, wenn die Förderung von Wärmenetzen grundsätzlich in Frage gestellt würde. Unterstützt werden diese aus dem Klima- und Transformationsfonds (Bundesförderung für effiziente Wärmenetze – BEW), der mit 100 Milliarden gut ausgestattet ist, das habe ihm Andreas Jung noch als Bundestagsabgeordneter bestätigt. Da alle Wärmenetze mit 30 bis 35 Prozent aus diesem Programm subventioniert werden, würde ein Wegfall der Förderung bedeuten, dass die Kosten für Hauseigentümer:innen um einen entsprechenden Prozentsatz steigen müssten.

Das jedoch würde die Entscheidung vieler klar contra Wärmenetz-Anschluss verschieben – und schließlich den Ausbau stoppen. Denn momentan gibt es keine Anzeichen dafür, dass höheres Umweltbewusstseins oder bessere wirtschaftliche Möglichkeiten der Beteiligten einen solchen Schritt ausgleichen könnten. Auch wenn Bene Müller solch ein Risiko in den nächsten Jahren nicht sieht – grundsätzlich ausschließen könne man es für die Zukunft jedenfalls nicht.
Abbildungen: Foto Bene Müller bei Pressegespräch: Dieter Heise. Alle anderen Fotos und Grafiken: solarcomplex

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