
Das Bodensee-Naturmuseum zeigt ab dem 18. April 2026 Fotos einer einzigartigen Safari: Ein Jahr lang dokumentierte der Biologe und engagierte Naturfotograf Thomas Gries aus Kreuzlingen Lebewesen auf nur einem Quadratmeter Waldrandfläche. Seine Bilder zeigen eine faszinierende und den meisten Menschen völlig unbekannte Welt.
„Es gab schon einige Leute, die sich gewundert haben, was ich mache“, erzählt Gries von seinem Projekt. Ein ganzes Jahr lang besuchte er immer wieder die gleiche, etwa einen Quadratmeter große Stelle im Wald der Universität Konstanz nahe dem Botanischen Garten und hielt auf fast 66.000 Fotos die vielen kleinen und kleinsten Bewohner dieses Fleckchens Erde fest. Eine Tätigkeit, die Gries meist im Liegen ausübte, um mit der Kameralinse ganz nah heranzukommen. „Manch ein Spaziergänger hat sich vielleicht um mich gesorgt, warum ich da liege“, so Gries.
Das Projekt war selbst gewählt und ist in seiner Intensität wahrscheinlich weltweit einzigartig. „Ich wüsste nicht, dass noch jemand anderes so etwas jemals gemacht hat“, berichtet Gries. Ende 2022 traf er sich mit Dr. Gregor Schmitz vom Botanischen Garten der Universität Konstanz, um einen geeigneten Quadratmeter Boden auszuwählen. Schmitz hatte zuvor mit Studierenden auf Exkursionen das genaue Beobachten der Natur auf einem Quadratmeter eingeübt und war mit der Methode auch in die „Sendung mit der Maus“ gekommen. Nun aber ging es darum, über einen langen Zeitraum immer wieder die gleiche Fläche nach Lebewesen abzusuchen. Von Januar bis Dezember 2023 verbrachte Gries an insgesamt 93 Tagen 331 Stunden vor Ort.

Die persönliche Neugier des Biologen Gries entwickelte sich schnell zu einem außergewöhnlichen Citizen Science-Projekt. Viele der fotografierten Arten waren über gängige Apps nicht zu identifizieren. Gries fragte bei Fachleuten an verschiedenen Universitäten und Museen nach und bekam dort viel Unterstützung und Zuspruch. Manches stellte sich als außergewöhnlich heraus, zum Beispiel ein Foto der Holzmücken-Art Monardia stirpium. „Ich bekam eine Rückmeldung von einem Fachmann für Gallmücken, dass diese Art zwar gut aus Tot-Funden bekannt war, dass aber mein Foto wahrscheinlich das erste Foto eines lebenden Exemplars sei“, so Gries.
Wahrscheinlich kamen Fotos von fast 500 Arten von Pflanzen und Tieren zusammen – vom Moos bis zur Milbe, von Schnecken bis zu winzigsten Wespen und Fliegen. Die genaue Zahl steht noch nicht fest, da die Untersuchungen der Expertinnen und Experten andauern. „Als ich mit den Fotos anfing, hätte ich nie gedacht, dass ich solch eine wunderbare und faszinierende Vielfalt praktisch direkt vor der Haustür finden würde“, so Gries. „Es war für mich eine Reise in eine Welt, die mir und wohl den allermeisten von uns vorher nicht bekannt war und die meine Sicht auf die Schönheit der Natur auch und gerade im Kleinen für immer verändert hat.“ Eine Auswahl der interessantesten Fotos ist nun im Museum zu sehen.
Am Freitag, den 17. April 2026, eröffnet das Bodensee-Naturmuseum seine neue Foto-Ausstellung „Winzlinge ganz groß“ mit einer Vernissage um 19:00 Uhr und einem Einführungsvortrag von Thomas Gries. Die Ausstellung im Bodensee-Naturmuseum läuft bis zum 7. März 2027. Interessierte können sich auf der Homepage des Museums unter www.konstanz.de/bodensee-naturmuseum über das begleitende museumspädagogische Programm für Kinder, Familien und Erwachsene informieren.
Zugang zum Museum über den Aufzug im ebenerdigen Sea Life-Bistro in der Hafenstr. 9, wenige Schritte hinter der Außentreppe zum Museum. Der Eingang zum Museum und die Kasse (Erwachsene 2,00 Euro, Kinder 1,00 Euro, erm. 1,50 Euro, Familien 4,50 Euro) befinden sich im 1. Stock.

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