
Der Kreistag des Landkreises Konstanz hat im Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 erstmals seit sechs Jahren keine Mittel mehr für die zivile Seenotrettung im Mittelmeer vorgesehen. Damit entfällt die bisherige jährliche Unterstützung für den Verein Sea-Eye in Höhe von 10.000 Euro. Diese Lücke füllen die Bürger:innen nun mit Spenden.
Wie die Konstanzer Sea-Eye-Gruppe in einer aktuellen Pressemitteilung schreibt, hatte sich der Landkreis 2019 bewusst dazu entschieden, zivile Seenotrettung zu fördern und dem Bündnis „Sichere Häfen“ beizutreten. Dieser Beschluss wurde 2024 erneut bestätigt. Die aktuelle „negative“ Entscheidung bedeutet, dass die zuvor politisch zugesagte finanzielle Unterstützung nun wegfällt – trotz einer unverändert dramatischen Lage im Mittelmeer.
Im Rahmen der Haushaltsberatungen hatte die CDU-Fraktion signalisiert, die Förderung in Höhe von 10.000 Euro nur dann weiterzuführen, wenn Sea-Eye zusichert, gerettete Überlebende wieder zu ihrem Abfahrtshafen zurückzubringen. Eine solche Bedingung ist für Sea-Eye nicht vereinbar mit den Grundsätzen der zivilen Seenotrettung sowie mit dem geltenden internationalen Seerecht, das die Ausschiffung geretteter Menschen in sichere Häfen vorsieht.
Ziel: Weitere Rettungseinsätze im Mittelmeer ermöglichen
„Dass die Unterstützung an Bedingungen geknüpft werden sollte, die humanitären und rechtlichen Standards widersprechen, zeigt, wie sehr sich die politische Debatte verschoben hat. Die Notlage im Mittelmeer bleibt jedoch bestehen – unabhängig von politischen Mehrheitsverhältnissen“, erklärt Anna di Bari, Vorständin von Sea-Eye e.V.
Nachdem die öffentlichen Mittel vollständig entfallen sind, springt die Zivilgesellschaft im Landkreis Konstanz ein. Über eine GoFundMe-Kampagne wurden bereits mehr als 9000 Euro für Sea-Eye gesammelt. Zivile Seenotrettung rettet Leben. Denn Sea-Eye leistet diese lebenswichtige Arbeit, getragen von vielen ehrenamtlich Engagierten, darunter zahlreiche Menschen aus Konstanz und der Region.
„Mit großer Enttäuschung nehmen wir zur Kenntnis, dass der Landkreis Konstanz die Unterstützung für die zivile Seenotrettung ab dem Jahr 2026 eingestellt hat. Diese Entscheidung sendet ein fatales Signal und ist ein alarmierendes Zeichen für den Verlust jener Werte von Solidarität, Menschenwürde und Menschlichkeit, für die wir als Sea-Eye-Lokalgruppe Konstanz stehen“, sagt Normen Küttner, Sprecher der Sea-Eye-Lokalgruppe Konstanz.
Auch die LINKE Konstanz setzt sich auf Instagram unter dem Titel „Seenotrettung bleibt unsere Verantwortung!“ für die Spendenkampagne ein und kündigte dies bereits durch Sibylle Röth, Kreisrätin der Konstanzer Linkspartei, auf der Kreistagssitzung vom 8. Dezember 2025 an. Denn jeder Beitrag hilft, Rettungseinsätze zu ermöglichen und Menschen in akuter Not nicht ihrem Schicksal zu überlassen.
Röth meint dazu: „Gemeinsam mit den Grünen haben wir bis zuletzt für die Fortführung der Finanzierung gekämpft. Denn schließlich geht es hier um Menschenleben! Ich bin besonders schockiert, weil es keineswegs um einen unausweichlichen Sparzwang angesichts der Haushaltslage ging, denn im Rahmen des Kreishaushalts sind 10.000 Euro wirklich banal. Nein, wir sehen hier, wie diese unselige Diskursverschiebung nach rechts, diese Abschottungspolitik der Merz-Regierung, auch ganz konkret bei uns vor Ort wirkt – das macht wütend und traurig! Ich hoffe, dass die Spendenaktion zeigt, dass nicht alle Einwohner:innen im Kreis Konstanz diesem Weg folgen und dass Menschlichkeit, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein weiterhin ihren Platz haben!“
Hier geht es zur GoFundMe-Spendenkampagne.

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