Agri-PV: Solaranlagen über Feldern oder Plantagen.

Solar-Freiflächen-Potenzialanalyse: Es eilt

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Agri-PV: Solaranlagen über Feldern oder Plantagen.
Agri-PV: Solaranlagen über Feldern oder Plantagen.

Derzeit wird diskutiert, wo auf Konstanzer Gemarkung Freiflächen-Solaranlagen aufgestellt werden könnten. Wir erinnern uns: Die Stadt will bis 2035 klimaneutral sein. Fridays for Future mischt sich nun ein und fordert die zuständigen Stellen auf, die Ideen auch zügig umzusetzen. Hier die Stellungnahme der Klimaaktivist*innen.

Sehr geehrter Oberbürgermeister Uli Burchardt,
Sehr geehrter Bürgermeister Langensteiner-Schönborn,
Sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats,
Sehr geehrte Mitglieder der Ortschaftsräte,

wir begrüßen die Erstellung der Solar-Freiflächen-Potenzialanalyse. Wir brauchen dringend einen schnelleren Ausbau bei der Solarenergie, um unser Klima zu schützen. Das zeigt auch der letzte Klimaschutzbericht (Januar 23): Zuletzt hatten wir gerade mal 1/6 des notwendigen Ausbaus bei der Solarenergie.

Der Solar-Ausbau ist nicht nur für das Klima wichtig, sondern ist auch ökonomisch und sozial erforderlich – damit wir sicherstellen, dass Energie für die Menschen und Betriebe in Konstanz bezahlbar ist. Für die Menschen in Konstanz fordern wir darüber hinaus Beteiligungsmöglichkeiten an künftigen Freiflächen-Solaranlagen.

Wir fordern alle geeigneten und bedingt geeigneten Flächen aus der Potenzialanalyse näher zu untersuchen.

Zum jetzigen Zeitpunkt pauschal Flächen auszuschließen lehnen wir ab. Fast jede der untersuchten Flächen kann immer noch an Genehmigungen (z.B. Artenschutz) oder wirtschaftlichen Gesichtspunkten scheitern. Deshalb ist es wichtig, dass wir mit möglichst vielen Flächen in das Verfahren starten, damit wir am Ende tatsächlich ausreichend Solar-Ausbau erreichen. Um die stadteigenen Klimaschutzziele zu erreichen, müssen wir – unter optimistischen Annahmen über die Nutzung von Dachflächen! – immer noch rund 56 Hektar für Solaranlagen auf der Freifläche nutzen. Daher sollten wir jede geeignete bzw. bedingt geeignete Fläche näher untersuchen.

Die Ortschaftsräte Dingelsdorf, Dettingen und Litzelstetten haben gefordert, Ackerflächen auszuschließen bzw. erst nachrangig zu betrachten. Stattdessen, so die Ortschaftsräte, sollen Agri-PV (Solaranlagen über Feldern oder Plantagen. Anm.d.Red.) über Dauerkulturen und Freiflächen-PV auf Grünlandflächen in Landschaftsschutzgebieten und Natura-2000-Gebieten näher untersucht werden.

Wir halten es für einen Fehler, Ackerflächen jetzt auszuschließen oder nur nachrangig zu betrachten, denn:

  • Bis alternative Flächen in Schutzgebieten überhaupt näher untersucht sind, wird einige Zeit vergehen. Zeit die wir angesichts der Dringlichkeit der Klimakrise nicht haben.
  • Die Verfahren zur Umsetzung in solchen Schutzgebieten sind länger und aufwändiger.
  • Einige Flächen in Schutzgebieten könnten letztlich nicht genehmigungsfähig sein.

Wir befürchten also, dass der Solar-Ausbau viel zu langsam voran geht, wenn wir jetzt Ackerflächen ausschließen bzw. zurückstellen und langwierig Flächen in Schutzgebieten betrachten, von denen einige nicht genehmigungsfähig sein dürften. Mit der Potenzialanalyse haben wir dagegen schnell realisierbare und deutlich eher genehmigungsfähige Flächen, die wir jetzt angehen können.

Eine Untersuchung von zusätzlichen Potenzialen als Agri-PV über Dauerkulturen bzw. auf Grünlandflächen in Schutzgebieten, wie von den Ortschaftsräten gefordert, macht Sinn. Dies sollte aber parallel zu einer näheren Betrachtung der geeigneten Flächen aus der Potenzialanalyse erfolgen. Bei so einem Vorgehen können wir einen schnellen und ausreichenden Ausbau der Solarenergie auf unterschiedlichen Flächentypen erreichen.

Letztlich gibt es bei fast jeder Fläche Abstriche – sei es Naturschutz, Landschaftsschutz oder die Landwirtschaft. Dies darf aber nicht dazu führen, dass wir am Ende zu wenig Solarenergie ausbauen. Kriegen wir die Klimakrise nicht in den Griff, dann haben wir am Ende noch viel größere Probleme für Natur, Landschaft und auch die Landwirtschaft. Deswegen macht es aus unserer Sicht keinen Sinn, einen geeigneten Flächentyp – wie Ackerflächen – auszuschließen, oder nur nachrangig zu betrachten.

Nutzungskonflikte mit der Landwirtschaft sollten, wo möglich, mit Agri-PV entschärft werden. Über Dauerkulturen, z.B. anstelle von Hagelnetzen ist Agri-PV heute schon wirtschaftlich. Da Agri-PV über Ackerflächen aber aktuell oft noch unter der Grenze zur Wirtschaftlichkeit liegt, schlagen wir eine stadteigene Förderung für Agri-PV vor. So eine Förderung könnte zielgerichtet für Ackerflächen mit relativ guten Böden gestaltet werden. Dies ist im öffentlichen Interesse, da wir dann die begrenzten Flächen deutlich effizienter nutzen.

Über die untersuchten Flächen hinaus fordern wir eine Freiflächen-Solaranlage auf dem Flugplatz.

Aufgrund der Hochwasserlage und der Nähe zu Bundesstraße und Industrie ist der Flugplatz für Wohnbebauung eher ungeeignet und auch für Industrie wäre die Hochwassersituation ein erhebliches Hindernis. Die Belange des Naturschutzes, des Grundwassers und der Böden wären auf der zum Teil versiegelten Fläche beherrschbar, eine Solaranlage kann hier sogar mit einer Entsiegelung und ökologischen Aufwertung verbunden werden. Eine Konkurrenz zur Landwirtschaft besteht hier auch nicht. Die aktuelle Luftverkehrswidmung darf hier kein unüberwindbares Hindernis sein. Zudem ist die Fläche im Eigentum der Stadt.

Um sparsam mit Flächen umzugehen, schlagen wir vor, Solaranlagen als Überdachung von Verkehrsflächen erneut näher zu betrachten.

Bislang scheitern solche Projekte an der Wirtschaftlichkeit, da die Aufbauten aufwändig sind. Zugleich wären solche Anlagen im öffentlichen Interesse, dienen sie doch dem Ziel des sparsamen Umgangs mit Flächen. Daher schlagen wir vor, eine stadteigene Förderung für ein Pilot-Projekt, sowie Fördermöglichkeiten von Land und Bund zu prüfen. So ein Pilot-Projekt könnte wissenschaftlich begleitet werden, um Erkenntnisse für Nachahmerprojekte an anderen Orten zu gewinnen. Und nicht zuletzt – das zeigt die Bekanntheit des Solar-Radwegs in Freiburg – dient so ein Projekt auch dem Image von Konstanz als einer Stadt, die beim Klimaschutz innovativ ist und voran geht.

Heute schon hat die Klimakrise dramatische Auswirkungen insbesondere in Ländern des globalen Südens, wo Menschen durch Dürren, Stürme, Überschwemmungen ihren Lebensunterhalt oder gleich ihr Leben verlieren.

Deshalb ist das Anliegen so dringlich. Deshalb hoffen wir, dass Sie Beschlüssen für einen möglichst zeitnahen und umfassenden Ausbau von Solarenergie zustimmen. Wir haben angesichts der Dramatik der Klimakrise keine Zeit zu verlieren.

Text: Fridays for Future Konstanz
Symbolbild: Pixabay

1 Kommentar

  1. Ralph R. Braun

    // am:

    Seit Sommer 2023 sind Agri-PV-Anlagen bis 2,5 ha Fläche im Aussenbereich von Landwirtschafts- Gartenbaubetrieben privilegiert, dürfen also gemäß § 35 Baugesetzbuch ohne Ausweis im Flächennutzungsplan gebaut werden. Für die Betriebe sind solche Anlagen, die ja pararell zur originär landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen betrieben und zudem gefördert werden, bereits jetzt oft lukrativ und rentabel. Probleme bereiten bislang der Netzanschluss und eventuell notwendige Trafostationen. Hier ist der Netzbetreiber (Stadtwerke Konstanz) gefordert, jedoch wird die aktuelle Überarbeitung der „Elektrotechnische-Eigenschaften-Nachweis-Verordnung“ (NELEV) durch die Bundesregierung den Anschluss erleichtern.
    Die im Beitrag behandelte Potentialanalyse hebt auf nicht-privilegierte PV-Anlagen ab, die also größer als 2,5 ha sind und einer Änderungen des Flächennutzungsplans bedürfen. Aktuell bieten Projektierer und Investoren tatsächlich langfristige Pachtverträge für landwirtschaftliche Flächen oft erst ab etwa 4 Hektar an. Mit ihrer Forderung nach unlimitierter Potentialanalyse zielen die Fridays auf eine Energiewende „egal durch wen „. Wer dagegen regionale Akteure und insbesondere die örtlichen Landwirte bevorzugt, für den macht es Sinn, im Flächennutzungsplan keine PV-Flächen auszuweisen und damit nur Agri-LPV-Anlagen bis 2,5 ha zu erlauben.

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