
Die 18. „Konstanzer BürgerInnenbefragung“ hat gerade auch Themen wie die Liebe der Konstanzer*innen zum Seenachtfest, ihre Zuneigung zur Kultur sowie das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen in der Bodenseemetropole untersucht. Das zeitigte einige überraschende Ergebnisse.
In Zeiten knapper Kassen und eines gewachsenen Umweltbewusstseins stehen Dinge auf der Kippe, die früher als Eckpfeiler des städtischen Lebens galten: Das Seenachtfest etwa oder die Philharmonie, die sich gründlich ändern müssen oder gar abgeschafft werden sollen, wenn es nach einigen besonders radikalen Stimmen in der Stadt geht.
Was aber halten die Konstanzer*innen davon?
Feuerwerk nur knapp Favorit
Was den Besuch des Seenachtfestes anbelangt, bietet sich natürlich der Vergleich mit den zuletzt 2019, also vor der Corona-Pandemie, erhobenen Daten zu diesem vieldiskutierten Thema an.
Insgesamt ist der Anteil der Konstanzer*innen, die treue Seenachtbesucher*innen sind, in diesen Jahren weitgehend stabil geblieben. 2019 waren 14 Prozent der Befragten in den letzten drei Jahren jedes Mal dabei gewesen, während 52 Prozent es in diesem Zeitraum überhaupt nicht besucht hatten. Heute „sagen 58 Prozent der Befragten, dass sie das Seenachtfest in letzten drei Jahren gar nicht besucht haben. Dreimal in den letzten drei Jahren waren 12 Prozent dabei, 11 Prozent berichten, zweimal dabei gewesen zu sein und 19 Prozent einmal.“
Die Gretchenfrage der letzten Zeit war natürlich: Was wünschst Du Dir künftig als Höhepunkt des Festes, oder wie hältst Du es mit dem Feuerwerk? Bist Du eine genusssüchtige Umweltsau oder ein entsagungsvoller ökologisch korrekterer Lasershow-Anhänger? Die Tendenz ist eindeutig: Die Zahl der Feuerwerk-Befürworter*innen ist zwar von 46 auf 37 Prozent gesunken, das Feuerwerk findet aber immer noch den meisten Zuspruch gegenüber Alternativen wie etwa einer Laser- oder Wassershow.
Eine Stadt der Kulturmuffel*innen?
Von dem Nazi-Dichter Hanns Johst stammt der verachtenswerte Satz, „wenn ich Kultur höre, entsichere ich meinen Browning!“. Ganz so abgeneigt, dass sie gleich zur Waffe griffen, sind die Konstanzer*innen der lokalen Kultur gegenüber zwar nicht, aber es überrascht doch, wie hoch der Anteil der Kulturdesinteressierten ist. In den letzten zwölf Monaten hatten 59 Prozent das Theater nicht besucht, gar 76 Prozent waren nicht im Zebra gewesen und 78 Prozent nicht in der Philharmonie. Den größten Zuspruch hingegen fand das CineStar, das 57 Prozent der Befragten mindestens einmal beehrt hatten.
Bei der Zufriedenheit unter den Besucher*innen sieht die Sache dann gleich ganz anders aus: Von den knapp immerhin noch über 20 Prozent der Menschen, die in Philharmonie oder Zebra gewesen waren, waren 79 Prozent mit deren Angebot eher zufrieden, was den Spitzenwert unter den abgefragten Kulturinstitutionen bedeutet. Schlusslicht ist hier das CineStar mit etwa 50 Prozent.
Eine für alle Institutionen gleichermaßen bedrohliche Entwicklung könnte die geringe Neigung der jüngeren Generation werden, ein Abonnement abzuschließen. Ob Theater, Südkurier oder Bodensee Philharmonie: Die für den wirtschaftlichen Erfolg so wichtigen Abonnent*innen sind weit überwiegend vor allem unter den Silberlocken über 60 zu finden. Hier gibt es also tektonische Verschiebungen, die das hergebrachte Geschäftsmodell eines Tages durchaus ins Wanken bringen können, falls keine Alternativen erschlossen werden.
Innere Unsicherheit
Das stets höchst subjektive Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum hängt von vielen Faktoren ab und ist von der Sicherheitslage, wie sie sich in der Polizeistatistik niederschlägt, oft unabhängig. Nach Angaben des Polizeipräsidiums jedenfalls belegt die lokale Kriminalstatistik eine objektiv unveränderte Sicherheitslage.
Das Befragungsergebnis war weitgehend zu erwarten: Ältere Menschen fühlen sich weniger sicher als jüngere, und Frauen fühlen sich unsicherer als Männer: „34 Prozent der 18- bis 30-jährigen, 36 Prozent der 31-bis 59-jährigen und 40 Prozent der über 59-jährigen weiblichen Befragten fühlen sich eher nicht oder nicht sicher, wenn sie nachts allein durch Konstanz gehen“, unter den männlichen Mitbürger*innen liegen diese Zahlen nur etwa halb so hoch.
Auch die Verteilung innerhalb der Grenzen von Konstanz überrascht nicht: Am sichersten bei einem alleinigen nächtlichen Gang durch ihr Wohnquartier fühlen sich die Befragten in den wohlhabenderen Vororten von Konstanz wie Dettingen, Dingelsdorf, Litzelstetten und Wallhausen, am unsichersten in Stadtrandlagen wie Petershausen West oder dem Industriegebiet sowie andererseits der Altstadt. Die Polizeistatistik der Straftaten im öffentlichen Raum pro 1000 Einwohner*innen weist in der Tat denn auch das Industriegebiet als Schwerpunkt aus, gefolgt von der Altstadt und dem Paradies (wo einen nachts ja immer wieder das asthmatische Röcheln blutrünstiger Biber im Tägermoos aus finstersten Alpträumen hochschrecken lässt).
Das Fazit der Befragung samt einer Empfehlung an die Lokalpolitik: „Klar erkennbar ist ein Zusammenhang des subjektiven Empfindens mit der objektiven Sicherheitslage. […] Die Befragungsergebnisse zum Thema Sicherheit legen nahe, insbesondere das Sicherheitsgefühl von Frauen zum Ausgangspunkt von allgemeinen Maßnahmen zur Verbesserung des Sicherheitsempfindens zu machen – besonders in der jüngeren Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern besonders ausgeprägt.“
Wonneproppen und Glückspilze
Wie lebt es sich hierzulande denn so ganz allgemein? Das ist eine seit der ersten Untersuchung 2008 regelmäßig untersuchte Fragestellung. Insgesamt 78 Prozent der Befragten gaben 2025 an, entweder voll und ganz zufrieden (31 Prozent) oder eher zufrieden (47 Prozent) mit ihrem Leben in Konstanz zu sein.
Das ist ein auf den ersten Blick hoher Wert, der allerdings gegenüber früheren Befragungen im Lauf der Jahre fast kontinuierlich gesunken ist: 2010 waren noch 89 Prozent auf die ein oder andere Art zufrieden, 2015 noch 85 Prozent und im Jahr 2020 wiederum 88 Prozent. 2025 wurde erstmals die 80-Prozent-Marke gerissen.
Die Zufriedenheit unterscheidet sich lokal natürlich deutlich. In Vororten wie Wallhausen, Allmannsdorf und Staad (letzteres ist Spitzenreiter mit 87 Prozent ganz oder eher Zufriedenen) herrschen Wonne und eitel Sonnenschein, während im Industriegebiet nur 70 Prozent zufrieden sind und der Rest Mangel leidet. Vielleicht sollte die Stadt daher gelegentlich Besichtigungsfahrten durch die glücklichen Vororte anbieten, damit die Menschen aus den ärmeren Quartieren mal sehen, dass das Leben auch Spaß machen kann.
Quelle: Ergebnisse der Befragung 2025.


Schreiben Sie einen Kommentar