Menschenrechtspreis Pro Asyl 2026

Mit Mut und Optimismus die Zukunft gestalten

Aus der Redaktion
Menschenrechtspreis Pro Asyl 2026
Die Preisträger:innen des PRO ASYL Menschenrechtspreises 2026 (v. l.) Giorgos Tsarbopoulos, Pırıl Erçoban und Taner Kılıç mit Halima Gutale (2. v. l.), Vorsitzende des PRO ASYL Stiftungsrats
(Foto: PRO ASYL/Lara Scheunemann)

Die Stiftung PRO ASYL hat am 12. September 2026 in Frankfurt am Main mit ihrem Menschenrechtspreis drei Persönlichkeiten aus der Türkei und Griechenland gewürdigt, die Schutzsuchende unterstützen, Menschenrechtsverletzungen öffentlich benennen und rechtsstaatliche Garantien verteidigen.

Laudator Can Gülcü hob Mut, Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen und Optimismus der Ausgezeichneten hervor. Sie kämpften gegen alle Widerstände und trotz aller Widrigkeiten an der Seite von Entrechteten und Entmenschlichten um geraubte Rechte und Menschlichkeit, wie es einer aktuellen Medienmitteilung von PRO ASYL heißt.

Ausgezeichnet wurden: Der türkische Rechtsanwalt und Menschenrechtsverteidiger Taner Kılıç, der verfolgte Menschenrechtsverteidiger:innen vertritt, sich für die Rechte von Geflüchteten stark macht und selbst in türkischer Haft saß, steht für jahrzehntelange menschenrechtliche Arbeit. Die türkische Menschenrechtsaktivistin Pırıl Erçoban wurde für ihr zivilgesellschaftliches Engagement, öffentliche Kritik und konkrete Solidarität mit Schutzsuchenden geehrt. Giorgos Tsarbopoulos, ehemaliger Leiter des UNHCR in Griechenland, wurde für institutionelle Verantwortung und klare Worte im internationalen Flüchtlingsschutz ausgezeichnet.

Zeichen der Solidarität

„Ihr schaut nicht weg. Ihr findet euch nicht damit ab, dass Recht gebrochen und menschliches Leid politisch in Kauf genommen wird. Ihr macht sichtbar, was andere lieber im Verborgenen halten würden. Und ihr zeigt, dass Menschenrechte nur dann Bestand haben, wenn Menschen bereit sind, sie zu verteidigen“, sagte Halima Gutale, Vorsitzende des Stiftungsrats der Stiftung PRO ASYL zu den drei Preisträger:innen. Der Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL, der vor 20 Jahren zum ersten Mal vergeben wurde, ist “zugleich ein Zeichen unserer Solidarität – mit euch und mit allen Menschen, die unter schwierigen und oft gefährlichen Bedingungen für die Rechte von Flüchtlingen eintreten“, sagte Halima Gutale weiter.

Laudator Can Gülcü, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, stellte den Optimismus der Preisträger:innen in den Mittelpunkt seiner Würdigung: „So naiv oder banal das klingen mag, ich glaube, die hier Ausgezeichneten wissen: Die Zukunft ist ungeschrieben. All das, was heute nicht gut ist, können wir miteinander wieder verändern.“ Die Gesellschaft sei kein Labyrinth aus vorgezeichneten Wegen, Grenzen oder Mauern.

Weiterhin für Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit einstehen

Preisträgerin Pırıl Erçoban sprach von einem Wettstreit vieler Länder, Geflüchtete und Migrant:innen immer noch schlechter und härter zu behandeln als die anderen. Sie appellierte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass dies normal wird. Deshalb tragen wir Verantwortung. Die Verantwortung, weiter zu sprechen. Die Verantwortung, weiterhin Verletzungen sichtbar zu machen. Die Verantwortung, weiterhin für Menschenwürde, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einzustehen – selbst dann, wenn dies schwierig, unpopulär oder unbequem wird.“

Preisträger Giorgos Tsarbopoulos  beschrieb eine „zunehmende Sicherheitsorientierung“ in Europa innerhalb einer „politischen Landschaft, die sich immer weiter nach rechts bewegt“. Das habe verheerende Auswirkungen: „Wir erleben, dass ein großer Teil der Gesellschaft gegenüber Menschenrechtsverletzungen oder sogar Verbrechen gleichgültig bleibt – wie etwa gegenüber dem Schiffsunglück von Pylos am 14. Juni 2023, bei dem mehr als 600 Menschen ertranken.“ Deshalb sei es heute mehr denn je wichtig, „die Rechtsstaatlichkeit und die Werte der Menschenrechte zu verteidigen, unsere Stimmen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu erheben, erneut ein Netzwerk der Solidarität aufzubauen“.

Preisträger Taner Kılıç dankte neben seiner Familie all seinen Weggefährt:innen, darunter Denise Graf von Amnesty International und seiner Mitpreisträgerin Piril Erçoban, für die Unterstützung, das Wissen, den Mut und die Solidarität, die er durch sie erfahren habe. Und er erinnerte an die Geflüchteten auf den Fluchtrouten: „Vor diesen mutigen Menschen, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder auf den Weg gemacht und gekämpft haben, um ihr Leben und ihre Würde zu schützen, verneige ich mich voller Bewunderung und Respekt.“

Weitere Informationen zu den Preisträger:innen sowie die Begründungstexte aus den Urkunden finden sich hier.

Der Preis

Den Menschenrechtspreis verleiht die Stiftung PRO ASYL seit 2006 jährlich an Personen, die sich in herausragender Weise für die Achtung der Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen in Deutschland und Europa einsetzen. Der Preis ist mit 5000 Euro und einer Skulptur des Künstlers Ariel Auslender, Professor an der Technischen Universität Darmstadt, dotiert.

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