Stau auf der Laube am 10.7.2021 © Harald Borges

Konstanz nackt

Stau auf der Laube am 10.7.2021 © Harald Borges
Stau auf der Laube © Harald Borges

Statistik ist eine stille Wissenschaft, die doch viel darüber zutage fördert, wie wir wirklich leben. Hier ein Blick in die Konstanzer Welt in Zahlen.

Wenn zwischen den Jahren so gar nichts los ist und man seinen Hund weder vor die Tür jagen mag noch für ein paar Stunden in der Selbsthilfegruppe für Haustiere mit ungezogenen Frauchen abgeben kann, ist es höchste Zeit, Versäumtes nachzuholen – und einen Blick in die Statistik zu werfen. Die Zahlen (übrigens stammen die meisten aus dem Jahr 2022) zeichnen ein ungeschminktes Bild der Lage und bieten teils überraschende Einblicke in das wirkliche Leben der Konzilstädter*innen abseits aller ortstypischen Bodensee- und Scheiterhaufen-Romantik.

Lebhafter Sport

Wussten Sie, wie viele Sportvereine es in Konstanz gibt? Es sind 100 an der Zahl, in denen 26.168 Mitglieder (darunter 8.317 Jugendliche) schwitzen, turnen, sich auf die Füße treten, mit Pfeilen schießen und viele andere Dinge tun, die zumeist auch die Generationen vor ihnen schon getan haben. Bei insgesamt 87.355 Konstanzer*innen heißt dies, dass rund 30% der Einwohnerschaft in irgendeinem Sportverein zumindest Beitrag zahlen. Für gestandene Sportmuffel eine beklemmende Zahl.

Damit all diese Menschen sich auch entsprechend austoben können, sei es unter Anleitung und Aufsicht oder selbstbestimmt, gibt es zahlreiche Sportanlagen, auch wenn diese dem Vernehmen nach teils überlastet sind. In 20 Sporthallen heißt es „Turne bis zur Urne“, in vier Leichtathletikanlagen wetzen Sportbegeisterte um die Wette und auf 19 Beachsportfeldern gibt es zumeist schöne Bauchnäbel zu bewundern. Die hohen Eintrittszahlen in den Konstanzer Schwimmbädern beweisen zudem den Reinlichkeitssinn der Bevölkerung: Der Zähler blieb erst bei 1.173.669 stehen, pro Konstanzer Kopf sind das 13 Eintritte, aber es dürfte sich auch viel auswärtiges Badevolk in den acht Anlagen getummelt haben.

Müllberge

Apropos Reinlichkeit: Es ist erstaunlich, wie viel Zeug man so wegschmeißt, denn die Schmutzfinken sind gewiss nicht immer nur die Nachbarn. Pro Kopf landeten 123 kg Restmüll in der Tonne, es fielen 79 kg Biomüll, 31 kg Glas und 64 kg Papier an. Auch in die eigentlich federleichten Gelben Säcke stopften wir immerhin pro Nase 24 kg. Wen diese Zahlen krankmachen, sei getröstet, denn in Konstanz stehen 62 Hausärzte, 73 Zahnärzte und 201 Fachärzte und Psychotherapeuten bereit, deren Rezepte mensch in 21 Apotheken einlösen kann.

Bis die Schwarte knackt

Das alles aber ist aber immer noch irgendwie Freizeit, doch vor dem Vergnügen kommt die Arbeit, bis die Schwarte knackt. In insgesamt 4.410 Betrieben bzw. Niederlassungen (Zahlen von 2020) wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt – gegenüber 2017 ein Rückgang um 91 Betriebe. Hierbei handelt es sich zu 88 Prozent um Unternehmen mit weniger als zehn sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In Konstanz wohnten 2022 immerhin 31.123 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die vor allem Dienstleistungen erbrachten; nur etwa elf Prozent der Werktätigen waren noch in der Produktion tätig, in fünf Jahren war ihr Anteil um rund vier Prozent zurückgegangen.

Konstanz ist Universitätsstadt und damit auch eine Stadt des gelehrten Mediums: Die Stadtbibliothek hat 77.680 Medien, an der Universität sind es 2,3 Millionen und an der HTWG 271.906. Mittlerweile erreicht die Zahl der Downloads in den Bibliotheken ein Vielfaches der klassischen Ausleihzahlen. In vielen Fächern, vor allem in den wirtschaftsnahen Karrierewissenschaften, ist das Buch tot, es lebt der Download.

Straßen voll

Damit kommen wir zu einer beliebten Quizfrage: Wie lang sind die Konstanzer Straßen insgesamt? Raten Sie mal: 1.000 Kilometer? 2.000, weil Wollmatingen und die Mainau ja so weit weg sind?

Nur eine Antwort ist richtig: 241 Kilometer. Das klingt noch weniger als es ist, wenn man bedenkt, dass in Konstanz 37.129 PKW sowie 8.000 Nutzfahrzeuge und Krafträder im Straßenraum gegeneinander kämpfen, darunter auch 57 Busse, die 11,8 Millionen Menschen beförderten.

Bedenklich ist dabei, dass die Zahl der PKW und Nutzfahrzeuge von 2017 bis 2022 trotz aller Klimaschutzrhetorik weiter erheblich gestiegen ist: 2017 waren es 38.205, 2022 schon 39.997. Dabei wollten wir doch alle ganz doll das Klima schützen und die Flächenversiegelung etwa für Parkplätze zurückfahren, gell?

Oder sind auch diese Vorsätze so schnell dahin wie jene zu Neujahr, die nur so lange halten, bis der Silvestervollrausch dem Neujahrskater gewichen ist?

Quelle: Die Statistik-Website der Stadt.

Text: O. Pugliese, Bild: Harald Borges

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