Symbolbild Schule © elizabethaferry auf Pixabay

In dieser Gesellschaft brodelt es … und die Schulsozialarbeit ist bedroht

Ein Kommentar

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Relativ wenige Menschen in Deutschland interessieren sich für eine fundierte Analyse sozialer Zusammenhänge, die helfen könnte, gesellschaftlichen Katastrophen vorzubeugen, wie es das Anliegen des Soziologen Oskar Negt war. Unsere Gesellschaft stabilisiert sich nicht dynamisch (Hartmut Rosa), sondern sie droht derzeit, dynamisch auseinanderzudriften. Fronten verhärten sich auf allen Seiten. Da gehen manche Entwicklungen unter, die weit reichende Folgen haben werden.

„Die Schulsozialarbeit in ihrer bewährten Form ist gefährdet. Landesverbände schlagen Alarm“, so eine Pressemitteilung am 1. Dezember 20232 zu einer Denkschrift des Landesrechnungshofs BW.3 Was für viele erst einmal harmlos klingt, würde gefährliche Entwicklungen, sowie mögliche Kettenreaktionen weiter verstärken: Junge Menschen müssten erst auffällig werden, bevor Schulsozialarbeit eingreifen darf. Gerade in der aktuellen Lage darf der soziale Bereich nicht gekürzt, sondern muss aufgewertet werden und gerade dort sollte ein „soziales“ deficit-spending (Keynes) stattfinden. Das Geld dafür ist vorhanden. Die Soziologen Pierre Bourdieu und Oskar Negt warnten seit Jahrzehnten vor den Weichenstellungen, die maßgeblich zu den aktuell sichtbaren Verwerfungen geführt haben.

„Alle müssen einen Beitrag leisten“, sagte Finanzminister Christian Lindner (2024) ganz richtig zu den jüngsten Protesten aus der Landwirtschaft am 15. Januar in der Tagesschau. Dabei überging er jedoch – vollkommen seinem marktzentrierten neoliberalen Weltbild4 folgend – dass in diesem Land und auf dieser Erde immenser Reichtum vorhanden ist und erwirtschaftet wird, der ungleich verteilt ist und wird. Dieser Reichtum wird von Lindner und der Anhängerschaft des marktzentrierten Weltbilds aus Prinzip geschont und leistet somit keinen Beitrag. Unser Wirtschaftssystem ist „an der Wurzel ungerecht“, schrieb Papst Franziskus vor einigen Jahren. Diese Ungerechtigkeit wirke im Stillen und sei in der Lage, „die Grundlagen jeden politischen und sozialen Systems aus den Angeln zu heben, so gefestigt es auch erscheinen mag“5, womit der Papst interessanterweise auf derselben Argumentationslinie wie Karl Marx, oder aktueller Oskar Negt6 liegt. Die zunehmende soziale Ungleichheit stellt Gesellschaften vor immer größere Zerreißproben, stellt auch OXFAM (2024) im jüngsten Bericht zur sozialen Ungleichheit fest. Doch auch bei der Bevölkerung wird die Gefahr inzwischen wahrgenommen: Aktuell sieht eine große Mehrheit der Deutschen die Demokratie bedroht.7

Seit Helmut Kohl 1982 die „geistig-moralische Wende“ angekündigt hatte, wurden immer mehr gesellschaftliche Bereiche „dem Markt“ überlassen8 und schließlich sogar ein Spar-Diktat ins Grundgesetz eingeschrieben, ohne den Großteil des gesellschaftlich erwirtschafteten9 Reichtums auch nur ansatzweise abzuschöpfen!

„Der Sozialwissenschaftler, der gewöhnlich nur gerufen wird, um das von Wirtschaftlern zerschlagene Geschirr zu kitten, könnte bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass die Soziologie auf jener politischen Entscheidungsebene eingreifen müsste, die immer häufiger Ökonomen überlassen wird. Die menschlichen Leiden, die durch neoliberale Politik verursacht werden (wie wir es in der Studie „Das Elend der Welt“ beschrieben haben), müssen dargestellt und mit der Sozialpolitik der Unternehmen (Entlassungen, Art der Anstellungsverträge, Gehälter), ihren wirtschaftlichen Ergebnissen (Profite, Produktivität) und den typischen sozialen Indizien wie Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten, Alkoholismus, Drogenkonsum, Selbstmord, Vergehen und Verbrechen, Vergewaltigungen und ähnlichem in Beziehung gesetzt werden. Erst auf dieser Grundlage kann man die Frage nach den gesellschaftlichen Kosten wirtschaftlicher Gewalt stellen, und erst dann kann man das Fundament zu einer Ökonomie des Glücks legen. Es wäre eine Ökonomie, die endlich berücksichtigen würde, was Wirtschaftsführer und -wissenschaftler bei ihren phantastischen Berechnungen alles außer Acht lassen – Berechnungen, auf deren Basis uns die Politiker regieren wollen.“

Pierre Bourdieu 1997

Soziale Arbeit hat das Ziel, Menschen zu stärken und trägt damit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Sie ist den Menschenrechten verpflichtet.10 Soziale Arbeit wurde in der Vergangenheit – ebenso wie die Soziologie – jedoch häufig nur gerufen, um das Geschirr zu kitten, das Ökonomen zerschlagen haben.11 Im neoliberalen Glauben12 ist Sozialarbeit sogar weitgehend unnötig13, da „der Markt“ an sich schon „sozial“ und das bestmögliche Organisationsprinzip von Gesellschaft sei. Der Markt ist der Mittelpunkt des neoliberalen Sonnensystems.14

In Politik und Gesellschaft hat sich in den vergangenen 30 Jahren weitgehend eine vermeintlich effiziente „betriebswirtschaftliche Logik“ durchgesetzt (vgl.: Negt 2010; 2016). Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, hat nun der Landesrechnungshof im vergangenen Jahr die Schulsozialarbeit in Baden-Württemberg unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten evaluiert und fordert Reformen und Kürzungen15. Der Finanzausschuss des Stuttgarter Landtags wollte sich ursprünglich Anfang Dezember mit dem Thema beschäftigen.

Der immens wichtige Beitrag der Schulsozialarbeit zur Unterstützung, Stabilisierung und Stärkung von Kindern und Jugendlichen im Schulalltag und in Krisen-Situationen und somit auch der Beitrag zur Entwicklung der jungen Persönlichkeiten und somit zu einer funktionierenden Gesellschaft, spielt offensichtlich keine Rolle, da dies nicht betriebswirtschaftlich „messbar“ ist. Oskar Negt konstatierte schon vor Jahren verschiedene Erosionskrisen in der Gesellschaft, die bis in die Identität der einzelnen Menschen wirken und die den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden.

„Ist das nicht arg alarmistisch?“, fragte Romain Leick im SPIEGEL-Interview im August 2010, als Oskar Negt darauf hinwies, dass sich die Probleme unserer Arbeitsgesellschaft derart krisenhaft zuspitzen, „dass der innere Zusammenhalt des demokratischen Gemeinwesens nicht mehr gesichert scheint“. Seitdem sind über 13 Jahre vergangen. Politik und Wirtschaft werden laut Negt immer weiter von einer „betriebswirtschaftlichen Logik“ dominiert, nicht vom Ziel eines solidarischen Gemeinwesens.16 Die betriebswirtschaftliche Logik hat im Jahre 2009 mit der sogenannten Schuldenbremse sogar ihren Eingang ins Grundgesetz gefunden. Der Artikel 10917 wurde mit einer 2/3-Mehrheit beschlossen. In der Berliner „Ampel-Regierung“ wird die betriebswirtschaftliche Logik von der FDP von Beginn an in Reinform vertreten und schränkt damit die Handlungsmöglichkeiten der Regierung radikal ein.

Doch für einen Staat und einen Staatshaushalt gelten nicht die Regeln eines Privathaushalts.18 Die neoliberal geschürte Angst vor vermeintlicher „Überschuldung“ nachfolgender Generationen lenkt von den Verteilungsproblemen ab, die die Demokratie gefährden und zur gesellschaftlichen Spaltung beitragen.19 Schulden haben eben auch Gläubigerinnen und Gläubiger, die daran verdienen. Ein Hinweis auf solche Zusammenhänge wird in der Politik meist reflexartig als „Neid-Debatte“ verunglimpft.

Oskar Negts erkenntnisleitendes Interesse, seine „Idee von der sozialen Verantwortung des politischen Menschen“ bestand seit jeher gerade darin, historische Unglückskonstellationen rechtzeitig aufzudecken „und sie durch eingreifendes Denken zu verhindern, statt zu warten, bis die kollektive Katastrophe passiert ist“. Die Schulsozialarbeit darf daher nicht auf eine reine Feuerwehr-Funktion reduziert werden, die frühestens eingreift, wenn an „Brennpunktschulen“ Kinder und Jugendliche schon sozial problematische Verhaltensweisen zeigen. Unsere Gesellschaft steht vor einer Zerreißprobe, deren Scheitern fatal wäre. Vergleichbares haben nur die ältesten Gesellschaftsmitglieder in ihrer frühesten Kindheit erlebt. Um es zu verdeutlichen: mit „historischen Unglücks-Konstellationen“ meint Oskar Negt Katastrophen im Ausmaß von denen Anfang des 20. Jahrhunderts (Faschismus, Weltkriege)!

Gesellschaftliche Spaltungen haben eine lange „Inkubationszeit“, bevor das System umkippt, so Negt (2016: 26). „In dieser Gesellschaft brodelt es, warnte Negt in dem SPIEGEL-Interview (2010). Vor langfristigen Folgen politischer Entscheidungen warnte auch der Soziologe Pierre Bourdieu vor 25 Jahren mit seiner Neoliberalismus-Kritik wie im Eingangs-Zitat.

Genau hier wird –neben anderen Aufgaben – die Schulsozialarbeit gebraucht, um das Geschirr zu kitten, das die Wirtschaftspolitik der vergangenen drei Jahrzehnte zerschlagen hat. Der Neoliberalismus zerstört gewachsene gemeinschaftliche Strukturen („Kollektive“). Menschen suchen jedoch immer Halt und Orientierung (Negt 2010). Wenn verlässliche Sicherheiten, Strukturen (und damit auch Identitäten) gefährdet oder gar zerstört werden, ist es naheliegend, sich einfache neue „Kollektive“ und Erklärungen „als Sicherheit“ zu suchen. Populismus und Extremismus werden so Tür und Tor geöffnet. Unzählige Menschen geraten durch die aktuellen Entwicklungen in Stress, der Aggressions-Level der Gesellschaft steigt insgesamt. Den etablierten Medien wird vielfach gar nicht mehr geglaubt. Es bilden sich fatale „kommunikative Subkulturen“, während die sozialen Spaltungen und ihre Folgen zunehmen. Besonders leidtragend sind Kinder und Jugendliche. Der einzige Ort, an dem in der Gesellschaft nahezu alle Kinder und Jugendlichen niedrigschwellig erreicht werden können, sind die Schulen. Hier können Angebote gemacht werden, hier kann rechtzeitig geholfen und eingegriffen werden. Dieser wichtige Beitrag der Schulsozialarbeit zu unserem Gemeinwesen und zum Zusammenhalt der Gesellschaft ist in Gefahr! Der Erfolg von Schulsozialarbeit soll mit betriebswirtschaftlicher Logik „messbar“ werden. Doch wie sind das humane Funktionieren und der Zusammenhalt einer Gesellschaft messbar? Und was passiert, wenn das Kind buchstäblich „in den Brunnen gefallen“ ist? Was bedeutet das für die Zukunft der Demokratie?

Text: Tobias Kröll, Symbolbild: elizabethaferry auf Pixabay

Quellen und Anmerkungen

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1 Titelzeile: Nach dem SPIEGEL-Interview mit Oskar Negt (2010); https://www.spiegel.de/spiegel/a-710880.html; aufgerufen am 15.01.2024.

2 https://www.lifepr.de/pressemitteilung/diakonisches-werk-der-evangelischen-kirche-in-wuerttemberg-ev-stuttgart/schulsozialarbeit-in-langjaehrig-bewaehrter-form-gefaehrdet-landesverbaende-schlagen-alarm/boxid/969508; aufgerufen am 17.01.2024.

3 https://rechnungshof.baden-wuerttemberg.de/veroeffentlichungen/denkschriften/aktuelle-denkschrift/; aufgerufen am 17.01.2024.

4 Siehe: Tobias Kröll 2021: Das marktzentrierte Weltbild und seine Auswirkungen. In: https://oxiblog.de/das-marktzentrierte-weltbild-und-seine-auswirkungen/, aufgerufen am 17.01.2024.

5 Papst Franziskus 2013, Absatz 59: „Wenn die lokale, nationale oder weltweite Gesellschaft einen Teil ihrer selbst in den Randgebieten seinem Schicksal überlässt, wird es keine politischen Programme, noch Ordnungskräfte oder Intelligence geben, die unbeschränkt die Ruhe gewährleisten können. Das geschieht nicht nur, weil die soziale Ungleichheit gewaltsame Reaktionen derer provoziert, die vom System ausgeschlossen sind, sondern weil das gesellschaftliche und wirtschaftliche System an der Wurzel ungerecht ist. Wie das Gute dazu neigt, sich auszubreiten, so neigt das Böse, dem man einwilligt, das heißt die Ungerechtigkeit, dazu, ihre schädigende Kraft auszudehnen und im Stillen die Grundlagen jeden politischen und sozialen Systems aus den Angeln zu heben, so gefestigt es auch erscheinen mag.“

6 Oskar Negt ist Vertreter der 2. Generation der kritischen Theorie der „Frankfurter Schule“. Er studierte bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, war in der 1968er Zeit Assistent von Jürgen Habermas und hatte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2002 den Lehrstuhl für Soziologie an der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover. Negt engagierte sich unter anderem für Gewerkschaften und alternative Schulen.

7 https://www.tagesschau.de/inland/demokratie-gefaehrdet-umfrage-deutschland-100.html; aufgerufen am 15.01.2024. Dilettantisches Verhalten vieler Politikerinnen und Politiker während der Corona-Krise, sowie „Masken-Deals“ haben sicher ihren Beitrag dazu geleistet und manche sehen vermutlich die Demokratie aus anderen Gründen gefährdet: Sie sind es nicht gewohnt, im Widerspruch zur Politik zu sein und halten dies nicht aus. Solche Menschen neigen dann vermutlich zu einfachen Erklärungsmustern und Verschwörungstheorien.

8 Und zwar von allen Regierungen. Siehe dazu auch Tobias Kröll 2013: Arbeitnehmersolidarität im neoliberalen Strukturwandel; https://www.alternative-wirtschaftspolitik.de/de/article/320.tobias-kr%C3%B6ll.html, aufgerufen am 17.01.2024, Erstveröffentlichung in: Billmann, Lucie/Held, Josef 2013: „Solidarität in der Krise – Gesellschaftliche, soziale und individuelle Voraussetzungen solidarischer Praxis. Wiesbaden: Springer.

9 – aber von Grund auf falsch verteilten –

10 http://www.dbsh.de/beruf/definition-der-sozialen-arbeit.html; aufgerufen am 17.01.2024.

11 Die Metapher verwendet Bourdieu mit Bezug auf die Soziologie und/oder Sozialarbeit z.B.in seinem Text „Warnung vor dem Modell Tietmeyer“ in Bourdieu 1998) oder in seiner oben zitierten Rede zur Verleihung des Ernst-Bloch-Preises der Stadt Ludwigshafen 1997.

12 Siehe dazu meine Rezension in Das Argument, Heft 4/5 2003, S. 270ff; https://www.linksnet.de/index.php/rezension/18946

13 Der Hardcore-Neoliberale Peter Gillies (2000: 51) verunglimpfte die Sozialarbeit zur Jahrtausendwende: »Neben der Political Correctness gibt es gesellschaftliche Gruppen, die am Bild der Armutsgesellschaft ein spezielles Interesse haben. Die Wohlfahrtsverbände sind mit rund einer Million Mitarbeiter ein gewaltiger Arbeitgeber, eine Wachstumsbranche. Sie haben am „Millionenheer der Armen“ ein – wie ein Ökonom es umschrieb – schlichtes Beschäftigungs- und Umsatzinteresse. Denn je bedrohlicher die Lage ausschaut, desto höher ist die Nachfrage nach wohlfahrtsstaatlichen Leistungen. Das Heer der Helfer, Betreuer, Beauftragten, Sozialarbeiter, Pädagogen definiert durch seinen Armutsbegriff seine Arbeitsplätze. Das Personalangebot schafft sich die Nachfrage.« Wenn dieser Vorwurf zum Teil der Wahrheit entspricht, liegt das vor allem daran, dass durch neoliberale Reformen dieser wichtige Bereich der Daseinsvorsorge „vermarktlicht“ wurde und zunehmend allgemeingesellschaftliche Aufgaben der Konkurrenz privater Träger übergeben wurden, wobei in der Regel der billigste Anbieter den Zuschlag bekommt. Dadurch werden auch die Löhne gedrückt. Neoliberale gehen jedoch in ihren Grundannahmen davon aus, dass durch solche Konkurrenz „am Markt“ („Wettbewerb“) immer das beste Ergebnis herauskommt. Die betroffene Klientel setzt sich in der Regel aus Menschen zusammen, die keine „Kunden“ sind, wie in der betriebswirtschaftlichen Logik behauptet wird. Sie können nicht zwischen Angeboten wählen (siehe dazu auch den Beitrag zu Exklusionsmanagement: Kröll/Löffler 2004, enthalten in: Kröll 2023, online: https://www.linksnet.de/artikel/24907).

14 Vgl: Kröll 2021: Das marktzentrierte Weltbild und seine Auswirkungen. In: https://oxiblog.de/das-marktzentrierte-weltbild-und-seine-auswirkungen/; aufgerufen am 17.01.2024.

15 Die Zusammenfassung wirkt relativ harmlos, birgt aber enorme Brisanz: „Seit 2012 fördert Baden Württemberg die Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen. Das jährliche Fördervolumen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, von anfangs 15 Mio. Euro auf 43 Mio. Euro im Haushaltsjahr 2024. Gefördert werden die Personalkosten für Schulsozialarbeiter.Durch die regelmäßige Erhöhung der Fördermittel konnte das Land bislang jeden eingehenden Antrag bewilligen. Landeseinheitliche Kriterien, um einen Bedarf für eine Förderung festzustellen, gibt es nicht. Die unterschiedlichen Voraussetzungen von Schulstandorten, die sozioökonomischen Faktoren der Schulen und Quartiere sowie die Zusammensetzung der Schülerschaft berücksichtigt das Förderprogramm nicht. Das Land wäre damit aktuell nicht in der Lage, bei der Förderung zu priorisieren. Dies wird aber voraussichtlich erforderlich, wenn das Land Bundesmittel im Rahmen des „Startchancen“-Programms einsetzen will.“ https://rechnungshof.baden-wuerttemberg.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/ wegweiser-zur-denkschrift-2023-rechnungshof-baden-wuerttemberg-praesentiert-die-denkschrift-2023/, Beitrag 14; aufgerufen am 17.01.2024.

16 Zu „solidarischem Gemeinwesen“ gibt es keine Ideen in der vorherrschenden ökonomischen Wissenschaft. Es wird ignoriert oder einfach davon ausgegangen, dass im Grunde „rechtschaffene“ Menschen und ein funktionierendes Gemeinwesen schon da sind und dass „der Markt“ in der Regel alles zum Besten wendet.

17 https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_109.html; aufgerufen am 15.01.2024.

18 Von der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik wurde die sogenannte „Schuldenbremse“ von Anfang an kritisiert: https://www.alternative-wirtschaftspolitik.de/de/article/10656854.kritik-schuldenbremse.html, aufgerufen am 15.01.2024.

19 Die „zunehmende soziale Ungleichheit stellt Gesellschaften vor immer größere Zerreißproben. Sie verstärkt geschlechtsspezifische und rassistische Diskriminierungen, sie untergräbt die Demokratie und trägt maßgeblich dazu bei, dass die Klimakrise sich zu einer Katastrophe ausweitet.“, sagte jüngst die Oxfam-Vorsitzende Serap Altinisik („https://www.oxfam.de/ueber-uns/publikationen/bericht-soziale-ungleichheit-2024, aufgerufen am 15.01.2024).“ Die Ungleichverteilung der Einkünfte ist die Wurzel der sozialen Übel“, formulierte Papst Franziskus.https://www.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html#Wirtschaft_und_Verteilung_der_Eink%C3%BCnfte; Absatz 202, aufgerufen am 15.01.2024.

Ein Kommentar

  1. Ralph R. Braun

    // am:

    Der im Artikel des Öfteren erwähnte Soziologe und Sozialphilosoph Oskar Negt ist am 2. Februar im Alter von 89 Jahren verstorben. Interessierten sei als Nachruf das Gespräch mit Negts Weggefährten Alexander Kluge auf zeit.de empfohlen.

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