
Unter dem Motto „Wir sind Konstanz – misch dich ein für unsere Stadt!“ hatten Silvia und Thomas Kopp für vergangenen Samstag Gegner- wie Befürworterinnen des Fahrradparkhauses zu einer gemeinsamen Demonstration aufgerufen – und diese dann wieder abgesagt. Trotz der Absage versammelten sich am Pfalzgarten etwa zwanzig Menschen und diskutierten pro und contra.
Am morgigen Donnerstag entscheidet der Konstanzer Gemeinderat über das seit langem diskutierte Fahrradparkhaus am Bahnhofsplatz (seemoz berichtete). Das Projekt ist umstritten; vor allem Befürworter:innen des Autoverkehrs äußern Vorbehalte. In der nach der Absage der Demo eher kleinen Runde trug der Fahrradenthusiast Marco Knöpfle seine auf Einladung der Kopps verfasste Rede dann doch noch vor. Hier ihr Wortlaut:
„Danke an Familie Kopp, dass sie so offen den Meinungsaustausch in der Stadt zum Fahrradparkhaus organisieren, dass sie Gegner- und Befürworter:innen zur Demo einladen, dass sie helfen, mehr Klarheit über die Fakten zu schaffen und auch mich und weitere Befürworter hier sprechen lassen.

Ich sage es gleich: Ich bin für das Fahrradparkhaus, genau wie geplant und so schnell wie möglich.
Konstanz ist mit fast 40 Prozent Wegeanteil eine der führenden Fahrradstädte in Deutschland, spielt sogar in Europa vorne mit. Das ist gut für uns alle, denn dieser hohe Fahrradanteil in Kombi mit einem guten öffentlichen Verkehr schont unsere Ressourcen, verbessert unsere Luft, vermeidet Lärm und hält die Straßen frei für diejenigen, die hier durchkommen müssen: zum Beispiel Feuerwehr und Rettungskräfte. Aber auch Menschen, die noch aufs Auto angewiesen sind, stehen weniger im Stau und profitieren von all denen, die Rad und Bus nutzen.
Der hohe Radanteil bringt, wie wir wissen, auch Herausforderungen mit sich: Zwar können auf einem Autoparkplatz bis zu zehn Fahrräder komfortabel stehen, aber bei 1000 Fahrrädern, die zum Beispiel täglich im Umfeld des Bahnhofs abgestellt werden, sind das eben doch 100 Autoparkplätze!
Eine spürbare Entlastung
Und weil der Radanteil auch in Zukunft weiter wachsen wird und somit noch mehr Räder auf den Plätzen und Wegen Platz brauchen, müssen neue Abstellanlagen her, offene Bügel an verteilten Orten, kleine Fahrradhäuser in den Quartieren und ein großes Fahrradparkhaus am Konstanzer Bahnhof!
Dieses soll 700 Stellplätze enthalten, richtet sich vor allem an Pendler:innen, die Fahrrad mit Bahn-, Städtebus oder Katamaran kombinieren, aber auch an Gäste der Stadt, welche ihre teuren Räder selbst mit Gepäck sicher abstellen wollen. Außerdem an Anwohner:innen, die in den engen Altstadthäusern keine gute Abstellmöglichkeit haben. Ich wohnte selbst eine Weile in der Salmannsweilergasse und musste meine Fahrräder – ich habe da leider eine Sammelleidenschaft – mit flauem Gefühl auf dem Fischmarkt verteilen. Ich hätte sofort Stellplätze im Fahrradparkhaus dafür angemietet.
Die 700 Stellplätze werden das Bahnhofsumfeld natürlich nicht von Rädern leerfegen: Menschen, die nur kurz mit dem Rad irgendwo hinwollen, sollen natürlich weiterhin direkt am Ziel abstellen können. Es ist einer der großen Vorteile des Rads, dass man direkt ohne Stau und langem Fußweg vom Parkplatz zum Ziel kommt. Aber 700 Stellplätze werden sicher zu einer spürbaren Entlastung führen.
Besser für Menschen mit Einschränkungen
Und auch das kommt wieder allen zugute, nicht zuletzt Menschen mit Einschränkungen, denn in der jetzigen Situation ist das Durchkommen mit Rollstuhl, Rollator oder auch mit Sehbehinderung schwierig. Stephan Grumbt, der Behindertenbeauftragte der Stadt Konstanz, hat mir die Notwendigkeit einer Lösung gerade nochmals bestätigt und hervorgehoben, dass seine Vorschläge für mehr Barrierefreiheit und Sicherheit des Fahrradparkhauses umgesetzt wurden.

Das Fahrradparkhaus wird auch kein Monstrum, wie es gerne von den Kritikern beschimpft wird. Ich habe es mir selbst im Modell auf der Fahrradmesse Eurobike angesehen, denn dort stellt es das Bundesverkehrsministerium an seinem Messestand zum Thema Fahrradparken als Vorbild vor. Natürlich kann man sich über Geschmack streiten, doch sind sich hier alle Fraktionen, Planer, Fachleute und auch der Gestaltungsbeirat einig: die Planung wird auch optisch eine starke Aufwertung des Bahnhofsplatzes sein.
Hier sei mir dann doch Kritik an den Organisator:innen der Demo erlaubt: in ihren Plakaten und Posts bilden sie das Fahrradparkhaus als schwarzen hässlichen Klotz ab. Das ist einfach Fake und dient eher dem Aufstacheln, aber nicht einer objektiven Meinungsbildung. Auch der Vorwurf, dass hier der Bürgerwille übergangen werde und man vor vollendete Tatsachen gestellt wird, ist falsch: Es gab einen mehrjährigen Beteiligungsprozess, an dem alle mitdiskutieren und ihre Vorschläge einbringen konnten. Es ist unredlich, jetzt dem Gemeinderat und der Verwaltung zu unterstellen, sie hätten das Fahrradparkhaus an den Bürgern vorbei entschieden und geplant.
Die Bahn reißt ohnehin ab
Kommen wir zu den Kosten. Während sich alle Fraktionen im Gemeinderat einig sind, dass das Fahrradparkhaus – wie vor vier Jahren fast einstimmig beschlossen – weiterhin eine gute Sache wäre, scheiden sich an den Kosten mittlerweile die Geister.

Die Stadt ist knapp bei Kasse und muss an vielen Stellen sparen. Da verstehen viele nicht, warum die Stadt fast vier Millionen Euro trotz Förderung in ein Fahrradparkhaus stecken soll, und in fünf Jahren dann jährlich auch noch fast 400.000 Euro in den jährlichen Betrieb. Das Geld solle doch besser in Schulen, Kitas, Busse, die Vereine und so weiter gesteckt werden, welche alle unter den Sparmaßnahmen leiden. Diese Haltung ist verständlich und ich würde mir auch wünschen, wir hätten bessere Zeiten, in denen wir die Dinge nicht gegeneinander ausspielen müssten.
Aber: das Fahrradparkhaus ist – da sind sich fast alle einig – notwendig und auch die einzig sinnvolle Lösung an der Stelle. Die Bahn übernimmt einen Großteil der Kosten für das Gebäude, die Stadt hat Zusagen von Bund und Land für fünf Millionen Euro Förderung.
Wenn wir jetzt wieder aus dem Projekt aussteigen, zahlen wir eine dreiviertel Million Fördermittel für die Planung zurück, ohne irgendwas dafür zu bekommen, wir verprellen die Bahn als Partnerin, aber auch die Förderinstanzen und wir werfen das Projekt ziemlich sicher um mindestens zehn, eher zwanzig Jahre zurück. Wobei die Bahn die Ladenzeile so oder so abreißen wird und dann eben an der Stelle kein Fahrradparkhaus mehr gebaut wird.
Niemals mehr so günstig wie jetzt
Das Fahrradparkhaus wird niemals mehr so günstig zu bekommen sein wie jetzt und daher wäre es aus meiner Sicht das Gegenteil von sparsam, es jetzt zu kippen und in ein paar Jahren neu anzugehen. Die jährlichen Kosten für Betrieb, Abschreibung und Kapitaldienst sind nicht mal fünf Euro pro Jahr und Einwohner:in. Andere Städte geben ein Vielfaches für den Radverkehr pro Kopf aus, warum soll Konstanz hier an der größten Gruppe der Verkehrsteilnehmer:innen sparen, während für den Autoverkehr selbstverständlich viel höhere Defizite akzeptiert werden: Straßen- und Brückenunterhalt, Autoparkhäuser, aber auch das Verkehrsmanagement, digital oder über die Verkehrskadetten kostet jedes Jahr viele Millionen Euro.
Kritisiert wird von den Gegnern auch, dass das Fahrradparkhaus durch höhere Parkgebühren ab 2031 finanziert werden soll. An der Stelle würde ich vorschlagen, dafür die touristische Klimaschutzabgabe zu nutzen. Die Stadt nimmt fast sechs Millionen Euro darüber ein. Ein Fahrradparkhaus ist gut für den Klimaschutz und gut für die Touristen: daher wäre es folgerichtig, die laufenden Kosten aus dieser Abgabe mitzufinanzieren. Fünf Prozent würden hier schon fast reichen.
Ich denke, wenn wir sparen müssen, dann sollten wir Projekte verschieben oder streichen, die gerade in der Ideenphase sind, aber nicht bereits vom Gemeinderat mehrfach beschlossene, fertig geplante Projekte wie das Fahrradparkhaus.
Ich appelliere an alle Gemeinderatsfraktionen, zu ihren eigentlich finalen Beschlüssen von 2022 und 2024 zu stehen und jetzt grünes Licht für den Bau des Fahrradparkhauses am Bahnhof zu geben.
Konstanz braucht das Fahrradparkhaus! Daher: Ja und jetzt!“
Bilder: Titelfoto © Ralph-Raymond Braun / übrige © Pit Wuhrer / Grafik © Stadt Konstanz/DB InfraGO


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