Pv Anlage Berghof Solarcomplex (c)solarcomplex

Gute Neuigkeiten: PV-Ausbau auf dem Vormarsch

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Pv Anlage Berghof Solarcomplex (c)solarcomplex

Im Kampf um einen bewohnbaren Planeten konkurrieren mehrere Trends. Viele davon erschweren die Hoffnungen auf ein Eindämmen der Klimakatastrophe. Doch es gibt auch positive Entwicklungen. Der vermutlich stärkste Trend, der uns Hoffnung machen kann, ist der Ausbau von Photovoltaik (PV). Sowohl in Konstanz als auch weltweit.

Anfang dieses Jahres veröffentlichte die Stadt Konstanz ihre verheerende Bilanz, in der klar wurde, dass Konstanz in allen relevanten Indikatoren seit dem Klimanotstand kaum Fortschritte erzielt hat. Einer davon ist der jährliche Zubau an PV [https://archiv.seemoz.de/lokal_regional/konstanz-versagt-beim-klimaschutz/]. Nun gibt es hier positive Nachrichten: Bis Ende September wurden dieses Jahr in Konstanz 4,3 Megawatt-Peak (MWp) an PV-Leistung zugebaut, mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2022.

Damit ist die zugebaute Leistung 2023 zwar immer noch nicht mal halb so groß wie die in der Klimaschutzstrategie beschlossenen 10 MWp, doch die deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahreswerten führt uns immerhin in diese Richtung. Als Zwischensatz sei hier noch erwähnt, dass das Ziel mittlerweile deutlich über 10 MWp pro Jahr liegen muss, um die verlorenen Jahre aufzuholen.

Um den Ausbau weiter voranzutreiben, ist es wichtig, mehr PV-Anlagen in die Fläche zu bauen. Die von den Stadtwerken veröffentlichte Potenzialstudie zu PV-Freiflächen in Konstanz bietet hierzu eine erste Planungsgrundlage, wobei es wichtig ist, jetzt keine Flächen vorzeitig pauschal auszuschließen (siehe dazu die Stellungnahme von Fridays for Future Konstanz).

In Sicht: Das Ende der fossilen Dominanz

Parallel zum Konstanzer Erfolg beim PV-Ausbau nähert sich auch der bundesweite PV-Zuwachs dem Zielkorridor an und ist hier sogar bereits im Einklang mit bundesweiten Zielen. Ob es allerdings bereits für einen angemessenen Beitrag zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze reicht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar.

Pv Kn Bund
PV-Ausbau in Konstanz und bundesweit

Auch weltweit gibt es gute Neuigkeiten für die PV-Branche. Durch den starken Kostenverfall von PV-Modulen um 10 bis 15 Prozent pro Jahr innerhalb der letzten Dekade dominiert PV in zunehmenden Maßen den weltweiten Energiemarkt und wird selbst ohne weitere politische Interventionen voraussichtlich bis 2050 etwa die Hälfte der Stromproduktion stellen . Und gemeinsam mit dem erwarteten langsameren Wachstum bei der Windkraft werden fossile Energien in den nächsten dreißig Jahren im Strombereich auf etwa 25 bis 30 Prozent der Stromproduktion zurückgedrängt.

Dadurch erscheint es zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass der Strommarkt der Zukunft von fossilen Energien dominiert wird. Dieses starke PV-Wachstum könnte auch dafür sorgen, dass die CO2-Emissionen aus dem weltweiten Energiesektor dieses Jahr nicht weiter wachsen, sondern stagnieren – mit der großen Hoffnung, dass damit endlich die nötige Trendumkehr gelingt und zumindest im Energiebereich die CO2-Emissionen in Zukunft sinken werden.

Vier Haupthemmnisse

Hierzu sei aber angemerkt, dass es in der Vergangenheit vorgekommen ist, dass die CO2-Emissionen des Stromsektors gegenüber den Vorjahreswerten sanken und dann doch wieder angestiegen sind. Zudem wird seit vielen Jahren diskutiert, dass wir kurz davorstehen, dass die weltweiten CO2-Emissionen nicht mehr steigen. Bis jetzt ist diese Trendumkehr jedoch noch nicht eingetreten.

Energieemissionen
Weltweite CO2-Emissionen im Vergleich zum Vorjahr

Um eine Chance zu haben, die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten, müssten die CO2-Emissionen aktuell sehr rasch sinken. Davon sind wir leider noch weit entfernt. Die guten Neuigkeiten hinsichtlich der weltweiten CO2-Emissionen sollten also mit Vorsicht gesehen werden.

Insofern ist es wichtig, dass wir uns jetzt die Frage stellen, welche Hürden aktuell den PV-Ausbau behindern. Laut den Autoren der oben erwähnten Studie hat der rasante Kostenverfall der letzten Jahre dafür gesorgt, dass nicht mehr die Preise den Fortschritt hemmen. Die Politik sollte sich also – statt vorrangig die bestehende Module zu bezuschussen – sich darauf konzentrieren, die wirklichen Hemmnisse zu beseitigen. Sie muss insbesondere vier Hemmnisse angehen:

  • Netzausbau und Netzstabilität
  • Finanzzugang insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen
  • Stabile Lieferketten und die Verfügbarkeit von kritischen Mineralien
  • Widerstand aus Regionen der fossilen Energieerzeugung, wie etwa den deutschen Braunkohleregionen.

Problem Wachstum

Der Ausbau erneuerbarer Energien steht also weiterhin vor Hürden, doch die aktuellen Trends, insbesondere im PV-Ausbau, stimmen hoffnungsvoll, dass erneuerbare Energien in wenigen Jahrzehnten den Strommarkt dominieren werden. Und dass es mit weiteren politischen Maßnahmen tatsächlich gelingt, bis 2050 die Nutzung fossiler Energien nahezu vollständig zu beenden.

Dafür braucht es noch deutlich weitreichendere Maßnahmen als hier beschrieben. Das Einhalten der 1,5-Grad-Grenze erscheint noch immer sehr unwahrscheinlich, insbesondere, da alle Länder der Welt weiterhin eine Politik bestreiten, die primär auf eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts abzielt. Doch die Erfolge der PV-Branche können uns optimistisch stimmen, denn einzelne wichtige Trends gehen momentan tatsächlich in die richtige Richtung.

Text: Manuel Oestringer / Foto: PV-Anlage Berghof bei Tengen © solarcomplex

1 Kommentar

  1. Antje Boll

    // am:

    Die BUND Klimastudie hat den notwendigen Ausbau der Erneuerbaren in den verschiedenen Regionen Baden-Württembergs beschrieben (https://www.bund-bawue.de/service/publikationen/detail/publication/kurzfassung-der-klimastudie-100-klimaneutrale-energieversorgung/)

    Trotz der Notwendigkeit bedarf es einer Steuerung durch die Genehmigungsbehörden, damit nicht wertvolle Ackerböden und Naturflächen mit Freiflächen PV belegt werden. Hausdächer, Parkplätze, Gewerbehallen u.Ä. sollten vorrangig genutzt werden. Für Agri- Photovoltaik braucht es kluge Konzepte und Förderinstrumente. Hier ist vor allem das Land gefragt.

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