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Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (76)

Von Brigitte Matern
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Der gescheiterte Attentäter

„Dieses Mal nicht. Das darf nicht geschehen. Stirbt er, überleben auch wir nicht“, schrieb Pier Paolo Pasolini im November 1968, als er von dem Todesurteil hörte. Damals ging ein Aufschrei um die Welt. In Italien legte man die Arbeit nieder, die ausgebürgerte griechische Schauspielerin Melina Mercouri trat in den Hungerstreik und sogar Paul VI. hob mahnend den Zeigefinger.

Vollstreckt wurde das Urteil gegen den 1939 bei Athen geborenen Offizierssohn nicht, die griechische Militärjunta konnte einen derart prominenten Märtyrer nicht brauchen (es ließ sich auch so nur mit äußerster Härte regieren). Bereits in den ersten Tagen nach dem Staatsstreich im April 1967 waren Zehntausende vermeintliche Oppositionelle interniert, deportiert, ermordet worden, ganz nach dem Prometheus-Plan der Nato zur Verhinderung einer kommunistischen Regierung – Juntachef Georgios Papadopoulos hatte gut aufgepasst bei den Ausbildungskursen des CIA.

Der Gedichte schreibende Elektroingenieur hatte den Putsch damals als das Ende seiner Militärdienstzeit gedeutet: Er desertierte aus der griechischen Armee, gründete auf Zypern die Organisation Nationaler Widerstand und bereitete Aktionen gegen das Obristenregime zur Wiederherstellung der Demokratie vor. Im August 1968 zündete er mit seinen Mitstreitern auf einer Küstenstraße bei Athen eine Bombe, die Papadopoulos zerfetzen sollte. Doch der Diktator blieb unverletzt. Er selbst wurde gefasst, bestialisch gefoltert, konnte fliehen, wurde wieder gefasst und kam schließlich 1973, nach drei Jahren Einzel- und Dunkelhaft, durch eine von den USA verordnete Generalamnestie frei. Er durfte nach Italien ins Exil gehen.

Nach der Havarie des Militärregimes 1974 – das Land war isoliert, die Wirtschaft darbte und die Student:innen revoltierten – wurde der gescheiterte, aber dennoch gefeierte Attentäter ins Parlament gewählt. Und blieb auch dort unbequem. Wenige Tage nach seiner Ankündigung, Dokumente über die gewendeten Demokraten zu veröffentlichen, die mit dem Militärregime kollaboriert hatten, kam er, 36-jährig, bei einem Autounfall ums Leben. Vieles sprach für Mord. 

Wer war der unerschrockene Widerstandskämpfer und Politiker, an dessen Begräbnis eine Million Menschen „Zei!“ skandierte: „Er lebt!“?

Auflösung des Rätsels

Am vergangenen Freitag fragten wir nach dem griechischen Politiker und Widerstandskämpfer Alekos Panagoulis (1939–1976). Die aus dem Militärarchiv entwendeten Dokumente, die er veröffentlichen wollte, blieben nach seinem Tod verschwunden. Panagoulis hatte im Gefängnis Gedichte verfasst, mangels Schreibmaterial auch mit Streichholzstummeln und Blut. Einige seiner Gedichte wurden von Mikis Theodorakis sowie von Ennio Morricone vertont.

Die Einleitung zur italienischen Ausgabe seines Gedichtbands „Μέσα από φυλακή σας γράφω στην Ελλάδα“, „Vi scrivo da un carcere in Grecia“ („Ich schreibe euch aus einem Gefängnis in Griechenland“), schrieb der 1975 ermordete italienische Schriftsteller, Regisseur und Publizist Pier Paolo Pasolini. 1979 verewigte ihn die italienische Schriftstellerin Oriana Fallaci in dem Buch „Un uomo“ (dt. „Ein Mann“). Das griechische Parlament ehrte den Widerstandskämpfer 2012 mit einer Bronzestatue; nach ihm sind heute in Griechenland auch Plätze und Straßen benannt. (brm)

Ein Kommentar

  1. Andreas Remark

    // am:

    Alekos Panagoulis