
Die Volkshochschule vhs Landkreis Konstanz ist mit Recht stolz auf ihr Programm. Sie bietet in den nächsten Monaten in ihren 33 Außenstellen wieder 820 Kurse aus so ziemlich allen Wissens-, Gesundheits-, Unterhaltungs- und Genussbereichen an. Zugleich beklagt sie aber, dass Sparmaßnahmen bei Sprachkursen bundesweit den Integrationserfolg vieler Menschen gefährden.
Die vhs ist eine Art eierlegender Wollmilchsau mit einem schier unüberschaubaren Kursangebot vom Sprachenlernen über Gymnastik bis hin zu beruflicher Fortbildung und Unterhaltungsangeboten wie den meist schnell ausgebuchten Kochkursen.
Es gibt mindestens zwei Bereiche, in denen sie für die Gesellschaft besonders wichtige Aufgaben wahrnimmt: Bei der Integration und im Bereich der politischen Bildung.
Für viele Menschen, die neu in Deutschland sind, ist die vhs der erste Berührungspunkt mit einer neuen Umgebung. Hier lernen Sie die Sprache kennen, hier knüpfen sie erste Kontakte, auch zu Menschen in ähnlicher Situation, hier beginnt ihre Integration. Ein allgemeiner Integrationskurs umfasst 600 Stunden Sprachunterricht in sechs Modulen sowie 100 Stunden Orientierungskurs. Spezielle Integrationskurse, zum Beispiel für Frauen, Jugendliche, Eltern sowie für Migrantinnen und Migranten mit Alphabetisierungsbedarf, werden mit 1.000 Unterrichtsstunden (900 Stunden Sprachunterricht und 100 Stunden Orientierungskurs) angeboten. Ein organisatorisch wie finanziell aufwendiges Unterfangen also, bei dem die Politik jetzt den Rotstift angesetzt hat.
Appell an die Politik
Deshalb wendet sich die vhs an die verantwortlichen Politiker:innen: „Durch den Zulassungsstopp für freiwillige Teilnahmen am Integrationskurs ist der Integrationserfolg von 130.000 Zugewanderten gefährdet. Etablierte und bewährte Kursstrukturen drohen wegzubrechen. Während auf der einen Seite über die Notwendigkeit gesprochen wird, neue Fachkräfte zu gewinnen, wird andererseits diese Lücke immer größer. Denn ohne Sprachkenntnisse mindestens auf B1-Niveau GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen) wird es für Zugewanderte immer schwieriger, eine auskömmliche und sozialversicherungspflichtige Arbeit zu finden. Infolgedessen bleiben für Menschen mit geringen Sprachkenntnissen (z.B. auf A2-Niveau) oft nur prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die Abhängigkeit von Transferleistungen. Das erschwert die Integration. Die vhs Landkreis Konstanz e.V. appelliert an die Politik, den Zulassungsstopp zurückzunehmen und Integrationskurse als bewährtes Mittel für Integration in Gesellschaft und Politik weiterzuführen.“
Bei einem Pressefrühstück in dieser Woche betonten vhs-Vorstand Nikola Ferling, vhs-Programmdirektor Stephan Kühnle und David Tchakoura, der Leiter der Stabsstelle Konstanz International, die Wichtigkeit dieser Kurse, teils auch aufgrund eigener Erfahrungen als Lehrende wie Lernende. Viele Menschen täten sich vor allem mit dem Spracherwerb schwer und bräuchten diese Unterstützung einfach. Die jetzige Neuregelung, dass freiwillige Teilnehmer:innen ihre Kurse selbst bezahlen müssten, schrecke viele integrationswillige Menschen ab, da sie das nötige Geld nicht aufbringen könnten.
Für Körper, Herz und Verstand
Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich der vhs ist das Vortragswesen mit Veranstaltungen zu vielen verschiedenen Themen vom Grauen Star bis hin zu Geschichten auf dem Friedhof. Besondere Bedeutung hat dabei die politische Bildung, in deren Rahmen es Vorträge von teils international renommierten Fachleuten gibt.
Jan Philipp Reemtsma, Ehrendoktor der Universität Konstanz, wird eine öffentliche Rede zu dem Themenkomplex „Autoritarismus-Populismus-Faschismus als Bedrohungen der Gegenwart“ halten. Ronen Steinke wiederum ist Leitender Redakteur und Kolumnist der „Süddeutschen Zeitung“ und recherchiert seit Jahren im Umfeld des Verfassungsschutzes. Er spricht über „Meinungsfreiheit. Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen“.
Auch einen weiteren Vortragenden braucht man kaum vorzustellen: Der Historiker Götz Aly zählt zu den bekanntesten Autoren zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust. In seinem aktuellen Buch stellt er die zentrale Frage: Wie konnte das geschehen? In einer schweren Krise wurde die NSDAP 1932 zur mit Abstand stärksten Partei gewählt. Bald konnte sie die Macht übernehmen und auf wachsende gesellschaftliche Zustimmung bauen. Hitler brauchte den Krieg – das Volk fürchtete sich davor. Dennoch terrorisierten schließlich 18 Millionen deutsche Soldaten Europa. Wie kam es dazu? Warum beteiligten sich Hunderttausende an beispiellosen Massenmorden?
Wer also Fragen hat und Antworten sucht, ist hier am richtigen Platz.
Eine Übersicht über sämtliche Vorträge (auch zu anderen Themen) finden Sie hier. Das komplette Programm für dieses Trimester mit Buchungsmöglichkeiten wird hier angeboten.


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