
Wenn sich das rot-weiße Zirkuszelt am Festplatz Klein-Venedig erhebt, erwartet man eigentlich das vertraute Bild aus Sägemehl, Popcornduft und klassischen Tiernummern. Doch wer dort eine Show des Zirkus Charles Knie besucht, erlebt modernen, zukunftsfähigen Zirkus als einen Rausch aus Farben, Lichteffekten und spektakulärer Artistik.
Die Unterschiede zu einem herkömmlichen Zirkusbesuch könnten kaum monumentaler sein. Anstelle einer staubigen Manege mit Sägespänen erwartet die Zuschauer:innen eine Wassermanege. Über eine hydraulisch ausfahrbare Showbühne pumpt das System rund 100.000 Liter Wasser durch 300 Düsen. Bis zu 15 Meter hohe, präzise illuminierte Wasserfontänen schießen in die Zirkuskuppel und verschmelzen mit Laser- und Lichtperformances zu einem visuellen Gesamtkunstwerk.
Das Tempo ist radikal verdichtet, ohne langatmig wirkende Umbaupausen oder verstaubte Moderationen. Jede Sekunde fließt, passend zum Thema Wasser. Das Wasser dient dabei nicht nur als Kulisse, sondern als dynamisches Requisit für die Künstler, die sich wie Meerjungfrauen oder auch mal als Seepferdchen und Quallen durch die Fluten bewegen und spritzige Akrobatik darbieten.
Ein Highlight im mit flotter Musik unterlegten Programm ist der elegante „Skywalker-Act“, bei dem Angela Martini scheinbar ungesichert in luftiger Höhe unter dem Zeltdach spaziert. Dem Publikum stockt der Atem, wenn das Duo Shock mit seinen Saltos und anderen gewagten Darbietungen auf dem rotierenden Todesrad durch die Luft wirbelt. Lebensfreude aus Afrika bringen die jungen Schleuderbrett-Akrobat:innen der in Monte Carlo mit dem Silbernen Clown ausgezeichnete Kolfe Troupe ins Zelt. .
Human Performance statt Wildtiere
Während im traditionellen Zirkus über Jahrzehnte hinweg Löwen, Tiger oder Elefanten die Hauptattraktion bildeten, hat Zirkuschef Sascha Melnjak das Konzept komplett umgestellt. Exotische Wildtiere sucht man bei Charles Knie vergebens.

Noch im Januar hatten Grüne & FGL im Konstanzer Gemeinderat vergeblich beantragt, in der Stadt keine Zirkusvorführungen mit Wildtieren mehr zu gestatten. „Nicht möglich“, antwortete die Verwaltung, für solch ein Verbot gebe es keine Rechtsgrundlage.
Charles Knie reagiert aus eigener Verantwortung auf die veränderten Ansprüche des Tierschutzes und zeigt, wie Zirkus auch ohne Löwen und Tiger geht. Das Programm setzt stattdessen fast vollständig auf menschliche Höchstleistungen („Human Performance“). Die einzigen tierischen Akteure sind Hunde und freifliegende Papageien, die in den rasanten Vorführungen von Laura Urunova spielerische Beschäftigung finden.
Revue-Charakter statt Nummern-Abfolgen
Die Verwandlung hat dem Zirkus ein deutlich jüngeres Publikum eingebracht. Durch die Kombination aus innovativer Bühnentechnik, atmosphärischer Dichte und artistischer Exzellenz ist eine Show entstanden, die die Brücke zwischen Zirkustradition und modernem Entertainment-Event schlägt. Der Zirkus Charles Knie beweist, dass das Kulturgut Zirkus nicht sterben muss – es muss sich nur trauen, neue Wege zu gehen.
Foto: Zirkus Charles Knie
Vorstellungen auf Klein-Venedig noch am Samstag und Sonntag 11 und 15 Uhr, am Montag um 15:30 und 19:30 Uhr und am Dienstag um 15:30 Uhr. Tickets an der Zirkuskasse oder auf www.zirkus-charles-knie.de


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