Team der mja

30 Jahre Mobile Jugendarbeit Konstanz

Aus der Redaktion
Team der mja
Stefan Kitzmann, Annika Mettner und Thomas Christner bilden das aktuelle dreiköpfige Team der Mobilen Jugendarbeit Konstanz (Foto: Stadt Konstanz)

Seit 1996 gibt es die Mobile Jugendarbeit (MJA) Konstanz, die beim Sozial- und Jugendamt angesiedelt ist. Ihre Arbeit richtet sich an 14- bis 27-Jährige und begleitet die jungen Erwachsenen in allen Lebenslagen. Ein Überblick zum 30-jährigen Jubiläum.

Die Stadt Konstanz hat zum Jubiläum dieser verdienten und wichtigen Stelle eine umfangreiche Pressemitteilung verfasst, die wir hier leicht gekürzt wiedergeben:

Die Angebote der Mobilen Jugendarbeit richten sich direkt an die Jugendlichen. Gemeinsam ist vielen der jungen Erwachsenen, dass ihre Lebenslagen von gesellschaftlichen Normvorstellungen abweichen. Der Leitspruch des Teams lautet dabei: „Wir sind für dich da, beraten dich bei Fragen und Anliegen und unterstützen dich, wenn du in deinem Leben etwas ändern möchtest.“ Eines der Ziele ist es, junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten und ihre Lebenssituation sowie ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Dies geschieht oft im Rahmen von individuellen Hilfen.

Meist kommen Jugendliche und junge Erwachsene mit einem konkreten Anliegen. Beispielsweise suchen sie Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen oder beim Ausfüllen von Anträgen. Im Gespräch kann sich zusätzlich herausstellen, dass die Person schon länger Geldsorgen hat und die Miete nicht mehr zahlen kann. Zusammen wird geschaut, wie das Problem gelöst werden kann und ob noch weitere Fachstellen mit einbezogen werden müssen.

In Verbindung: Die Beziehungsarbeit

Grundlage der Mobilen Jugendarbeit ist die Beziehungsarbeit. Das bedeutet, das Team hält kontinuierlich, verlässlich und über längere Zeit Kontakt. So können die Jugendlichen Vertrauen aufbauen. Voraussetzung dafür ist beispielsweise die Freiwilligkeit. Die Mitarbeitenden orientieren sich an der Lebenswelt und dem Alltag der jungen Menschen – dabei gilt das Prinzip: „Wir kümmern uns um die Probleme, die die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben – nicht um die Probleme, die sie machen.“

Alle, die zwischen 14 und 27 Jahre alt sind, können sich direkt an die MJA wenden – auf der Straße, per Mail, Telefon oder auf Instagram unter @mobile_jugendarbeit_konstanz. Die Mitarbeitenden helfen zum Beispiel bei Schwierigkeiten mit Eltern, Arbeit, Freunden, Polizei oder Schule und beraten, wenn es um Berufswahl und Bewerbung, Anträge, Alkohol und Drogen, Wohnungssuche oder Rechtsfragen geht.

Beratungen können im Büro am Zähringerplatz stattfinden, auf der Straße oder bei gemeinsamen Unternehmungen – manchmal wird eine Beratung auf der Straße begonnen und im Büro weitergeführt. Wenn gewünscht, begleiten die Mitarbeitenden die jungen Menschen auch beim Gang zum Amt, bei Gerichtsverhandlungen oder bei der Wohnungssuche. Außerdem vermitteln sie bei Bedarf an andere Beratungsstellen weiter.

Der zeitliche Umfang dieser Hilfen für Einzelne richtet sich nach Bedarf und kann zu bestimmten Zeiten wenige Minuten oder einige Stunden pro Woche umfassen. Zeitliche Flexibilität, verlässliche Erreichbarkeit, Vertrauen sowie die Vernetzung mit Institutionen, die für die Jugendlichen hilfreich sein können, sind wichtige Voraussetzungen, um den Einzelnen zuverlässig zu helfen.

Vor Ort: Streetwork

Im Mittelpunkt der Konstanzer „Streetwork“ stehen Kontaktaufbau und -pflege sowie das ständige Vertiefen und Aktualisieren der Kenntnisse über die Lebenswelt der jeweiligen Zielgruppen. Das Team sucht die jungen Menschen regelmäßig an ihren Orten und zu ihren Zeiten auf – es verhält sich dort als Gast und bietet bei Bedarf Beratung und Informationen direkt vor Ort an. So gewährleistet die Mobile Jugendarbeit niedrigschwellige Unterstützung und Hilfestellung im selbstgewählten Setting der jungen Menschen.

Die meisten Jugendlichen bewegen sich in Gruppen und machen dort Erfahrungen außerhalb des familiären Umfelds. Cliquen und Gruppen können sich bei der MJA mit Ideen für Treffs, Ausflüge, Turniere oder Aktionen melden – manche Ideen können zusammen umgesetzt werden, für andere hilft die Mobile Jugendarbeit bei der Suche nach einem passenden Angebot. Eine Übersicht über alle Angebote und die Möglichkeit, Vorschläge einzureichen, gibt es hier.

Angebote für und in Gruppen zielen darauf ab, alternative Erfahrungen und die Entwicklung sozialer Kompetenzen zu ermöglichen. Möglich ist dies insbesondere durch erlebnispädagogische Tagesaktionen und Kurzfreizeiten, themenspezifische Angebote oder Projekte. Ein regelmäßiges Angebot ist das offene Fußball-Angebot, welches jeden Freitag stattfindet. Alle jungen Erwachsenen sind herzlich willkommen, in ungezwungener Atmosphäre zu kicken.

Akzeptiert: Jugendliche und Erwachsene

Die Mobile Jugendarbeit fungiert oft als Sprachrohr für junge Menschen und kann auch eine Vermittlerrolle im öffentlichen Raum einnehmen. Im Fokus steht dabei, gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz füreinander zu schaffen. So kann ein Verhalten oder auch eine Sicht auf manche Dinge im Rahmen eines Einzelgesprächs oder im Rahmen von Streetwork thematisiert werden, ohne dabei belehrend zu wirken. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen.

So trafen die Mitarbeitenden der Mobilen Jugendarbeit im Winter Jugendliche auf dem DFB-Platz, die dort gegen 17 Uhr Basketball spielten. Es war bereits dunkel, die vorhandene Beleuchtung war ausgeschaltet und der Platz kaum zu erkennen. Die Jugendlichen machten darauf aufmerksam und das Anliegen wurde aufgegriffen. Über die internen Wege konnte kurzfristig eine Lösung gefunden werden: Eine Woche später war die Beleuchtung wieder eingeschaltet und wird seitdem per Zeitschaltuhr bis zum Beginn der Ruhezeit gesteuert, um Rücksicht auf die Nachbar:innen zu nehmen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Mobile Jugendarbeit die Lebensbedingungen der jungen Menschen langfristig und nachhaltig verbessern will. Im Mittelpunkt dieses Arbeitsbereichs steht, die Anliegen der Jugendlichen in Arbeitskreisen und Gremien systematisch zu platzieren, Räume für junge Menschen zu schaffen und zu erhalten, an denen sie sich ungestört aufhalten und treffen können und ein gutes Netzwerk zu allen relevanten Institutionen zu pflegen.

Mja heutige einrichtung
Räume der Mobilen Jugendarbeit (Foto: Stadt Konstanz)

Interview: Ein Arbeitstag bei der Mobilen Jugendarbeit Konstanz

Wo(mit) beginnt ihr euren Tag?

Unser Arbeitstag beginnt in der Regel im Büro. Wir starten meist zwischen 8:30 Uhr und 10:30 Uhr – abhängig von den jeweiligen Terminen und Aufgaben des Tages.

Seid ihr alleine oder immer als Team unterwegs?

Streetwork findet im Zweierteam statt und wir sind an unterschiedlichen Tagen und Zeiten im Stadtgebiet unterwegs.

Wie sieht der typische Arbeitstag von Annika, Stefan und Thomas aus?

Am Vormittag finden häufig die ersten Termine im Rahmen der individuellen Hilfen statt. Diese Zeit nutzen wir außerdem für Büroarbeit sowie für Telefonate mit Ämtern und Behörden. Unsere Einrichtung ist geöffnet, sobald das Büro besetzt ist. Unsere BesucherInnen können auch spontan zu uns kommen. Bei einem dringenden Anliegen unterstützen wir sofort. In anderen Fällen machen wir einen Termin für einen passenden Zeitpunkt aus.

Im Laufe des späten Vormittags oder Nachmittags finden Teamsitzungen oder auch Kooperationstreffen statt, wobei letzteres je nach Aufgabenfeld einem Mitarbeitenden zugeteilt ist. Wenn Veranstaltungen geplant sind, werden diese ebenfalls vorbereitet. Darüber hinaus sind wir im Rahmen des Streetworks regelmäßig im Stadtgebiet unterwegs. Da wir mit jungen Menschen arbeiten, spielt auch Social Media eine wichtige Rolle in unserem Arbeitsalltag. Wichtige Themen platzieren wir auf unserem Instagram-Kanal unter @mobile_jugendarbeit_konstanz oder bei WhatsApp. Kontaktpflege findet sowohl im digitalen Raum, als auch im persönlichen Umgang statt.

Dienstags- und Donnerstagabend bieten wir die offene Kontaktzeit an. Hier kann man ohne Termin zu uns kommen, zum Beispiel mit einem konkreten Anliegen, für ein Gespräch oder einfach, um sich mit uns auszutauschen. Anschließend sind wir im zweiwöchigen Rhythmus im Rahmen des Streetworks im Stadtgebiet unterwegs. Am Freitagabend startet unser Fußballangebot. Darüber hinaus gibt es über das Jahr verteilt Veranstaltungen, die teilweise abends oder am Wochenende stattfinden.

Meilensteine – 30 Jahre im Überblick

1996
Die Mobile Jugendarbeit wurde gegründet und ist seitdem Teil der Abteilung Kinder-, Jugend-, Senioren- und Stadtteilarbeit im Sozial- und Jugendamt. Die Einrichtung liegt in Wollmatingen. Die Mobile Jugendarbeit bietet individuelle Hilfe und Streetwork an, macht sozialraumorientierte Arbeit und hat Angebote für Gruppen, Cliquen und Szenen.

2009
Bis 2009 hat die Mobile Jugendarbeit ihre Räumlichkeiten im Stadtteil Wollmatingen. Relevante Projekte zu der Zeit waren u. a.:

2003–2005: Sucht- und Gewaltprävention für junge Spätaussiedler (finanziert über Projektmittel der Baden-Württemberg GmbH).

Ab 2000 war der Kletterbus fester Bestandteil der Abteilung Kinder-, Jugend- und Stadtteilarbeit. Über die Mobile Jugendarbeit nahmen Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Stadtteil Berchen/Öhmdwiesen und der Innenstadt teil.

2003
Wurde auf dem Spielplatz Berchen gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Stadtteil ein Unterstand gebaut, der den jungen Menschen langfristig zur Verfügung steht und zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität beiträgt.

Seit 2010
Die MJA siedelt sich am Zähringerplatz 19 an. Damit wächst ihr Wirkungsraum: Insbesondere mit Streetwork können seitdem innerstädtische Gebiete besser erreicht werden.

2014
Beteiligung an der Aktion „Wohnraum“ der Landesarbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg, mit der ein wichtiges Zeichen gesetzt wird.

2022–2023
Im Rahmen des „Aktionsplans Akzeptanz und gleiche Rechte“ setzt die Mobile Jugendarbeit das Projekt „Etablierung eines niedrigschwelligen Beratungsangebots“ um, gefördert und finanziert durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln.

2026
Die Mobile Jugendarbeit feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Mit einer Tombola möchte sich das Team bei seinen Besucher:innen bedanken und ihnen die Möglichkeit geben, attraktive Preise zu gewinnen (am 5. Dezember 2026, hier geht’s zur kostenlosen Teilnahme am Gewinnspiel). Auch künftig will sich die Einrichtung mit weiteren Projekten für die Belange ihrer Zielgruppe einsetzen.

Jährlich
Die Mobile Jugendarbeit beteiligt sich an Stadtteilveranstaltungen wie dem Weltkindertag, „Petershausen spielt“ oder „Berchen Öhmdwiesen in Bewegung“.

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