
(Bild: © Peter Axmann)
Ein Preis, den wohl kaum jemand kennt, der aber schon zum siebten Mal verliehen wurde: der „Ulli-Thiel-Friedenspreis“ für baden-württembergische Schüler:innen. Mit dieser Auszeichung soll die Friedensbildung an Schulen gestärkt werden. Kyra Brand aus Stockach gewann den mit 500 Euro dotierten ersten Preis für „Geschichten eines Kindes“.
Der Ulli-Thiel-Friedenspreis richtet sich an alle Schüler:innen in Baden-Württemberg. Die jährlich ausgeschriebene Auszeichnung wurde erstmals im Schuljahr 2019/2020 ausgeschrieben.
Hauptpreis für Kyra Brand vom Stockacher Nellenburg-Gymnasium
Wie der „Ulli-Thiel-Friedenspreis“ die Friedensbildung an Schulen stärkt, wurde bei der Preisverleihung am 26. Juni 2026 im Haus der katholischen Kirche in Stuttgart deutlich. Insgsamt wurden mehr als 60 Beiträge von 28 verschiedenen Schulen eingesandt, 14 Beiträge wurden ausgezeichnet. Darunter waren vielfältige kreative und literarische Arbeiten, die von hohem Engagement zeugen. Da die Jury eine schwierige Entscheidung zu treffen hatte, entschied sie sich, zusätzlich zehn Anerkennungspreise zu verleihen.
Den mit 500 Euro dotierten ersten Preis erhielt Kyra Brand für ihre „Geschichten eines Kindes“.
Kyra Brand besucht die Kursstufe 1 des Nellenburg-Gymnasiums in Stockach. In ihrer Geschichtensammlung setzt sie sich damit auseinander, dass Kinder am stärksten von Kriegen betroffen sind. Sie schreibt in ihrer Bewerbung: „Ich wollte nicht einfach nur über den Frieden schreiben, sondern vielmehr auch den Horror und die Schrecken des Krieges aus der Perspektive eines Kindes darstellen. Damit endlich Frieden entstehen kann“. Es sind Geschichten, die unter die Haut gehen und berühren.
Viele beeindruckende Arbeiten
Die weiteren Preise, jeweils mit 150 Euro dotiert, gingen an 13 unterschiedliche Schulen. Mal sind es Einzelpreise, wie für Lennox Ahlskog vom Isolde-Kurz-Gymnasium Reutlingen, dessen Bild eine Rakete in einem Käfig zeigt. Seine Aussage dazu: „Wer Frieden will, muss umdenken.“ Friedensspiele, die die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema fördern, wurden von Schüler:innen des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Weinheim und der Gewerblichen Schule in Schwäbisch-Hall entwickelt.
Die Arbeiten der Steinlachschule Mössingen zeigen, dass Frieden bunt und kreativ ist. Die Klasse zeichnete in Anlehnung an den Künstler James Rizzi friedvolle Städte. Die Kunst-AG der Lindenrain-Schule Ebhausen stellte Friedenssymbole aus Ytong her und machte sich zu ihrer Bedeutung Gedanken. Lieder gegen den Krieg und für den Frieden wurden von einer Klasse der Erich-Kästner-Realschule Offenburg und der Song-AG des Hohenstaufen-Gymnasium Göppingen eingereicht.
Die Frage „Was braucht ein Kind?“ versuchten Grundschüler:innen der Grundschule Kreuzäcker und der Sonnenhofschule Schwäbisch Hall in einem kleinen Büchlein darzustellen. Ebenso ausgezeichnet wurden beeindruckende Texte oder Gedichte, eingereicht von der Hilde-Domin-Schule Herrenberg, der Europäischen Schule Karlsruhe, dem Schlossgymnasium Künzelsau und Fanny Rupel vom Suso-Gymnasium Konstanz.
„Frieden schaffen ohne Waffen“
Bischof Klaus Krämer hielt die Laudatio: „Eure Arbeiten sind für mich und viele Menschen ein Zeichen der Hoffnung, da sie zeigen, dass jede und jeder etwas für den Frieden tun kann. Sie geben jedem Menschen den Impuls mit, dass es sich lohnt, die Chance auf Mitgestaltung eines friedlichen Zusammenlebens zu ergreifen. Ihr seid damit auch Vorbilder für andere, auch über eure Schule hinaus.“
Sonnhild Thiel, Ehefrau des verstorbenen Namensgebers des Preises, betonte in ihrer Rede: „Folgt nie einem Befehl, informiert euch, denkt selbst nach und entscheidet freiwillig nach eurem Gewissen und nach den Prinzipien der Menschenrechte.“ Die neue Ausschreibung für den Wettbewerb 2026/ 27 startet am Weltfriedenstag, dem 21. September 2026 (1981 von der UN-Generalversammlung beschlossen).
Zum Hintergrund
Der Preis wird von der Evangelischen Landeskirche in Baden, der DFG-VK Baden-Württemberg, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), „pax an!“ – Werkstatt für Pazifismus, Friedenspädagogik und Völkerverständigung, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und pax christi Freiburg und Rottenburg-Stuttgart ausgelobt.
Der Namensgeber des Preises, Ulli Thiel (1943 – 2014), war Sonderschullehrer, Friedensaktivist und Ideengeber der Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm 1983 – der bislang größten Aktion der Friedensbewegung in Deutschland. Von ihm stammt der Spruch „Frieden schaffen ohne Waffen“, der zum Motto des Preises geworden ist.

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