
Auch dieses Jahr ruft die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen (VVN-BdA) zum Gedenken an die Opfer des Faschismus auf. In der Region wird dabei, unterstützt von den Gewerkschaften, den Zwangsarbeitern und Toten des vor unserer Haustür gelegenen Konzentrationslagers gedacht – am Samstag auf dem KZ-Friedhof an der Birnau.
Friedrichshafen war eines der großen Rüstungszentren des NS-Regimes. Alle Panzer der Wehrmacht fuhren mit Maybach-Motoren, die Luftschiffbau Zeppelin GmbH fertigte unter anderem Antennen für Peil- und Radargeräte, Dornier produzierte Flugzeuge und die Zahnradfabrik (ZF) Getriebe. Aufgrund dieser beträchtlichen Ansammlung von Rüstungsbetrieben war die Stadt ab Juni 1943 ein Ziel alliierter Luftangriffe.
Um die Rüstungsproduktion am Bodensee unterirdisch „bombensicher“ fortsetzen zu können, wurde unter dem Decknamen „Magnesit“ in Überlingen im September 1944 ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau errichtet. Nach Fertigstellung der notwendigen Vorarbeiten verlegte der Nazi-Staat im September und Oktober 1944 Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau nach Überlingen; sie sollten die Schwerstarbeiten leisten und wurden in zwei großen Transporten an den See verschleppt.
Für die Männer – mehrheitlich Italiener und Slowenen – war zwischen Überlingen und Aufkirch ein Lager errichtet worden, das aus drei Wohnbaracken für die durchschnittlich dort lebenden 700 Häftlinge bestand (siehe dazu Sabine Bades „Ausflug gegen das Vergessen“). Das Areal war mit Stacheldraht umzäunt und mit vier Wachtürmen gesichert. Auf Menschen abgerichtete Wachhunde sollten Fluchtversuche verhindern.
Mindestens 243 der Häftlinge starben innerhalb von nur acht Monaten. Sie fielen den unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen zum Opfer oder wurden von den Wachmannschaften ermordet. 97 von ihnen wurden auf Veranlassung der französischen Besatzungskräfte im Jahr 1946 auf dem KZ-Friedhof Birnau beigesetzt, nachdem sie mehr als ein Jahr lang in einem Massengrab verscharrt waren.
Seit Jahrzehnten dabei: das Comitato Colle del Lys
Was vor über vierzig Jahren mit der Städtepartnerschaft zwischen Ravensburg und Rivoli nahe Turin begann, hat schon früh zu intensiven Kontakten zwischen der VVN-BdA und dem Comitato Resistenza Colle del Lys geführt. Dort, am Übergang zwischen dem piemontesischem Susa- und dem Viùtal, wurden am 2. Juli 1944 26 junge Männer einem Massaker durch eine SS-Einheit zum Opfer gefallen waren. Der Bürgermeister von Rivoli, Carlo Mastri, war auch Vorsitzender des Comitato Resistenza Colle del Lys und suchte ab Beginn der Städtepartnerschaft den Kontakt zu deutschen antifaschistischen Gruppen in seiner süddeutschen Partnerstadt. In all den Jahren entstand ein reger Austausch in Form von Informations- und Kulturveranstaltungen, Ausstellungen, Filmen, Fernsehreportagen, Artikeln, Büchern und Tagungen auf beiden Seiten.
Zuweilen besuchten mehr italienische Gäste als deutsche die Gedenkveranstaltung an die Opfer des Dachauer Außenlagers. Und auch in diesem Jahr reist wieder eine Delegation aus dem Piemont an, darunter auch Franco Voghera vomComitato Resistenza Colle del Lys.

Die diesjährige Veranstaltung, die am Samstag, den 9. Mai 2026, zum ersten Mal seit langem ohne Lilo Rademacher stattfindet, beginnt um 14 Uhr mit einer Führung von Oswald Burger durch den Goldbacher Stollen. Treffpunkt: Überlingen, Obere Bahnhofstraße 30, neben „Wirtshaus zumFelsen“ (warme Kleidung und festes Schuhwerk sind empfehlenswert).
Anschließend um 17 Uhr Versammlung auf dem KZ-Friedhof Birnau (er ist vom Parkplatz Oberhof oberhalb der Barockkirche aus zu Fuß erreichbar). Es reden Dominik Männle, Bürgermeister von Uhldingen-Mühlhofen; Jürgen Wagner von der Informationsstelle Militarisierung Tübingen; Franco Voghera vomComitato Resistenza Colle del Lys; Ilona Kwakernaat Peters, die an den Häftling Hendrik Stens erinnert; Anthony Cipriano von der VVN-BdA Ba-Wü und Frederic Striegler von der IG Metall.


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