Lars Hofmann

Südkurier lädt Linke ein – und dann wieder aus

Von Holger Reile
Lars Hofmann
Lars Hofmann, Landtagswahlkandidat der Linken Konstanz (Bild: © Tobias Braun)

Am 8. März 2026 wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Kurz davor, am 24. Februar, bittet der Südkurier die jeweiligen Kandidat:innen zur öffentlichen Podiumsdiskussion ins Bodenseeforum. Doch bei der Auswahl der Teilnehmenden misst der Südkurier nicht zum ersten Mal mit zweierlei Maß.

Derzeit sind mit CDU, Grünen, SPD, AfD und FDP fünf Fraktionen im Stuttgarter Landtag vertreten. Die aktuellen Umfragewerte sehen die SPD bei derzeit mageren 8 Prozent und die FDP muss sogar in ihrem Stammland Baden-Württemberg um den Wiedereinzug fürchten. Die Linke hingegen steht seit Monaten bei soliden 7 Prozent und wird somit voraussichtlich erstmals in den baden-württembergischen Landtag einziehen. Außerdem verzeichnet die Linke im Kreis Konstanz einen starken Mitgliederzuwachs. Grund genug also für den Südkurier, den Linke-Kandidaten für den Wahlkreis Konstanz, Lars Hofmann, zur Podiumsdiskussion am 24. Februar ins Bodenseeforum einzuladen. Zumindest vorerst.

Fehler im Hinterkopf

Aber dann kam von Lokalchefin Isabelle Arndt die Absage an Lars Hofmann per E-Mail: „Mir ist bei den Einladungen für das Südkurier-Podium leider ein Fehler unterlaufen. Es werden nur die Parteien vertreten sein, die bereits im Landtag sitzen. Ich hatte da den Bundestag im Hinterkopf und habe daher die Einladung an Sie als Kandidierenden für die Linke ausgesprochen, muss diese aber leider zurückziehen“. Dafür bittet Frau Arndt „um Verständnis“ und versichert: „Abseits einer Podiumsdiskussion wird es natürlich eine Berichterstattung über Sie als Kandidierenden geben, nur in anderer Form.“

Diese Begründung ist allerdings ziemlich schräg und wenig glaubhaft. Denn 2017, kurz vor der damaligen Bundestagswahl, durfte Walter Schwaebsch, Kandidat für die rechtsextreme AfD, bei einer Südkurier-Podiumsdiskussion ausführlich seine rassistischen und wirren Thesen vortragen. Und das, obwohl die AfD zu dieser Zeit noch gar nicht im Bundestag vertreten war. Seemoz bat Frau Arndt für diese Ungleichbehandlung um eine Erklärung, leider ergebnislos.

Linke erwägt rechtliche Schritte

Die Ausladung ihres Kandidaten Lars Hofmann will die Linke nicht hinnehmen und schickte ein Protestschreiben an Isabelle Arndt. „Ihr geplantes Südkurier-Podium dient erkennbar der politischen Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld der Landtagswahl (…). Maßgeblich ist daher nicht die vergangene Zusammensetzung des Landtags, sondern ganz im Gegenteil die aktuelle und zukünftige Wahlentscheidung hinsichtlich der zur Wahl stehenden Kandidat*innen und Parteien.“

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Wahlkampfstand der Linkspartei Konstanz (Bild: © Holger Reile)

Außerdem werde der Südkurier mit dem Ausschluss Hofmanns seinem „journalistischen Auftrag zu einer gleichberechtigten Berichterstattung über alle relevanten Parteien nicht gerecht und beschneidet Herrn Lars Hofmann in der Möglichkeit, die durch das Südkurier-Podium erzeugte bürgernahe Bühne in gleicher Weise wie die anderen Kandidat*innen zu nutzen.“ Denn damit, so heißt es in dem Schreiben weiter, „liegt eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung im politischen Wettbewerb vor“. Nach Ansicht der Linken bestehe „ein rechtlich erheblicher Anspruch darauf, dass Lars Hofmann die Möglichkeit erhält, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen (…). Für den Fall, dass Sie dem nicht entsprechen, werden wir rechtliche Schritte in Erwägung ziehen.“

Wie immer die Geschichte ausgehen mag: Die Podiumsdiskussion findet am 24. Februar ab 19 Uhr im Bodenseeforum statt. Einlass ab 18:30 Uhr, der Eintritt ist frei. Wer teilnehmen will, muss kein Südkurier-Abonnent sein, allerdings empfiehlt sich eine Anmeldung. Entweder online hier oder telefonisch mit dem Stichwort „Wahlarena-Konstanz“ unter 07531-999 44 44. Anschließend wird eine Bestätigungsmail samt QR-Code verschickt, der beim Einlass abgescannt wird.

Transparenzhinweis: Der Autor ist parteiloser Stadtrat der LLK (Linke Liste Konstanz).

7 Kommentare

  1. Franz Segbers

    // am:

    Der Südkurier hat die Partei DIE LINKE bewusst aus den Wahlarenen mit den Kandidaten ausgeschlossen. Bei der letzten Wahl wurde ich als Wahlkreiskandidat für die LINKE ebenfalls ausgeschlossen. Das war damals und ist heute eine politische Entscheidung. Denn bei der Wahl zuvor wurde die Linke zugelassen. Der Südkurier hat offensichtlich seine parteipolitisch neutrale Haltung aufgegeben! Jetzt, wo die LINKE seit Monaten in allen Befragungen und Prognosen stabil bei 7 Prozent steht, wird der Süd-Kurier aktiv. Der Südkurier nimmt eine Monopolstellung ein und hat deshalb auch eine besondere medienpolitische Verantwortung. Die Presse hat eine Aufgabe als Vierte Gewalt im Staat, der sie nachkommen sollte, gerade dort, wo sie eine Monopolstellung innehat. Sie soll die Bevölkerung informieren, durch Kritik und Diskussion zur Meinungsbildung beitragen und damit Partizipation ermöglichen. Genau das tut der Südkurier nicht. Dass er eine politische Entscheidung gefällt hat, sieht man auch daran, dass der Vertreter der Partei DIE LINKE zunächst eingeladen und dann ausgeladen wurde. Wer hat denn da welche Entscheidung korrigiert? Die Demokratie braucht den Wettstreit der Parteien um die besten Konzepte. Sie schließen die Stimme der LINKEN aus, die wie keine andere Partei die konkreten Sorgen der Menschen aufgreift. Medien sind ein wichtiger Teil jeder Demokratie. Wenn der Südkurier diese medienpolitische Aufgabe wirklich ernst nehmen würde, dann müsste eine Partei ausgeschlossen werden: Die AfD. Sie ist kein normaler Mitbewerber, sondern der parlamentarische Arm einer rechtsradikalen Bewegung. Nach einem Gerichtsurteil ist die AfD in Baden-Württemberg ein rechtsextremistischer Verdachtsfall, da es ausreichende Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen innerhalb der Partei gibt. Wenn es eine Partei gibt, die nicht zum Wettstreit der demokratischen Parteien gehört, dann ist es die AfD! Doch diesem rechtsextremistischen Verdachtsfall bietet der Südkurier ein Forum, auf dem Hetze und Lügen verbreitet werden können. – Übrigens könnte der Südkurier von der demokratischen Kultur in Belgien lernen. Dort wurde die rechtsradikale Partei zu Diskussionen im Vorfeld von Wahlen nicht eingeladen. So sieht wehrhafte Demokratie aus!

    Prof. em. Dr. Franz Segbers, Konstanz

  2. Sibylle Röth

    // am:

    Inzwischen haben wir als Linke Konstanz eine Reaktion von Frau Arndt auf unseren Beschwerdebrief erhalten. Sie verweist darin auf das Prinzip der abgestuften Chancengleichheit und verlinkt einen Tagesschaubeitrag, der dieses „prima erklärt“. Skurrilerweise endet ihr Zitat aus diesem Beitrag genau, bevor dort der Satz folgt: „Besonders wenn es um die Berichterstattung im Vorfeld von Wahlen geht, spielen auch repräsentative Meinungsumfragen eine Rolle, weil sie ein Indiz sind für Aussichten auf den Einzug der Parteien ins Parlament“. Ein Schelm, wer böses dabei denkt… Aber glaubt Frau Arndt, wir würden nicht auch selbst nochmal nachlesen, wenn sie den Link schon direkt einfügt? Oder ist ihr einfach egal, dass diese prima Erklärung ihre Argumentation gar nicht stützt?

  3. Pauli heinzelmann

    // am:

    Vom Südkurier nicht eingeladen zu werden ist doch ein Ehrenzeichen.

  4. Jana Kristin Geisler

    // am:

    Ich finde es bedauerlich, dass eine Zeitung so arbeitet.
    In Zeiten zunehmender Polarisierung und Rechtsverschiebung sollten Medien Räume für offenen, demokratischen Diskurs schaffen und diese nicht verengen.

    Ich hoffe sehr, dass der Südkurier diese Einladungspraxis nochmal überdenkt. Für einen demokratischen Austausch!!!

  5. Erhard Korn

    // am:

    AfD rein, Linke raus, so kann sich eine Zeitung auch positionieren.

  6. Peter Krause

    // am:

    Meine politischen Sympathien für die „Die Linke“ – oder auch für die AFD – bewegen sich eher im „homöopathischen“ Bereich.
    Aber zu einem wirklich demokratischen „Diskurs“ gehört es, dass wichtige Kräfte das Recht haben müssen, sich zu äußern und mit den politischen „Wettbewerbern“ in einem Dialog – oder gerne auch in ein Streitgespräch – treten zu können. Und um dieses Recht auch in Anspruch nehmen zu können, wird ein entsprechender Ort benötigt, wie z.B. die Medien. Und eben diese Medien ziehen einen Großteil ihrer besonderen Legitimation genau daraus, dass sie gesellschaftliche Debatten abbilden und gerne auch kritisch begleiten, aber nicht daraus, dass sie Debatten und „Akteure“ ignorieren.
    Der SÜDKURIER kann es sicher besser – oder….. ?
    Ob es einen „Rechtsanspruch“ der LINKEN auf Teilnahme/Einladung gibt, wage ich zu bezweifeln, weil der SÜDKURIER kein öffentlich-rechtliches Medium ist. Darum geht es hier aber nicht. Die Teilnahme / Einladung der LINKEN sollte sich aus dem Verständnis unseres politischen Kultur heraus ergeben.

  7. Rainer Beuthel

    // am:

    Seit Gründung der Partei kennt Die Linke dieses Spiel der Ausgrenzung. Hier wird es besonders deutlich: die AfD wurde eingeladen, Die Linke nicht. Das nennt sich „Qualitätsjournalismus“…

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