Stolpersteine in der Schottenstraße 73 © Harald Borges (Archivbild)

17 neue Stolpersteine und 1 Stolperschwelle in Konstanz

Stolpersteine in der Schottenstraße 73 © Harald Borges (Archivbild)
Stolpersteine in der Schottenstraße 73 © Harald Borges (Archivbild)

Am 19. Mai 2024 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig in Konstanz erneut Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus. Gäste und andere Interessierte sind herzlich willkommen.

Es wird dabei insgesamt 17 jüdischer und politischer Opfer, Opfer der Euthanasie sowie erstmals Opfer der Zwangssterilisierungen gedacht. Bei jeder Verlegestelle wird an die Opfer mit einer Ansprache erinnert.

Am 19. Mai 2024 um 10.00 Uhr beginnt die diesjährige Verlegung mit einem Stolperstein für Franz Greis in der Fürstenbergstraße 72. Enden wird die Verlegung um 15.10 Uhr in der Untere Laube 12, vor dem ehemaligen Erbgesundheitsgericht, mit einer Stolperschwelle für die Opfer von Zwangssterilisierungen.

Hier die einzelnen Stationen:

10.00 Uhr, Fürstenbergstraße 72: Franz Greis (Politisch)
10.25 Uhr, Friedrichstraße 11: Anna Mayer (Politisch)
10.45 Uhr, Beyerlestraße 10: Sigmund Weil (Jude)
11.05 Uhr, Inselgasse 15: Berta Glückler (Zwangssterilisierte)
11.25 Uhr, Stephansplatz 9: Anna Schmid (Euthanasie)
11.45 Uhr, Marktstätte 17: Berta Weil, geb. Casewitz (Jüdin), Josef Weil (Jude), Gitta Weil (Jüdin), Jakob (Jack) Weil (Jude), Klara (Claire) Weil (Jüdin)
12.10 Uhr, Rosgartenstraße 31: Salomon Rosenthal (Jude)
14.00 Uhr, Bodanstraße 27: Erna Freistetter (Zwangssterilisierte), Hildegard Freistetter (Zwangssterilisierte)
14.20 Uhr, Gottlieber Straße 10: Fanny Haymann (Jüdin), Mina Ohlenschläger, geb. Haymann (Jüdin)
10.00 Uhr, Fürstenbergstraße 72: Franz Greis (Politisch)
10.25 Uhr, Friedrichstraße 11: Anna Mayer (Politisch)
10.45 Uhr, Beyerlestraße 10: Sigmund Weil (Jude)
11.05 Uhr, Inselgasse 15: Berta Glückler (Zwangssterilisierte)
11.25 Uhr, Stephansplatz 9: Anna Schmid (Euthanasie)
11.45 Uhr, Marktstätte 17: Berta Weil, geb. Casewitz (Jüdin), Josef Weil (Jude), Gitta Weil (Jüdin), Jakob (Jack) Weil (Jude), Klara (Claire) Weil (Jüdin)
12.10 Uhr, Rosgartenstraße 31: Salomon Rosenthal (Jude)
14.00 Uhr, Bodanstraße 27: Erna Freistetter (Zwangssterilisierte), Hildegard Freistetter (Zwangssterilisierte)
14.20 Uhr, Gottlieber Straße 10: Fanny Haymann (Jüdin), Mina Ohlenschläger, geb. Haymann (Jüdin)
14.35 Uhr, Leinerstraße 1: Regina Levi, geb. Wolf (Jüdin)
14.50 Uhr, Mangoldstraße 21: Rosa Moerschner, geb. Oplat (Jüdin)
15.10 Uhr Untere Laube 12: Stolperschwelle – Mit einer Verordnung des badischen Justizministers Dr. Otto Wacker wurde in Konstanz zum 1. Januar 1934 ein NS-Sondergericht eingerichtet, das Konstanzer Erbgesundheitsgericht. Ärzte und Juristen des Erbgesundheitsgerichts Konstanz verfügten zwischen 1934 und 1945 die Zwangssterilisation von über 1.000 Frauen, Männern und Jugendlichen aus dem Umkreis, darunter befanden sich mindestens 291 Menschen aus Konstanz.

Das Projekt

Stolpersteine ist ein Kunstprojekt von Gunter Demnig aus Köln. Der 76-jährige Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern hält er die Erinnerung an die Menschen lebendig, die hier wohnten. Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Im Mai 2023 verlegte Demnig in Nürnberg den 100.000. Stolperstein für den 1892 geborenen Feuerwehrmann Johann Wild, der 1941 verhaftet, wegen „Rundfunkverbrechen“ zum Tode verurteilt und in München-Stadelheim mit dem Fallbeil hingerichtet wurde.

Stolpersteine und Stolperschwellen wurden bislang in 30 europäischen Ländern verlegt. Sie sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Stolpersteine liegen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein Litauen, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Republik Irland, Republik Moldau, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Ukraine, Ungarn und im Vereinigten Königreich. Seit Oktober 2017 liegt auch die erste Stolperschwelle außerhalb Europas in Buenos Aires (Argentinien), die in enger Zusammenarbeit mit der Konstanzer Initiative verwirklicht wurde.

Zudem erinnern sogenannte Remembrance Stones in Spanien an die Opfer des Franquismus.

Die Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ arbeitet seit 2005 an der Aufarbeitung von Biografien von Verfolgten des Nationalsozialismus – Jüdinnen und Juden, politisch und religiös Verfolgte, Opfer der Eugenik, Deserteure, Sinti/Roma und Homosexuelle erhalten so auch in Konstanz ihre Identität zurück. Getragen wird die Initiative von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis. Bei Interesse an der Mitarbeit in der Initiative oder an einer Patenschaft für einen Stolperstein setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung. Auch über Spenden für unsere Arbeit freuen wir uns sehr.

Bis Ende 2023 wurden in Konstanz, Kreuzlingen und Tägerwilen 272 Stolpersteine verlegt.

Begleitprogramm

21.5.2024
Offizielle Übergabe der Stolpersteine und der Stolperschwelle an die Stadt Konstanz. 19:30 Uhr: Wolkensteinsaal, Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstr. 41/43, 78462 Konstanz
Im Anschluss Lesung aus dem Gedenkbuch „Es konnte alle treffen“ für die Konstanzer Opfer von NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Verbrechen 1934–1945.
Weit über dreihundert Konstanzerinnen und Konstanzer – Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder – wurden zwischen 1934 und 1945 Opfer von Zwangssterilisationen und „Euthanasie“-Morden. Weil sie die Fürsorgekassen belasteten, nicht den vermeintlich nötigen Bildungsstand aufwiesen, weil sie krank waren oder von der im Nationalsozialismus geltenden sozialen oder ideologischen Norm abwichen. Es konnte alle treffen in einem System, das den Wert eines Menschen anhand seiner volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und seiner „erbbiologischen Qualität“ bemaß. Das Gedenkbuch beleuchtet dieses bislang vernachlässigte Kapitel der Stadtgeschichte, skizziert die historischen Hintergründe und benennt Akteure. Im Mittelpunkt aber stehen die Konstanzerinnen und Konstanzer, die zwangssterilisiert oder als „lebensunwert“ ermordet wurden. Die Autorin Sabine Bade und der Autor Roland Didra möchten diese in das kollektive Gedächtnis der Stadt Konstanz zurückholen.
Die Ensemblemitglieder Ingo Biermann, Jonas Pätzold, Lilian Prent des Theaters Konstanz führen in die Thematik ein und lesen ausgewählte Biografien.

2.6.2024
Rundgang zu den Stolpersteinen für Zwangssterilisierte und für Opfer der „Euthanasie“ mit Roland Didra
15.00 Uhr: Treffpunkt Münsterplatz/Brunnen
Im Mittelpunkt der Führung stehen die Schicksale der Zwangssterilisierten und der NS-„Euthanasiemorde“ in Grafeneck und die Details der Planung und Durchführung der Verbrechen bzw. des Massenmords.In Konstanz gibt es mittlerweile über 30 Stolpersteine für diese Opfergruppen.
Bei dem Rundgang werden einige Verlegestellen in Konstanz aufgesucht und an die Schicksale der Kinder und Erwachsenen erinnert.
Die etwa 90-minütige Führung findet bei jedem Wetter statt.

5.6.2024
Rundgang Jüdisches Leben in Konstanz vor und während der NS-Zeit mit Petra Quintini
18.00 Uhr: Treffpunkt Rathaus, Kanzleistr. 13/15
Anhand ausgewählter Lebensgeschichten Konstanzer Juden und Jüdinnen erzählt dieser Stadtrundgang von der Vielfalt, aber auch von der Zerstörung der jüdischen Gemeinde in Konstanz während der NS-Zeit. Dabei werden nicht nur Stolpersteine, sondern auch andere Orte in der Innenstadt aufgesucht, die eine besondere Geschichte haben.
Die etwa 90-minütige Führung findet bei jedem Wetter statt.

12.6.2024
Rundgang zu den Stolpersteinen in der Konstanzer Altstadt mit Dr. Uwe Brügmann
18.00 Uhr: Treffpunkt Gedenk-Obelisk hinter der Dreifaltigkeitskirche.
Bei dem Rundgang durch die Konstanzer Innenstadt werden ausgewählte Biografien von Opfern des nationalsozialistischen Terrors – Juden, Eugenik-Opfer, Homosexuelle, politische Opfer und Zeugen Jehovas – ausführlich und exemplarisch vorgestellt.
Die etwa 90-minütige Führung findet bei jedem Wetter statt.

Weitere Informationen

Weitere Einzelheiten finden Sie unter www.stolpersteine-konstanz.de.

Text/Bild: MM

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