Kriegsopfer ©diana vartanova wikimedia commons

Wollen Europas Eliten den Krieg mit Russland?

Von Almut Rochowanski
Kriegsopfer ©diana vartanova wikimedia commons
Kriegsopfer in einem Kiewer Krankenhaus – Foto: Diana Vartanova

Statt Besonnenheit nach dem Drohnen-Zwischenfall in Leipzig dreht Europa weiter an der Eskalationsspirale. Viele Entscheidungsträger halten den Krieg mit Russland längst für nötig. Aufhalten können ihn nur die Bürger:innen Europas.

In einem Wäldchen nahe Berlin wird ein Waffendepot gefunden – immerhin zwei ganze Faustfeuerwaffen –, und obwohl der Fund schon letzten Herbst geschah, schwillt die Kriegsstimmungsmache plötzlich akut an. Anfang August gab es einen Zwischenfall mit zwei (oder vielleicht doch drei?) Drohnen am Flughafen Leipzig, eine davon mit Sprengstoff bestückt. Nun hat die deutsche Regierung Russland dafür offiziell verantwortlich gemacht und Konsequenzen angekündigt. Am Wochenende davor wurde in anonymen Quellen gemunkelt, dass es eine wahre Zeitenwende 2.0 werden soll.

Die Vergeltungsmassnahmen muten auf den ersten Blick zahm, wenn auch kurios an: der Vertrag des Russischen Hauses in Berlin wird gekündigt, das Konsulat in Bonn geschlossen, es soll noch mehr Sanktionen der EU geben und auch die russische „Schattenflotte“ soll noch mehr unter Druck kommen. Bei näherem Hinsehen sind sie aber beunruhigend, vor allem das schrittweise Reduzieren der diplomatischen Vertretungen. Am Ende aller diplomatischen Beziehungen steht nämlich der Kriegszustand.

Beweise?

Die Beweislage ist in beiden Fällen eher dünn. Von einer der Leipziger Drohnen ist gar nichts übrig geblieben. Im Fall der zwei eingebuddelten Pistolen gibt es einen Verdächtigen in rumänischer Untersuchungshaft – einen jungen Ukrainer. Es wäre nicht das erste Mal, dass zunächst Russland beschuldigt wird, bevor es sich dann doch ganz anders herausstellt. Innenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul sagten in ihrer Pressekonferenz, dass „Zündmittel verwendet wurden, die aus anderen hybriden Operationen Russlands und dessen Krieg gegen die Ukraine bekannt sind“.

Macht nichts, befindet man in der Frankfurter Allgemeinen. „Rufe nach ‚Beweisen‘ für die Täterschaft Russlands sind Spitzfindigkeiten“ und „die Weltgeschichte hat keine Zeit für den deutschen Instanzenweg“. Die „Stunde der Abschreckung“ habe geschlagen, und Deutschland müsse gegenüber Russland eskalieren.

Beziehungsweise, wie es Sabine Schiffer, Professorin für Journalismus- und Kommunikation und Leiterin des Instituts für Medienverantwortung sieht, „Wir sind noch in jeden Krieg [hinein]gelogen worden. Und so ist es auch diesmal.“

Allerdings, obwohl ein ähnliches Zündmittel eher Indiz als Beweis ist, sollten wir trotzdem davon ausgehen, dass zumindest ein Teil der mittlerweile gehäuften Vorfälle von hybrider Kriegsführung auf Russlands Konto geht. Denn Europa hat die Eskalationsspirale schon sehr weit gedreht, Russland hat bei jedem Klick der Europäer zeitgleich eskaliert – meistens in Form von noch stärkeren Angriffen gegen die Ukraine. Es ist anzunehmen, dass das auch dieses Mal der Fall sein wird.

Das Sicherheitsdilemma als Feiglingsspiel

Wie in der Frankfurter Allgemeinen oder gerade wieder von Polens Außenminister Radosław Sikorski ausgedrückt, und wie man aus Russlands hybriden Schuss vor den Bug ablesen kann, denken beide Seiten in etwa so: „Wir zeigen denen, dass wir auch anders können! Dann sehen sie, dass wir es ernst meinen und hören mit ihren Provokationen auf. Wenn wir uns nur endlich trauen, ihnen einmal so richtig Angst einzujagen, werden sie den Schwanz einziehen und klein beigeben.“ Das Sicherheitsdilemma entfaltet sich wie ein Feiglingsspiel.

Soldaten am 1.9.1939 an der deutsch polnischen grenze
Als schon mal „verteidigt“ wurde: Soldaten am 1. September 1939 an der deutsch-polnischen Grenze

Europa, und vor allem Deutschland als der größte Unterstützer der Ukraine, machen schon lange kein Geheimnis daraus, dass sie sich im Krieg mit Russland sehen. Annalena Baerbock ist bereits im Januar 2023 herausgerutscht, dass wir „einen Krieg gegen Russland führen“, auch wenn ihr Schadensbegrenzungsstab versucht hat, die Aussage wegzuqualifizieren.

Russlands Führung sieht es spätestens seit diesem Jahr auch so. Aussenminister Sergej Lawrow sprach unlängst von belgischen und deutschen Generälen, die unverhohlen zugeben, dass sie sich auf einen Krieg mit Russland vorbereiten und bis dahin die Ukraine als Rammbock verwenden.

Die materielle Realität dieses Krieges spricht für diese Sichtweise. In einem Abnutzungskrieg, wie in dem zwischen Russland und der Ukraine, versucht man alles, was der Gegner benötigt um Krieg zu führen, zu zerstören beziehungsweise aufzubrauchen – Waffen, Munition, Fahrzeuge, Stromnetzwerke, Vorräte von Energieträgern und Nahrungsmitteln und natürlich Soldaten. Vor allem aber Geld, denn damit werden alle anderen Ressourcen beschafft.

Sparen für die Ukraine

Europa stemmt mittlerweile den kompletten zivilen Haushalt der Ukraine mit 30 Milliarden Euro für 2026 und 2027 und zusätzlich, mit 60 Milliarden Euro, einen großen und ständig wachsenden Teil des Verteidigungshaushalts. Diese Zahlen enthalten nicht bilaterale Zuwendungen der einzelnen EU-Mitglieder oder deren Sachspenden von Waffen. Die Ukraine sollte zwar den Rest ihrer Verteidigungsausgaben aus eigenen Steuereinnahmen decken, doch nur die von der EU finanzierten Pensionen, Lehrer:innen-, Ärzte- und Beamtengehälter erhalten die ukrainische Wirtschaft so weit, dass überhaupt Steuern erzielt werden können.

Oder eben doch nicht, denn letzte Woche verlangte Wolodymyr Selenskyj von der EU einen Vorschuss von 27 Milliarden Euro aus den bis 2027 bewilligten 90 Milliarden, ohne welchen die Ukraine den Krieg angeblich nicht mehr weiterführen kann. Die jüngste ukrainische 40-Tage-Kampagne von massiven Raketen- und Drohnenattacken auf Russlands Raffinerien und Versandzentren, das Meisterstück des inzwischen entlassenen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow, kam ausgesprochen teuer.

Die Ukraine hätte also diesen Abnutzungskrieg ohne die Unterstützung des Westens längst verloren. Fast könnte man sagen, dass die Staatlichkeit der Ukraine an sich nur noch mit freundlicher Genehmigung des Westens existiert. Seit die USA letztes Jahr ihre finanzielle Hilfe an die Ukraine eingestellt haben, zahlt Europa diese Kosten nun alleine, wobei Deutschland den weitaus größten Teil beiträgt.

Keine Vorsicht mehr

Hinzu kommt, dass die Europäer:innen Schritt für Schritt alle vorherige Vorsicht in den Wind geschlagen haben. Einschränkungen bei der Verwendung der von ihnen bereitgestellten Waffen wurden nach und nach aufgehoben und sensible Technologie mit der Ukraine geteilt. Nachdem in diesem Jahr auf einmal immer wieder ukrainische Drohnen über den Baltenstaaten abstürzten, schloss Russland, dass die dortigen Regierungen ihren Luftraum für Angriffe auf Russland zur Verfügung gestellt hatten, was diese freilich abstritten.

Deutschland gibt den Geheimdiensten operative Befugnisse, und allen ist klar, wo die zum Einsatz kommen sollen. Nicht nur der Zivilflughafen Leipzig, wo die ukrainische Luftwaffe ihre Basis eingerichtet hat, sondern weite Teile von Europas Infrastruktur dienen der Ukraine als Hinterland – Territorium, von dem aus Krieg geführt wird, das aber außer Reichweite des Feindes liegt – wie die FAZ freimütig zugibt.

Im Kreml wiegt vermutlich genauso schwer, wie groß die Freude in europäischen Regierungskreisen und Talkshows ist, wenn ukrainische Drohnen eine russische Raffinerie bombardieren, wie ungeniert Europa sich diese Angriffe auf die eigene Fahne heftet.

Europas Doppelmoral

Hier könnte man einwenden, dass das alles unerheblich sei, denn ein Staat, welcher von seinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch macht, habe auch ein Recht auf den Beistand anderer Mitglieder der Staatengemeinschaft. Europa mache also nur das, was jeder anständige Staat der Welt täte, um Opfern von Angriffskriegen beizustehen. Daher dürfe Russland es nicht persönlich nehmen, das heißt als direkte Beteiligung am Krieg auslegen.

Diese noble Theorie wackelt nicht nur mit Blick auf die europäische Praxis. Im illegalen Angriffskrieg der USA gegen den Iran hat Europa nicht dem Opfer geholfen, sondern dem Aggressor. Auch ein Gedankenexperiment, in dem zum Beispiel der Iran europäische Städte mit Raketen beschießt, welche China oder Russland offen und händereibend finanzieren, macht klar, dass Berlin, Paris oder Kopenhagen es sehr wohl persönlich nehmen würden.

Sich auf so ein Feiglingsspiel einzulassen, ist gefährlich und verantwortungslos genug. Ist man einmal auf’s Gas getreten, kann man oft nicht mehr rechtzeitig ausweichen. Was aber, wenn die Kollision gewollt ist?

Krieg, um den Westen zu retten?

Noch letztes Jahr schien es, dass ein direkter Krieg zwischen Europa und Russland als mögliches Risiko zwar eingepreist war, aber doch vermieden werden sollte. Heute, im Spätsommer 2026, sehen viele in Europas Regierungs- und Expertenkreisen einen direkten Krieg mit Russland nicht nur als unvermeidlich, sondern notwendig. Als etwas, das Europa gut tun würde.

Denn im Laufe des letzten Jahres hat die fortschreitende Zerrüttung der Weltordnung den Verlust der globalen Vormachtstellung, die Europa von Amerikas Gnaden genoss, zementiert und bloßgestellt. Trotz wiederholter Kriecherei der Europäer zeigt Donald Trump sich nicht gewillt, für Europa in der Ukraine die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Den Krieg gegen den Iran, den er mutwillig und illegal losgetreten hat, haben die USA verloren und dabei noch einen Großteil ihrer Raketenbestände verpulvert. Zwischendurch fuhr Friedrich Merz nach China, wo ihn der Anblick des chinesischen Fortschritts in schweißgebadete Panik versetzte.

„Noch ist Zeit, den Westen zu retten“, schreibt Springer-CEO Mathias Döpfner dieser Tage in der konservativen britischen Zeitschrift Spectator (zuerst war der Artikel mit „The West Must Win“ betitelt, bevor sich die Redaktion eines Besseren besonnen hat). Um die Überlegenheit des Westens angesichts der massiven Rückschläge noch irgendwie zu behaupten, muss Russland unbedingt den Krieg verlieren und für Verhandlungen zu Kreuze kriechen.

Deshalb war das europäische Establishment über die 40-Tage-Kampagne zunächst so ekstatisch, so leicht zu überzeugen, dass sich das Blatt nun wendet, dass die Ukraine den Krieg gewinnt. Doch die teure Kampagne verfehlte ihren Zweck; ihre Wirkungstheorie – Kollaps der russischen Versorgungslinien und Wirtschaft, Putin gibt unter Druck auf – war wohl zu kühn.

Mit Hurra in den großen Krieg

Selbst wenn Europa die gesamten Kosten des Krieges schultert, eines kann all das Geld nicht kaufen: Menschen. Der Ukraine gehen die Soldaten aus, trotz der weit verbreiteten brutalen Zwangsmobilisierung. Daher beschloss die EU im Juli, dass ukrainische Männer nicht mehr, wie bisher, automatisch unter der Richtlinie über den vorübergehenden Schutz in der EU bleiben dürfen. Nun erheben sich Stimmen, die auch ukrainische Frauen zum Kriegsdienst einziehen wollen. Und auch das wird nichts daran ändern, dass die Ukraine Russland nicht alleine besiegen kann.

Also muss Europa früher oder später selbst Hand anlegen und direkt in den Krieg eintreten. Für Nathalie Tocci, Beraterin von zwei Vorgänger:innen von Kaja Kallas, ist es eine ausgemachte Sache, dass der Krieg kommt. Sie zeigt sich erschüttert über Europas Bürger:innen, die nicht in so einem Krieg kämpfen wollen, und will deren Widerwillen überwinden, indem man jetzt schon europäische Truppen in die Ukraine schickt.

Während die breite politische Mitte bewusst Schritte setzt, die einen Krieg mit Russland wahrscheinlicher machen, warnen andere eindringlich. Der ehemalige Financial Times-Redakteur Wolfgang Münchau mahnt auf UnHerd, dass auf rhetorische Eskalation oft physische Eskalation folgt, und dass ihn die derzeitige Kriegseuphorie in Europa an 1914 erinnert.

Der linke Wirtschaftsprofessor Branko Milanović entsetzt sich über die Kriegslust bestimmter europäischer Staaten und plädiert für das Einfrieren des Konflikts, denn ein eingefrorener Konflikt ist immer noch besser als ein immerwährender Krieg, den er in nukleare Eskalation abgleiten sieht.

Europa erlebt gerade ein langsames Hineinrutschen in einen großen Krieg. Erhebliche Teile von Europas Eliten sehnen ihn geradezu herbei. Trotzdem ist der Krieg keine ausgemachte Sache. Europas Bürger:innen können ihn noch aufhalten. Wie Sophie Bolt, Generalsekretärin der Campaign for Nuclear Disarmament, mir diesen Sommer erzählte, bremsen britische Abgeordnete immer wieder bei Verteidigungsausgaben, weil sie ihre Wähler.Innen fürchten. Vielleicht gelingt es künftig auch, ähnliche Sorgen bei deutschen Politiker:innen zu entfachen.

Dieser Beitrag von Almut Rochowanski, Aktivistin für Frauenrechte und Frieden in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, erschien zuerst im Online-Magazin Jacobin.

Abbildungen: Verletzter im Krankenhaus – Exhibition by Still Miracle Photography © Diana Vartanova_Wikimedia commons / Deutschlands Angriff auf Polen 1939 © Bundesarchiv_Wikimedia commons

7 Kommentare

  1. Jens Weimer

    // am:

    @Peter Krause
    Wir sind einer Meinung. Ich glaube, ich habe mich in Ihrem ersten Beitrag im letzten Satz tatsächlich „verlesen.“

  2. Peter Krause

    // am:

    @Jens Weimer,
    Ich glaube, Sie habe mich missverstanden; oder ich habe mich missverständlich ausgedrückt.
    Ich halte die Ausführungen von Frau Rochowanski für vollkommen falsch.
    Ich halte es für falsch, dass Frau Rochowanski den „Eindruck“ vermitteln will, dass der Westen im Ukrainekrieg eskalieren würde und an allem Schuld sei. Und ich halte den Versuch, diesen Eindruck zu vermitteln, darum für falsch, weil es nicht der Westen ist, der eskaliert, sondern es ist das Putin-Regime, das diesen seinen Angriffskrieg mit zunehmender Härte und Menschenverachtung führt.

  3. Weimer, Jens

    // am:

    Sehr geehrter Herr Krause,

    in vielen Dingen kann ich Ihnen zustimmen, nur nicht darin, dass die Ansichten von Frau Rochowanski „nicht falsch“ sind.
    Frau Rochowanski verbreitet in vielen Punkten ungefiltert die Propaganda des Kremel. Dies nicht nur in diesem Beitrag, sondern auch in anderen Beiträgen (zB. 2025 zum Gipfel In Alaska. Dort behauptet die Autorin, die Ukraine werde immer schwächer und müsse deshalb am Besten sinngemäß kapitulieren).
    Im aktuellen Beitrag wird der russische Außenminister Lawrow ohne Widerspruch oder nur Einordnung seiner Person oder Aussagen als Quelle verwendet („Russlands Führung sieht es spätestens seit diesem Jahr auch so. Außenminister Sergej Lawrow sprach unlängst von belgischen und deutschen Generälen, die unverhohlen zugeben, dass sie sich auf einen Krieg mit Russland vorbereiten und bis dahin die Ukraine als Rammbock verwenden.“). Mit Verlaub, das ist so seriös, als würde man Aussagen des Propagandaministers Goebbels als Wahrheit verkaufen.

    Auch die Aussage: „Die Ukraine hätte also diesen Abnutzungskrieg ohne die Unterstützung des Westens längst verloren. Fast könnte man sagen, dass die Staatlichkeit der Ukraine an sich nur noch mit freundlicher Genehmigung des Westens existiert.“ ist brandgefährlich.
    Zunächst basiert die Staatlichkeit der Ukraine auf dem völkerrechtlichen Grundsatz der Souveränität der Völker. Diese ist auf Grund des völkerrechtlich widerrechtlichen und verbrecherischen Angriffskrieges durch Russland seit 2014 massiv gefährdet. Die Ukraine hat der daher jedes Recht sich dagegen zu verteidigen und alle anderen Nationen haben das Recht, vielleicht sogar die Pflicht, die Ukraine dabei zu unterstützen.
    Was die Autorin hier nicht ausspricht, ist die Konsequenz ihrer Aussage. Diese lautet: Bitte unterstützt die Ukraine nicht mehr. Dann wird sie von Russland annektiert und das Problem ist gelöst. Mir doch egal, wenn auf dieser Welt der stärkere Staat gegen andere Staaten rücksichtslos seine Interessen durchsetzt. Bahn frei für den grenzenlosen Imperialismus.
    Dies widerspricht dem seit der westfälischen Friedensordnung von 1648 normierten Gleichheit der souveränen Staaten, nach der kein Staat sich über den anderen erheben kann oder mehr Rechte genießt, nur weil er stärker oder mächtiger ist.
    Natürlich wurde und wird dieser Grundsatz immer wieder verletzt, unverzichtbar ist dieser Grundsatz aber dennoch nicht! Ansonsten kehren wir zum völkerrechtlichen Faustrecht, dem Recht des Stärkeren zurück.
    Ist es das, was Frau Rochowanski will? Diese Frage muss sich die Autorin nach diesem Beitrag ernsthaft stellen.

  4. Robert Becker

    // am:

    Wenn man es mit hochaggresivem Gegner zu tun hat, ist im Grunde fast jede Reaktion für Betroffene zumindest zweifelhaft: Wegrennen, wenn Gegner mindestens genauso schnell ist, Gegenwehr, wenn Gegner mindestens so stark ist und womöglich noch aggressiver wird. Im Strafrecht gibt es den Begriff der Verhältnismäßigkeit der Gegenwehr, die auch im realen Mikrokosmos nicht ganz so einfach ist.

  5. Bernd Eisenbarth

    // am:

    D’accord, Dr. Krause! Der Westen ist nicht schuld an der Misere, sondern einzig der, der den Überfall auf die UA begangen hat. Doch der Westen kann dem ohne die Hilfe der USA wenig Einhalt gebieten, da zu schwach. Die Mittel für eine vernünftige Aufrüstung kann er sich kaum aus den Rippen leiern. Seine finanziellen Ressourcen sind begrenzt trotz „Sondervermögen“ (m.E. ein Unwort, weil lediglich Schulden). Was kann man also tun? Man gaukelt uns vor, wir könnten den Russen endlos Widerstand leisten. Aber wir wissen alle, wie es um unsere Staatsfinanzen zwischenzeitlich bestellt ist. Die Konsequenzen: Vermutlich nur die Hoffnung, dass den Russen vor uns die Puste ausgeht…

  6. Andreas Remark

    // am:

    Jetzt wird´s aber langsam echt peinlich auf seemoz!

  7. Peter Krause

    // am:

    Die Argumentation des Beitrages ist interessant und spiegelt – so meine Wahrrnehmung – einen Teil der aktuellen politischen Debatte bzw. einzelne Positionen in dieser Debatte wider.
    Der starke Fokus auf „den Westen“ bzw. bestimmte Politiker im Westen, die durch ihre Politik dafür verantwortlich seien, dass der Krieg eskaliere, folgt der Logik des Artikels. Leider wird gleichzeitig die russische Seite bzw. Putin und seine Regierung vollkommen ausgeblendet. So kann der Eindruck entstehen, dass „der Westen“ die Schuld an diesem Krieg trägt. Und dieser Eindruck ist falsch.
    Aber so ist dies eben: Es gibt diese politische Sicht auf die Welt, dass „der Westen“ – oder auch „der Kapitalismus“ – für alle Übel unter der Sonne verantwortlich ist. Was für eine maßlose Überschätzung der Macht des „Westens“ und eine genauso große Geringschätzung der Möglichkeiten der anderen Mächte auf dieser Welt.
    Aber es ist natürlich eine eher bequeme, weil „eindeutige“ Sicht auf die Welt – falsch ist diese Sicht aber dennoch.

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