Lars Hofmann

„Wer Völkerrechtsbruch toleriert, darf junge Menschen nicht zum Kriegsdienst zwingen“

Aus der Redaktion
Lars Hofmann
Lars Hofmann, Landtagswahlkandidat der Linken Konstanz (Bild: © Tobias Braun)

Anlässlich des Überfalls der USA auf Venezuela und der Entführung von Nicolás Maduro äußert sich „Die Linke Konstanz“ zu dem Völkerrechtsbruch. Die Partei kritisiert zudem die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland scharf – auch angesichts der schwindenden Bereitschaft zu Diplomatie und politischer Deeskalation.

Hier die aktuelle Pressemitteilung der Linkspartei Konstanz:

Nach dem jüngsten militärischen Angriff der USA auf Venezuela und der stillschweigenden Tolerierung dieses völkerrechtswidrigen Vorgehens durch den Bundeskanzler warnt der Kreisverband Konstanz der Partei „Die Linke“ vor einer gefährlichen sicherheitspolitischen Entwicklung. Die Bundesregierung verliere zunehmend jede glaubwürdige Bindung an internationales Recht – und fordere zugleich von jungen Menschen die Bereitschaft, im Ernstfall mit der Waffe zu dienen.

Der Kreisverband kritisiert in diesem Zusammenhang die Pläne zur Wiedereinführung der Wehrpflicht scharf. Die Regierung setze auf Aufrüstung und Zwangsdienste, statt auf Diplomatie, Abrüstung und eine Stärkung des Völkerrechts.

„Mit jedem Tag kommen die Kriege näher, so scheint es“, sagt Lars Hofmann, Sprecher der Linken im Kreisverband Konstanz. „Der Militarismus war nie ganz verschwunden, aber die Massivität, mit der er zurückkehrt, ist erschreckend. Der beispiellosen Aufrüstung und den Kriegskrediten wird ebenso wenig widersprochen wie der Wiedereinführung der Wehrpflicht.“

Hofmann sieht darin einen grundlegenden Kurswechsel in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik. Internationale Kooperation und gemeinsame Friedensperspektiven würden zunehmend durch Abschreckung und Machtlogik ersetzt. „Nicht mehr geteilte Ordnungen und Diplomatie bestimmen die Politik, sondern das Recht des Stärkeren und die gegenseitige Bedrohung bis hin zur totalen Vernichtung“, so Hofmann.

Besonders kritisch äußert sich die Partei zur Rolle des internationalen Rechts. Spätestens seit dem Krieg in Gaza sei deutlich geworden, dass völkerrechtliche Regeln faktisch außer Kraft gesetzt würden. „Das Versagen liegt nicht bei den Institutionen selbst, sondern bei den Staaten, die Recht bewusst ignorieren“, erklärt Hofmann. „Von Baerbock über Wadephul bis Merz – sie alle tragen dazu bei, dass die internationale Rechtsordnung weiter erodiert.“

Die geplante Wehrpflicht sieht der Kreisverband im Kontext eines allgemeinen Rechtsrucks und einer zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft. „Junge Menschen sollen wieder zum Töten ausgebildet werden“, sagt Hofmann. „In einem Land, das lange sicher war, bereits genug Leid über die Welt gebracht zu haben.“

Die Bundesregierung begründet die Pläne mit der sicherheitspolitischen Lage und der Abschreckung gegenüber Russland. Diese Argumentation weist Die Linke zurück. „Frieden durch Hochrüstung, Sicherheit durch Drohung – das ist eine Spirale der Angst“, so Hofmann. „Wer diese Logik hinterfragt, wird schnell diskreditiert. Doch aus Angst entsteht keine sichere Zukunft.“

Auch die finanziellen Folgen sieht die Partei kritisch. Der geplante Aufwuchs der Bundeswehr gehe zulasten sozialer Aufgaben. „Die Kosten zahlen wir alle: durch Kürzungen im Sozialen, marode Infrastruktur und kaputte Brücken“, sagt Hofmann. „Und trotzdem wird uns erzählt, das mache uns sicherer.“

Die verpflichtende Musterung sei aus Sicht der Linken nur der erste Schritt in einen militärischen Zwangsdienst. „Der Staat sollte junge Menschen fördern, nicht ihre Lebensentwürfe zerstören“, betont Hofmann. Gleichwohl seien es die Jahre der Jugend, die verschwendet werden sollen, ihre Geister, die im Sinne des Kadavergehorsams gebrochen werden sollen, ihre Leiber, die auf den Schlachtfeldern bluten sollen.

Abschließend kehrt der Kreisverband Konstanz zum aktuellen Anlass zurück: dem militärischen Vorgehen der USA gegen Venezuela und der Reaktion der Bundesregierung. „Wer Bombardierungen fremder Länder toleriert und Völkerrechtsbruch politisch deckt, kann nicht glaubwürdig behaupten, Wehrpflicht diene dem Frieden“, erklärt Hofmann. „Gerade jetzt brauchen wir mehr Diplomatie, Deeskalation und Abrüstung. Die Lehren aus der deutschen Geschichte verpflichten uns dazu. Nein – am deutschen Wesen darf die Welt nie wieder genesen.“

2 Kommentare

  1. Helmut Reinhardt

    // am:

    @Lothar Hussong vom 20. Januar 2026
    Orientierungsschwierigkeiten in der gegenwärtigen Weltunordnung haben vermutlich alle ernstzunehmenden europäischen Parteien und ihre Vertreter und wir sollten die folgenden Einsichten erstmal sacken lassen und in Ruhe diskutieren:

    «Auch wenn Russland seinen brutalen Angriffskrieg nicht gewinnt, dürfte am Ende eine neue Weltordnung stehen“, diese ernüchternde Prognose stellte Albrecht Koschorke, Literaturwissenschaftler an der Uni Konstanz, in der „Zeit“ bereits 2023.
    https://www.zeit.de/2023/10/weltordnung-westen-krieg-ukraine

    Nun hat eben dies der kanadische Premierminister und ehemalige Zentralbankchef Mark Carney, ein Politiker der Liberalen Partei, in Davos mit einer für einen westlichen Politiker überraschenden Deutlichkeit und Klarheit festgestellt „Wir befinden uns in einem Bruch, nicht im Übergang“ der Weltordnung – «..Wir wussten, dass die Erzählung von der internationalen regelbasierten Ordnung teilweise falsch war – dass die Stärksten sich bei Bedarf ausnahmen, dass Handelsregeln asymmetrisch durchgesetzt wurden. Und wir wussten, dass das Völkerrecht je nach Identität des Beschuldigten oder des Opfers mit unterschiedlicher Strenge angewandt wurde.
    Diese Fiktion war nützlich, und die amerikanische Hegemonie insbesondere trug zur Bereitstellung öffentlicher Güter bei: offene Seewege, ein stabiles Finanzsystem, kollektive Sicherheit und Unterstützung für Rahmen zur Streitbeilegung.
    Also stellten wir das Schild ins Fenster. Wir nahmen an den Ritualen teil und vermieden es weitgehend, die Lücken zwischen Rhetorik und Realität zu benennen. Dieser Handel funktioniert nicht mehr. Ich will es klar sagen. Wir befinden uns mitten in einem Bruch, nicht in einem Übergang.
    In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben eine Reihe von Krisen in Finanzwesen, Gesundheit, Energie und Geopolitik die Risiken extremer globaler Integration offengelegt. Doch in jüngerer Zeit haben Großmächte begonnen, wirtschaftliche Verflechtung als Waffe einzusetzen, Zölle als Hebel, Finanzinfrastruktur als Zwangsmittel, Lieferketten als auszunutzende Verwundbarkeiten. Man kann nicht in der Lüge des gegenseitigen Nutzens durch Integration leben, wenn die Integration zur Quelle der eigenen Unterordnung wird..»
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wef-2026-in-davos-rede-von-kanadas-premierminister-mark-carney-im-wortlaut-200460807.html

  2. Lothar Hussong

    // am:

    Völkerrechtsbrüche sind nicht tolerabel, das ist zutreffend. Weder Trump noch Putin dürfen sie sich erlauben, und sie sind in jedem Fall zu verurteilen. Es fällt bei der Erklärung der Linken auf, dass sie – zu Recht – das Völkerrecht gegen die Intervention der USA in Venezuela und die Entführung des immerhin unrechtmäßigen Präsidenten Maduro erwähnt, nicht aber auf den Völkerrechtsbruch Putins verweist.

    Die Grundhaltung der Linken bedeutet im Kern: wer mit Milde auf Trumps Völkerrechtsbruch reagiert, darf auch keine militärische Unterstützung der Ukraine gegen Putin vertreten. Die Partei kritisiert paradoxer Weise indirekt das ausschließlich diplomatische Vorgehen gegen Trump, das sie im Falle Putins allerdings als das allein zulässige vertritt. In diesem Zusammenhang sei eine Allgemeine Wehrpflicht der Bundeswehr das falsche Signal, als Widerspruch zur Diplomatie dem Frieden abträglich und folglich abzulehnen.
    Stattdessen solle man, wie gerade noch gegenüber Trump als zu milde kritisiert, auch bei Putin den Fokus auf Deeskalation und Verhandlungen setzen.

    Es fällt dabei auf, dass zwar das Vorgehen der USA in Venezuela zutreffend als Völkerrechtsbruch bezeichnet wird, nicht aber der völkerrechtswidrige Überfall Russlands auf die Ukraine. Das entspricht einer bekannten Haltung der Linken, die sie mit dem BSW und der AfD teilt. Hintergrund: Es wird von der Linken immer wieder Verständnis für Putin geäußert, er sei von der Nato quasi gezwungen worden, der Überfall habe eine Vorgeschichte, die man verstehen müsse und so weiter. Selbst wenn man der Argumentation der Linken folgt und der Westen sich nicht immer korrekt und friedlich gebärdet haben mag, muss man klar aussprechen, dass der Überfall auf die Ukraine ein gewaltiges Verbrechen ist, das durch rein gar nichts zu rechtfertigen ist. Punkt.

    Die Linke hält auch nach unzähligen gescheiterten Anläufen und Friedensplänen, mit Putin zu einer Verhandlungslösung zu kommen, noch immer an dem alleinigen Mittel der Diplomatie unter Ausschluss militärischer Unterstützung fest, ohne selbst je einen tragfähigen Plan, der nicht schon versucht worden wäre, vorzulegen. Da Diplomatie und Verhandlungen nach deren Einschätzung die einzigen Mittel der Wahl seien, so sei auch eine Wehrpflicht der Bundeswehr schädlich und kontraproduktiv, so die Linke.

    Sie verkennt dabei immer wieder, dass alle Verhandlungsversuche mit Putin gescheitert sind, der Krieg nicht gestoppt wurde. Militärische Stärke und Waffenlieferungen habe das Morden nicht verhindert, sondern weiter genährt – dies kann man als Gegenargument mit einiger Logik anführen. Aber ohne militärischen Widerstand gäbe es nichts mehr zu verhandeln, die Ukraine existierte nicht mehr, Demokratie und Freiheit wären mausetot, der Rest Europas könnte sich nicht sicher sein, nicht als nächstes von Putin überfallen zu werden. Nicht zu vergessen die Flüchtlingswelle nach Deutschland und Europa aus der dann von Russland annektierten Ukraine. Es ist allein dem militärischen Widerstand der Ukraine zu verdanken, dass dies noch nicht eingetreten ist und Diplomatie überhaupt als Option diskutiert werden kann. Das ist die bittere und unbequeme Wahrheit, die die Linke noch immer nicht sehen will.

    Europa konnte mit Diplomatie und militärischer Abschreckung im Kalten Krieg einigermaßen unbehelligt in einem latenten friedensähnlichen Zustand existieren. Beide Seiten haben sich „benommen“, aber militärische Aufrüstung, egal auf welcher Seite, führte in der Tat jedes Mal zu neuen Spannungen. Vielleicht erinnert sich mancher Zeitgenosse noch an die geplante Stationierung von SS-20- und Pershing II- Mittelstreckenraketen diesseits und jenseits des „Eisernen Vorhangs“. Entmilitarisierung, Abrüstung, Diplomatie und gegenseitiges Vertrauen, vor allem Michael Gorbatschow zum Dank, führte schließlich zum Fall der Mauer und zu einer Periode des Friedens. Aufrüstung und Drohgebärden hatten in der Tat für eine Weile ausgedient. Doch dann kam Putin, kein zweiter Gorbatschow…

    Der Kalte Krieg taugt davon abgesehen nicht als Modell: damals galt es vor allem durch besonnene Diplomatie die militärische Abschreckung abzubauen und einen Krieg nicht zum Ausbruch kommen zu lassen. Die heutige Situation ist gekennzeichnet durch ein ganz anderes Szenario: der Krieg ist mit dem Überfall auf die Ukraine bereits ausgebrochen, er ist nicht kalt, sondern heiß. Es gilt ihn zu beenden, nachdem es für Diplomatie allein zu spät ist und er nicht, wie im Kalten Krieg, verhindert werden konnte. Die Diplomatie als alleinige Strategie ist bisher an dieser Aufgabe gescheitert. Es gibt derzeit offensichtlich kein anderes Mittel als den militärischen Widerstand, um diese Option überhaupt aufrecht halten zu können.

    Vor dem Kalten Krieg – 1939 bis 1945 – hatten wir eine ähnliche Situation: Deutschland hatte halb Europa überfallen. Wären nicht die Allierten in den zweiten Weltkrieg eingetreten und hätten sie nicht den Nationalsozialismus mit Gewalt beendet, sähe Europa ganz anders aus. Wir alle wären in einer fürchterlichen Zeit der Zwangsherrschaft und Unfreiheit aufgewachsen. Das sollte gerade Deutschland nicht vergessen.

    Zum Glück bedeutet „Wehrpflicht“ in unserer Demokratie nicht „Zwang“, wie das die Linke als Schreckgespenst, wie sinngemäß auch die bevorstehende „Pflicht zum Töten“ an die Wand malt. Auch im Kalten Krieg gab es eine Wehrpflicht, aber auch ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen, sogar in der ehemaligen DDR. Daran sei erinnert.

    Inzwischen steht ein weiteres Verbrechen Trumps gegen das Völkerrecht im Raum: Grönland. Da die Linke generell gegen militärische Drohgebärden und den Einsatz von Waffen eintritt, dürfen wir auf deren konstruktive Verhandlungsvorschläge gegenüber den USA gespannt sein, sowohl was Venezuela als auch Grönland betrifft. Auf nichtmilitärische diplomatische Konzepte der Linke gegenüber Putin, die nicht einer Kapitulation der Ukraine gleichkommen, müssen wir leider noch immer warten.

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