
Ein neues Papier des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz zeigt: AfD-Wähler:innen unterscheiden sich hinsichtlich Autoritarismus, Antisemitismus und wirtschaftlicher Krisenwahrnehmung. Studien-Autorin Céline Teney identifiziert aber die Ablehnung von Migration als gemeinsamen Nenner dieser Wählerschaft.
In einer aktuellen gemeinsamen Pressemitteilung der Freien Universität Berlin und der Universität Konstanz heißt es, die Wählerschaft der AfD komme weder aus einem geschlossenen radikal rechten Milieu, noch bilde sie eine einheitliche Protestwählerschaft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Céline Teney, Professorin für Soziologie an der Freien Universität Berlin und assoziierte Wissenschaftlerin am Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz.
Demnach lassen sich innerhalb des AfD-Elektorats drei Profile unterscheiden: „konservative Hardliner“, „radikal-rechte Autoritäre“ und „moderate Konservative“. Die Gruppen teilen eine restriktive Haltung zu Migration, unterscheiden sich jedoch deutlich darin, wie stark diese mit autoritären und antisemitischen Einstellungen verbunden ist. Darüber hinaus zeigen sich Unterschiede in der Bewertung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Die Ergebnisse sind auch unter dem Titel: „Von kultureller Restriktion und autoritärer Radikalität: Eine typologische Analyse der AfD-Wählerschaft“ in der Policy-Paper-Reihe des Exzellenzclusters erschienen.
AfD-Wähler:innen können drei Profile zugeordnet werden
Die Untersuchung Teneys zeigt, dass die AfD-Wählerschaft weder aus einem geschlossenen Milieu kommt noch in klar voneinander abgegrenzte Gruppen zerfällt. Stattdessen lassen sich drei Profile benennen, die sich vor allem darin unterscheiden, wie stark migrationspolitische Ablehnung mit autoritären und antisemitischen Einstellungen verbunden ist. Die größte Gruppe bilden demnach die „konservativen Hardliner“, die rund zwei Drittel der AfD-Wählerschaft ausmachen. Ihr Profil ist durch eine ausgeprägte Ablehnung von Zuwanderung und starke Anpassungsforderungen an Minderheiten geprägt.
Knapp ein Fünftel der Wählerinnen und Wähler gehört zu den „radikal-rechten Autoritären“. In dieser Gruppe sind autoritäre Führungspräferenzen und antisemitische Einstellungen besonders stark ausgeprägt. Die kleinste Gruppe bilden die „moderaten Konservativen“. Bei diesen fallen wirtschafts- und außenpolitische Motive vergleichsweise stärker ins Gewicht, sie stimmen autoritären Führungsmodellen am wenigsten zu.
„Hinter der Unterstützung der AfD verbergen sich unterschiedliche politische Orientierungsmuster. Das spricht dafür, die Wählerschaft der Partei nicht als einheitliche Gruppe zu betrachten“, erklärt Céline Teney. Die Studie basiert auf Daten der German Longitudinal Election Study (GLES) zur Bundestagswahl 2025, die Angaben von insgesamt 6414 Wähler:innen umfasst, darunter 858 Personen, die angaben, die AfD gewählt zu haben.
Mithilfe einer „Latent Profile Analysis“ – einer statistischen Methode zur Identifikation von Gruppen mit ähnlichen politischen Einstellungsmustern – wurden im nächsten Schritt die wichtigsten Gruppen innerhalb der AfD-Wählerschaft identifiziert. Zur Abgrenzung berücksichtigt wurden unter anderem Einstellungen zu Zuwanderung, Anpassung von Minderheiten, autoritärer Führung, Antisemitismus, zum Sozialstaat sowie dem Verhältnis von Wirtschaftswachstum und Klimaschutz.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass innerhalb der AfD-Wählerschaft weniger die eigene materielle Situation als vielmehr die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands politisch relevant ist. Bei den „radikal-rechten Autoritären“ ist ein pessimistischer Blick darauf besonders ausgeprägt. Die Ergebnisse legen nahe, dass Vorstellungen eines gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Niedergangs innerhalb der AfD-Wählerschaft unterschiedlich stark verbreitet sind.
Der Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz erforscht aus interdisziplinärer Perspektive die politischen Ursachen und Folgen von Ungleichheit. Die Forschung widmet sich einigen der drängendsten Themen unserer Zeit: Zugang zu und Verteilung von (ökonomischen) Ressourcen, der weltweite Aufstieg von Populist:innen, Klimawandel und ungerecht verteilte Bildungschancen.

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