
Am Samstagnachmittag blieb die Popcorn-Theke im Konstanzer CineStar zu. Nur eine Notbesatzung hielt den Kinobetrieb aufrecht, denn die meisten Beschäftigten beteiligten sich an einem Warnstreik für höhere Löhne.
Ende letzten Jahres lief der Tarifvertrag für die rund 2.500 Angestellten der beiden Kinoketten United Cinemas International (UCI) und CineStar aus. Mit UCI konnte ver.di sich nach mehreren Verhandlungsrunden Anfang März auf ein Tarifergebnis einigen, nicht aber mit CineStar. Nachdem die Gewerkschaft bereits am Valentinstag zum Streik aufgerufen hatte, kommt es dieser Tage zu einer zweiten Streikwelle in den CineStar-Kinos. So am Samstag in Konstanz.
Ver.di-Verhandlungsführer Andreas Köhn verweist auf ein erfolgreiches Kinojahr 2025 und gute Geschäftsaussichten auch in 2026. Da müsste doch auch für das Personal mehr drin sein. Für CineStar indes liegen die Forderungen der Gewerkschaft, allen voran nach einem Einstiegslohn von 16 Euro pro Stunde, „deutlich außerhalb der wirtschaftlichen Tragfähigkeit“.
Tatsächlich leidet die Kinobranche unter einem stetigen Zuschauerschwund. Während im letzten Jahr in Deutschland etwa 92 Millionen Kinobesuche gezählt wurden, waren es um die Jahrtausendwende noch doppelt so viele. Streamingdienste haben das Konsumverhalten verändert, und viele Filme können nun schon bald nach ihrer Premiere auf großer Leinwand auch daheim vom Sofa aus angeschaut werden, wann immer es gerade passt.
Ringen um auskömmlichen Lohn
Dessen ungeachtet hat das Personal, das uns die Kinoerlebnisse beschert, Anspruch auf angemessene Entlohnung. Der ausgelaufene Tarifvertrag von 2024 sah zuletzt Stundenlöhne von 13 Euro für Einsteiger:innen bis 16,30 Euro für langjährig beschäftigte Teamleiter:innen vor, dazu ein Weihnachtsgeld von 500 Euro. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn lag 2025 bei 12,82 Euro, in diesem Jahr sind es 13,90 Euro.
Von CineStar fordert ver.di nun einen kräftigen Lohnzuschlag. Vom Einstiegsstundenlohn in Höhe von 16 Euro soll sich die Gehaltsskala für langjährig Beschäftigte bis auf rund 21 Euro steigern. Ein:e Vollzeitbeschäftigte:r würde damit statt monatlich 2300 bis 2850 Euro künftig 2850 bis 3700 Euro verdienen.
Nun gibt es allerdings in den Kinobetrieben kaum Vollzeitbeschäftigte. In Konstanz ist es keine Handvoll. Die meiste Arbeit wird von Minijober:innen und studentischen Teilzeitkräften gestemmt. Die leben nicht allein von der Kinoarbeit und bleiben nicht lang im Betrieb. Das erleichtert die Lohndrückerei und macht es umso schwerer und bewundernswerter, mit so einem zusammengewürfelten Haufen einen Streik zu organisieren.
Auf der andere Seite konkurriert gerade das Konstanzer CineStar mit den Jobangeboten aus Gastronomie und Einzelhandel. Unter 15 Euro Stundenlohn läuft da nichts; wer Referenzen und Erfahrung vorweisen kann, verdient auch mehr. So erstritten die Beschäftigten des CineStar Konstanz in der Vergangenheit, damals dank hohem Organisationsgrad, auch schon mal einen Haustarif, mit dem sie deutlich besser bezahlt wurden als ihre Kolleg:innen andernorts.
Davon kann diesmal keine Rede sein. Man darf froh genug sein, dass es überhaupt zum Streik gekommen ist. Seemoz wünscht den Kinokolleg:innen viel Erfolg im Ringen um eine lebensauskömmliche Entlohnung.


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