
Das Theater Konstanz ist mal wieder auf Tour quer durch die Klassenzimmer. Vor Schulneulingen zeigt Schauspieler Julius Engelbach, dass sich Zappeln und Unterricht nicht unbedingt ausschließen müssen und begeistert im Klassenzimmerstück „Ausrasten“ sein junges Publikum mit lauten und mit leisen Tönen.
Das Konstanzer Theater ist weit mehr als eine Kulturinstitution. Es hat Raum für Begegnungen, schafft Resonanzräume, die Feedback geben und weiterdenken lassen. Und dies speziell auch durch die Angebote und die Kinder- und Jugendarbeit des Jungen Theater Konstanz (JTK). Das JTK führt junge Menschen zusammen und gibt ihnen Räume – physisch und metaphorisch. Mit Reihen und Werkstätten entsteht so Platz für eigene Ideen, Konzerte und junge Kunst.
Dazu werden Kinder und Jugendliche ermutigt, sich aktiv und kreativ an der Gestaltung der eigenen Umwelt zu beteiligen. Sie können sich in den verschiedenen Clubs ausprobieren, sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen, eine eigene Haltung entwickeln, um schließlich selbst in der Welt aktiv zu werden.
Außerdem gibt es Kooperationen mit Kindergärten über Schulen bis hin zu Hochschulen, und natürlich bietet das JTK professionelles Theater für sein junges Publikum. Auch mit mobilen Produktionen, die in Schulklassen des gesamten Landkreises gezeigt werden.
Doppelt ausrasten
In der aktuellen Spielzeit feierte „Ausrasten“ für Kinder ab sechs Jahre in der Werkstatt Premiere und ist nun unterwegs in den Klassenzimmern der Kleinen. Entstanden ist das Stück nach einer Idee von Dana Csapo und Sabine Maringer am Klassenzimmertheater Wien, wo die Doppelbedeutung des Ausrastens besonders zündet: Ausrasten als Ausflippen einerseits und Ausrasten als Ausruhen andererseits. Regisseurin Lilian Prent hat gemeinsam mit Romana Lautner, Dramaturgin und Leiterin des Jungen Theaters, die Konstanzer Fassung geschrieben.
Anton Zapp (Julius Engelbach) ist der Neue in der Klasse, nicht als Schüler, sondern als Lehrer, und entsprechend aufgeregt ist er natürlich an seinem ersten Schultag. Schließlich macht sein Körper – vor allem sein Finger – manchmal, was er will. Und er selbst muss dann hinterher. Mit all seinen Emotionen und mit all den Wundern, von denen er erzählt. Und ob er nun ausrastet oder ein wenig rastet – immer nimmt er sein Publikum auf sein Gefühlskarussell mit.
Das funktioniert auf der Werkstattbühne und noch viel besser im Klassenzimmer, denn hier ist Julius Engelbach nicht nur ganz nah dran, sondern mitten drin. „Ausrasten“ ist ein Stück, das vom Mitmachen lebt. Bei der Montessori-Klasse in der Konstanzer Stephansschule ist das Konzept auf jeden Fall aufgegangen. Nicht zuletzt dank der großartigen Körpersprache und der überzeugenden Mimik von Julius Engelbach!
Wunderfitzig von Eisenach bis Pforzheim
Das Klassenzimmerstück „Ausrasten“ ist ein herrlicher Spaß, eine nicht alltägliche Schulstunde. Mal verträumt, mal verrückt, mal wild und manchmal ganz ruhig lockt diese Stunde alle von ihren Plätzen. Beim Ausrasten und beim Wunder sammeln, denn Wunder kommt von Wundern. Und alle Kinder sind sowas von wunderfitzig!
Wunderfitizg scheint auch Lilian Prent zu sein, neugierig auf Neues und Wundervolles. Von der Spielzeit 2023/24 bis zur Spielzeit 2024/25 war sie fest als Schauspielerin am Konstanzer Ensemble engagiert, nun ist sie als Regisseurin tätig und zwar nicht nur bei „Ausrasten“ am Theater Konstanz. Regie führte und führt sie auch bei „Alle außer das Einhorn“ am Staatstheater Meiningen, „Pro An(n)a“ am Landestheater Eisenach sowie „Aali vom Kanali“ am Theater Pforzheim – allesamt Kinder- und Jugendstücke. „Ganz besondere Herausforderungen“, sind doch gerade die Jungen ein sehr anspruchsvolles Publikum, wie sie erzählt. Besonders viel Spaß hat es ihr bereitet, zusammen mit Julius Engelbach die Figur des Anton Zapp auszuarbeiten.
In der letzten Spielzeit hat Lilian Prent selbst mit dem Stück „Goldzombies“ (ab 12) als Spielerin die ganze Region bereist und die spezifische Spielsituation im Klassenzimmer kennen gelernt. Dabei hat man ihr die Lissi und ihren zähen Überlebenswillen jederzeit abgenommen. Davor tourte Julian Mantaj mit „lauwarm“ (ab 14) durch die Schulen und überzeugte auch immer wieder ein erwachsenes Publikum in der Werkstatt oder in der Spiegelhalle.
Kurze Wege
Was das Besondere an den Klassenzimmerstücken ist, erklärt Romana Lautner, die Leiterin des JTK: „Es ist pures Schauspiel. Dafür hautnah! Ohne Scheinwerfer, ohne Maske, ohne Effekte.“ Dass nun ein Stück für die erste und zweite Klasse Grundschule angeboten wird, „hat den Hintergrund, dass uns Schulen aus der Region rückgemeldet haben, dass sie sich mit den ersten und zweiten Klassen oft nicht trauen, den (weiten) Weg mit Bus und Bahn anzutreten, um zu uns ins Theater zu kommen. Dann haben wir uns gedacht, gut, dann kommen wir eben zu ihnen!“
Die Nachfrage von den Schulen ist entsprechend hoch. Falls Lehrpersonen das Stück noch an ihre Schule einladen möchten, werden sie vorgemerkt und kontaktiert, wenn es Terminvorschläge gibt. Ansprechpartnerin ist die Referentin für Schule und Gruppen Katrin Buch (katrin.buch@konstanz.de). Anmelden kann man sich direkt unter diesem Link: Buchungen für Gruppen und Schulen
Und mit viel Glück gibt es hoffentlich auch noch den ein oder anderen Spieltermin für „Ausrasten“ auf der Konstanzer Werkstattbühne. Dies ist dann über den Leporello oder die Homepage des Theaters zu erfahren.
Durch das JTK setzt das Konstanzer Theater einen Schwerpunkt in der Vermittlung von Bildung und in der Jugendarbeit. Und positioniert sich mit seiner Arbeit mitten in der Gesellschaft, weit weg von irgendwelchen Elfenbeintürmen, die Kulturschaffenden so gerne unterstellt werden.
Foto: Milena Schilling

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