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Sport für alle – Stadt muss Inklusionsprojekt weiter fördern

Von Ralph-Raymond Braun
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Sport verbindet – unabhängig von Alter, Herkunft oder körperlichen Voraussetzungen. Genau diesen Gedanken lebt der AktivGarten der Handballspielgemeinschaft (HSG) Konstanz. Das inklusive Bewegungsangebot ermöglicht Kindern mit und ohne Beeinträchtigung, gemeinsam zu spielen, sich zu bewegen und voneinander zu lernen. Trotzdem wollte die Stadtverwaltung die Förderung auslaufen lassen.

Der AktivGarten richtet sich an Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren. Im Jahr 2023 begann die Inklusion zunächst in den „Pinguingruppen“ (Minihandball, 6–7 Jahre). Im Zuge der Projekterweiterung kamen 2024 der „HandballSportGarten“ (Kinder 3–5 Jahre) sowie die „Seelöwen“ (ganzheitliches Training, nicht handballspezifisch, Kinder 8–13 Jahre) hinzu.

Im Mittelpunkt stehen nicht Leistung oder Wettkampf, sondern Freude an der Bewegung, motorische Entwicklung und das gemeinsame Erleben. Kinder mit Förderbedarf nehmen dabei selbstverständlich an den regulären Gruppenangeboten teil und werden – je nach individuellem Bedarf – von qualifizierten Inklusionsfachkräften begleitet. Ziel ist eine vollständige Integration statt einer Trennung in spezielle Gruppen.

Rücksichtnahme, Empathie und Teamgeist

Gleichzeitig leben auch alle anderen Kinder hier frühzeitig Vielfalt. Gemeinsames Spielen und Sporttreiben fördern nicht nur Koordination und Beweglichkeit, sondern auch soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme, Empathie und Teamgeist. Erfahrungen der HSG zeigen zudem, dass viele Kinder mit Förderbedarf deutliche Fortschritte in ihrer motorischen, sozialen und emotionalen Entwicklung machen.

Der AktivGarten schließt eine Versorgungslücke im Freizeit- und Vereinssport. Für viele Familien wäre eine Teilnahme ihrer Kinder am regulären Sportbetrieb ohne die individuelle Begleitung kaum möglich. Entsprechend groß ist die Nachfrage, die inzwischen die vorhandenen Kapazitäten übersteigt. Derzeit können nur rund dreißig Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf das Angebot nutzen.

In den drei Gruppen sind jeweils zwei Inklusionsfachkräfte tätig, alle zusammengerechnet im Umfang von 21 Wochenstunden. Finanziert wurde das Projekt seit Sommer 2024 mit zweimal 26.600 Euro aus dem städtischen Haushalt – schon damals setzte sich der Gemeinderat über die ablehnende Haltung der Stadtverwaltung hinweg. Dazu kam zuletzt ein einmaliger Zustupf aus der Cerlowa-Stiftung. Beide Förderungen für den AktivGarten sind dieser Tage ausgelaufen. Weiterhin erhält die HSG natürlich die für alle Konstanzer Sportvereine übliche Grundförderung, etwa die kostenfreie Nutzung der Sporthalle und den Übungsleiterzuschuss.

Cerlowa-Stiftung

Der lange in Konstanz lebende und hier 1974 auch verstorbene Hotelier Carl Oscar Walser vermachte der Stadt über die von ihm errichtete Cerlowa-Stiftung eine Million Euro. In den Genuss der zunächst in einer liechtensteinischen Stiftung eingefrorenen Schenkung kam die Stadt erst 2017. Die Mittel sollten nach dem Willen des Gemeinderats in Abstimmung mit dem Behindertenbeauftragten Stephan Grumbt über die folgenden zehn Jahre verteilt für die Verbesserung der Inklusion in Konstanz eingesetzt werden.

Dabei ging die Stadt allerdings recht zögerlich vor. Nach dem ursprünglichen Beschluss müsste der Topf Ende 2026 geleert sein. Tatsächlich wurde, Stand Juli, bisher nur gut die Hälfte des Vermächtnisses für Inklusionsmaßnahmen ausgegeben – 450.000 Euro sind noch im Stadtsäckel gebunkert.

Aber kosten darf es nichts!

Öffentlich erfährt das Projekt große Anerkennung. Der Landkreis Konstanz zeichnete den AktivGarten als vorbildliches Inklusionsprojekt aus, zudem erhielt das Projekt Unterstützung durch den Rotary Club Konstanz-Mainau. Wie schon 2024 lehnte indes die Stadtverwaltung auch diesmal eine Förderung des AktivGartens aus dem Stadtsäckel ab. Inklusion sei kein Projekt, sondern eine Haltung, argumentiert die Beschlussvorlage – als könne etwa guter Wille allein einen Rollstuhl über Treppen hieven. Zu Recht betonte Stadträtin Swetlana Wiedenbeck vom Jungen Forum (JFK) in der Diskussion, Inklusion brauche auch Ressourcen – und die kosten halt Geld. Doch davon will die Verwaltung nichts wissen. Inklusion „ist ein struktureller Auftrag an alle Vereine und nicht die Grundlage einer Einzelförderung für einen Verein“, schiebt das Papier die Kostenkarte an die Sportvereine weiter.

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Wenn dir ein Projektantrag nicht gefällt, überhöhe das Vorhaben zu einem generellen Problem und verweise es sodann in einen Arbeitskreis: Nach diesen bewährten Rezept der Verwaltungspraxis argumentiert die Stadtverwaltung weiter: Inklusion sei „eine gesamtstädtische Querschnittsaufgabe, die einer koordinierten, ressortübergreifenden Strategie bedarf“. Dabei sei das Sozial- und Jugendamt federführend, und dort befasse sich bereits eine Arbeitsgruppe „Inklusion in der Jugendhilfe“ mit dem Thema.

Die Verwaltung fühlt sich belastet und irritiert

Wie schon bei der Vorberatung des Förderantrags im Sozialausschuss beklagte die Stadtspitze zudem gegenüber den Stadträt:innen ein weiteres Mal den öffentlichen Druck in Gestalt von E-Mails und Anfragen besonders von HSG-Eltern. Dies habe das Fachamt stark belastet!

Der Druck hätte noch größer ausfallen können, wenn die zu Sitzungsbeginn zahlreich mit ihren Kindern und Fähnchen in den gelb-blauen Vereinsfarben der HSG erschienen Eltern allesamt die Geduld besessen hätten, die in der Tagesordnung ihrem Thema vorgeschaltete und zwei Stunden währende Diskussion zum Bürgerentscheid auszusitzen. Indes hielten nur wenige so lange durch.

Totschlagargument der Verwaltung gegen eine weitere Förderung des AktivGartens: Wir haben kein Geld! „Eine weitere Förderung des AktivGarten würde außerplanmäßige Mittel erfordern, welche nicht aus Deckungsmitteln des Amtes für Bildung und Sport erfolgen können. Sollte der Gemeinderat eine weitere Förderung beschließen wollen, wären hierfür zusätzliche, gesondert bereitzustellende Haushaltsmittel erforderlich, über die der Gemeinderat explizit zu befinden hätte.“

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Würde man die Förderung des AktivGartens aus seinem Etat finanzieren, beklagte Sportamtschef Frank Schädler, müsste er an anderer Stelle nicht nur wie bisher vom Gemeinderat verlangt 200.000 Euro, sondern sogar 220.000 Euro einsparen. Ein von der SPD gewünschtes Konzept zur Inklusionsförderung in allen Sportvereinen sei zudem ohne zusätzliches Personal unmöglich zu erarbeiten. Es müsse die Verwaltung doch gemäß den gemeinderätlichen Sparauflagen in den nächsten Jahren 75 Personalstellen streichen!

Gemeinderat bleibt fair und besonnen

Die Mehrheit der Stadträt:innen mochte der Verwaltung nicht folgen. Gerade habe man einen Bürgerentscheid für 600.000 Euro beschlossen. Da sei es beschämend, 20.000 Euro für die Inklusion von 30 Kindern zu verweigern, monierte SPD-Stadträtin Zahide Sarikas. Mit 21 Ja-Stimmen gegen 15 Nein-Stimmen (vorwiegend aus dem bürgerlichen Lager) beschloss der Rat, von 2027 bis 2029 das Inklusionsprojekt AktivGarten mit jährlich 20.000 Euro zu fördern. Weitere 6.200 Euro wurden dem Verein für die Inklusionsarbeit im Rest des laufenden Jahrs 2026 zugesprochen. Festhalten mochte der Rat zudem daran, der Verwaltung ein Inklusionskonzept für den Vereinssport abzuverlangen.

Der AktivGarten zeigt eindrucksvoll, welche gesellschaftliche Kraft Sport entfalten kann. Wo Kinder gemeinsam spielen, lernen und Erfolge erleben, entstehen Begegnungen auf Augenhöhe. Das Projekt ist deshalb weit mehr als ein zusätzliches Sportangebot – es ist ein gelebtes Bekenntnis zu Chancengleichheit, Teilhabe und einem respektvollen Miteinander. Der Gemeinderat tat gut daran, den AktivGarten auch weiterhin zu fördern.

Alle Fotos: HandballSportGarten in der Mediathek der HSG Konstanz

2 Kommentare

  1. Pauli heinzelmann

    // am:

    aktivGarten ist ein tolles Inklusionsprojekt der HSG Konstanz, das trotz leerer Kassen weiter gefördert wird. Es fehlt noch an qualifizierten Trainer/innen für gemischte Gruppen – Ansonsten , eine gute Sache!

  2. Christina Herbert-Fischer

    // am:

    Sport ist genau der richtige Ansatzpunkt. Ich konnte immer wieder beobachten, wie bewegungseingeschränkte Kinder im Sportunterricht von Mitschülern an Regelschulen bei Mannschaftssportarten ausgegrenzt werden. Ich habe auch erlebt, wie Lehrer sich alle Mühe gaben, dem entgegen zu wirken und an ihre Grenzen stießen. Ich konnte auch beobachten, dass dies in Inklusionsklassen deutlich besser läuft.

    Gut, dass diese Entscheidung getroffen wurde. Jedem Sportverein, der sich dafür einsetzt und Angebote macht, ist nicht nur zu danken, hier ist die Unterstützung der Stadt finanziell notwendig.

    Ich welcher Stadt wollen wir leben? Da hat der Gemeinderat mal gut entschieden, danke.

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