1-Franken-Bus-Kreuzlingen, 10.12.2023 (c) Pit Wuhrer

Jetzt kommt der Stützlibus: Busfahren für nur 1 Franken

1-Franken-Bus-Kreuzlingen, 10.12.2023 (c) Pit Wuhrer
1-Franken-Bus in Kreuzlingen (c) Pit Wuhrer

„Eine Fahrt, ein Franken“ heißt es ab sofort in Kreuzlingen und Tägerwilen. Alle Busse und Züge des öffentlichen Verkehrs werden dort zu diesem äußerst günstigen Tarif unterwegs sein. Auch Konstanzer:innen können vom Stützlibus profitieren, wie der Volksmund das Projekt nennt. Es soll zum Umsteigen in die „Öffis“ bewegen und läuft zunächst drei Jahre.

„Ein Franken ist eine gute Zahl, die zum Umsteigen animiert“, sagt Baudezernent Ernst Zülle, der in Kreuzlingens Stadtregierung auch das Verkehrsressort leitet. Rund 1,1 Millionen Fahrgäste sind in den Bussen der Tarifzone 256 jährlich unterwegs. Schon bisher war die Einzelfahrt dort für Einheimische mit drei Franken etwas günstiger als in den anderen Zonen des Tarifverbunds Ostwind.

Die neuen Preise sollen nun das Fahrgastaufkommen um 20 Prozent steigern. Während die Einzelfahrscheine (1 Stutz, also 1 Franken), Tagestickets (2 Franken) und Mehrfachtagestickets (10 Franken) von jedem und jeder benutzt werden können, bleiben die günstigen Monats- und Jahreskarten (35 beziehungsweise 320 Franken) den Einwohner:innen von Kreuzlingen und Tägerwilen vorbehalten.

Finanziert auch von den Autofahrer:innen

Finanziert wird das Stützliticket auch von den Automobilist:innen. Die erwarteten Verluste aus dem Busbetrieb, mit 750.000 Franken etwa doppelt so hoch wie bei den alten Fahrpreisen, werden nämlich aus der Parkplatzbewirtschaftung finanziert, also mit den Parkgebühren und Knöllchen.

Hier profitiert Kreuzlingen auch vom Einkaufstourismus nach Konstanz, denn viele Schweizer Lago- und Altstadtshopper:innen parken bereits auf Kreuzlinger Seite. Und kommen, durch das tolle Angebot zum Bummeln verführt, oft später als bezahlt zu ihrem Parkplatz zurück.

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Klare Botschaft: „Umsteigen!“

Das 1-Franken-Ticket ist nur Teil eines Maßnahmenpakets, das den Individualverkehr reduzieren soll. Auch das Radwegenetz soll erweitert werden; Bereiche für Fußgänger:innen will die Gemeindeverwaltung ansprechender gestalten. „Wir können nun mal in Kreuzlingen nicht mehr Straßen bauen“, lässt Zülle aufhorchen. „Somit müssen wir diese möglichst effizient und nachhaltig nutzen.“

Eigentlich hatte der Kreuzlinger Gemeinderat auf Initiative von Thomas Duffner (Die Mitte, vormals CVP) im Sommer 2022 gar gänzlich freie Fahrt in den Stadtbussen gefordert. Dies hätte jedoch den Ausstieg aus dem Tarifverbund sowie unterschiedliche Fahrpreise in Stadtbus, Postbus und Zug bedeutet, weshalb die Stadtregierung stattdessen den Stützlibus forcierte. Besser als nichts, meint Thomas Duffner, er könne mit dem Kompromiss gut leben. Man sei immerhin auf dem richtigen Weg.

Gilt das Stützliticket auch in Konstanz?

Weiterhin gilt: In der Schweiz ausschließlich für die Zone 256 gelöste Billets gelten auch in der VHB-Cityzone Konstanz. Und damit im „Roten Arnold“ und sogar im „Seehas“ bis nach Wollmatingen. Ein Schlaumeier könnte nun versuchen, mit einer Kreuzlinger Mehrfahrtenkarte auch in Konstanz für nur einen Franken Bus zu fahren. Der Haken dabei: Die Kreuzlinger Tickets können in den Automaten der Konstanzer Stadtbusse nicht entwertet werden. Nur die auf der grenzüberschreitende Linie 908 (Zähringerplatz–Landschlacht) eingesetzten Busse haben einen Entwertungsautomaten auch für Schweizer Fahrscheine.

Allerdings entsteht die verrückte Situation, dass Kreuzlinger:innen für eine auch in Konstanz gültige Jahreskarte 320 Franken bezahlen, während Konstanzer:innen dafür 520 Euro blechen müssen. Zudem gelten in Kreuzlingen gekaufte und entwertete Tageskarten auch in Konstanz.

1-Euro-Ticket für Konstanz? Pustekuchen!

In der Schweiz ist das Stützlibus-Projekt bislang einmalig. „Viele Städte und Gemeinden werden in dieser Sache auf Kreuzlingen schauen“, hofft Stadtpräsident Thomas Niederberger. Doch hatte Kreuzlingen vielleicht ein Vorbild jenseits der Grenze: Seit 2017 gibt es das 1-Euro-Ticket für den Stadtbus Radolfzell. Auch in Tuttlingen kostet der Bus nur noch 1 Euro, Singen bietet eine Zehnerkarte für 10 Euro. Finanzielle Einbußen brachte die Preissenkung von zuvor 2,30 Euro den Stadtwerken Radolfzell kaum, denn der Einnahmenrückgang pro Fahrt konnte durch ein Mehr an Fahrgästen nahezu ausgeglichen werden.

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Bushaltestelle Bärenplatz

Ab sofort setzen die Radolfzeller:innen noch eins drauf: Bis zum 6. Januar – rund um die Feiertage also – fährt der Stadtbus jeweils von Donnerstag bis Samstag zum Nulltarif.

Und in Konstanz? Statt direkt dem ÖPNV zugute zu kommen, versickern hier die 3,75  Millionen Euro Einnahmen aus Parkgebühren irgendwo im allgemeinen Stadthaushalt. Für die Verwaltung wie für die Stadtwerke ist das 1-Euro-Ticket kein Thema. Man erwarte davon keinen signifikanten Umstieg von der privaten Pkw-Nutzung auf den öffentlichen Nahverkehr, schreibt die städtische Pressesprecherin Mandy Krüger. Erst kürzlich wurde der Fahrplan der Stadtbusse zusammengestrichen. Dessen ungeachtet werden die Fahrpreise wie gewohnt zum Jahresbeginn 2024 wieder erhöht werden. Einzelheiten wollen die Stadtwerke in den nächsten Tagen bekanntgeben.

Preiserhöhung bei Ostwind

Gute wie schlechte Nachricht kommt vom Tarifverbund Ostwind. Dort greift zum Fahrplanwechsel ab 10. Dezember die erste Preiserhöhung seit 2016. Davon ausgenommen bleibt die 9-Uhr-Tageskarte. Wer ein Halbtax-Abo besitzt, kann damit weiterhin für 20 Franken werktags ab 9 Uhr (am Wochenende auch schon früher) das gesamte, von Erzingen im Westen bis Liechtenstein im Osten reichende Tarifgebiet bereisen.

Text: Ralph-Raymond Braun
Fotos: Pit Wuhrer

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