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Honorarkürzungen auf Kosten psychisch erkrankter Menschen

Aus der Redaktion
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In den letzten Jahren ist der Bedarf an psychotherapeutischen Leistungen in Deutschland deutlich gestiegen. Monatelange Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind keine Seltenheit. Ab April dieses Jahres sollen nun 4,5 Prozent weniger Honorar bezahlt werden. Begründet wird diese Kürzung damit, dass die Honorare für Psychotherapeut:innen in den letzten Jahren überproportional gestiegen seien.

Gleichzeitig werden die sogenannten Strukturzuschläge um 14,25 Prozent angehoben. In der Summe bedeutet das aber für psychotherapeutische Praxen, die die Strukturzuschläge in vollem Umfang erhalten, eine Absenkung der Honorare um circa 2,8 Prozent, wie die Bundespsychotherapeutenkammer vorrechnet.

In einer aktuellen Pressemitteilung schreibt die LINKE Konstanz, dass die gesetzlichen Krankenkassen ausgerechnet auf dem Rücken von Menschen, die psychotherapeutische Hilfe benötigen, sparen wollen. Weiter heißt es:

„Die beschlossene Absenkung der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent stellt einen gravierenden Einschnitt in die Versorgung psychisch erkrankter Menschen in Deutschland dar. Auch Fachverbände kritisieren die Entscheidung des „Erweiterten Bewertungsausschusses“ scharf und warnen vor weitreichenden negativen Folgen.

Trotz eines seit Jahren steigenden Bedarfs an psychotherapeutischer Behandlung wird die Vergütung nun reduziert. Bereits heute ist die Versorgungssituation angespannt: Wartezeiten sind lang und viele Patient:innen erhalten nicht rechtzeitig Hilfe. Vor diesem Hintergrund ist die Honorarkürzung fachlich nicht nachvollziehbar und gesundheitspolitisch kontraproduktiv. Zwar werden parallel sogenannte Strukturzuschläge erhöht, doch selbst unter optimalen Bedingungen führt dies insgesamt zu einer realen Einkommensreduzierung für viele Therapeut:innen. Fachleute gehen von einer effektiven Kürzung um mehrere Prozentpunkte aus.

Wirtschaftlicher Druck steigt

Besonders kritisch ist, dass psychotherapeutische Praxen bereits jetzt im Vergleich zu anderen Fachgruppen deutlich geringere Einnahmen erzielen – bei vergleichbarem Arbeitseinsatz und steigenden Betriebskosten. Die aktuelle Entscheidung verschärft diesen strukturellen Nachteil weiter und erhöht den wirtschaftlichen Druck auf niedergelassene Therapeut:innen und wird das Angebot an Therapieplätzen weiter verknappen und die Versorgungslage langfristig verschlechtern.

Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind vor allem die Patient:innen. Gerade vulnerable Gruppen, die auf kontinuierliche psychotherapeutische Unterstützung angewiesen sind, geraten zunehmend unter Druck. Kurzfristige Kosteneinsparungen dürfen nicht über einer langfristig stabilen Versorgung stehen – besonders in Zeiten wachsender psychischer Belastungen.

Für die Linke Konstanz steht fest: Die Honorarkürzung ist nicht nur eine ökonomische Maßnahme, sondern eine gesundheitspolitische Weichenstellung mit potenziell gravierenden Folgen. „Eine nachhaltige Sicherstellung der psychotherapeutischen Versorgung erfordert eine angemessene Vergütung, die dem tatsächlichen Bedarf und der gesellschaftlichen Bedeutung psychischer Gesundheit gerecht wird“, führt John Löser, Rettungssanitäter und Mitglied des Ortsverbands Singen, aus.

„Wir, Die Linke, fordern eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen und eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeut:innen. All das mit dem Ziel, dass diejenigen, die Hilfe brauchen, sie auch schnellsmöglich bekommen – unabhängig von ihrem Versicherungsstatus.“

Linke-Kreisrätin Sibylle Röth ergänzt: „Auch wenn das bei dem Thema nicht der wichtigste Punkt ist: Aber wenn Friedrich Merz die Zahl der Krankheitstage reduzieren will, sollte seine Regierung dringend dafür sorgen, dass ausreichende medizinische Versorgung gewährleistet wird.“ Schon heute stehe die Anzahl von Krankheitstagen aufgrund von psychischen Problemen auf Platz 3 laut einer Auswertung der DAK. „Es gilt, mehr statt weniger Geld in die Gesundheit der Menschen und die Ausbildung und Bezahlung der Spezialist:innen zu investieren“, meint Röth.

Symbolbild von Gerd Altmann auf Pixabay

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