
Vor fünf Jahren verstarb Hermann Kinder, in Konstanz ansässiger Schriftsteller („Der Schleiftrog“, „Himmelhohes Krähengeschrei“) und unter den Student:innen höchst beliebter Literaturwissenschaftler an der hiesigen Universität. Am übernächsten Wochenende findet ein öffentliches Gedenkkolloquium statt.
„Ich bin alt, heftig vorerkrankt, somit fällig und hoffe dennoch.“ – So hoffnungslos und zugleich zuversichtlich äußerte sich Hermann Kinder nicht lange vor seinem Tod. Kinder hatte sich damals wegen Corona in seine Wohnung in Köln zurückgezogen, wo seine Frau eine Lebensstelle hatte; er wollte sich keiner Gefahr für Leib und Leben aussetzen. Als er sich sicherer fühlte, zog es ihn nach Konstanz zurück, wo er am 27. August 2021 starb.
Kinder hatte drei Jahrzehnte als Literaturdozent an der Konstanzer Universität gearbeitet. Hier war er, aufgewachsen in Mittelfranken und in Münster, „fremd daheim“, wie der Titel eines seiner Bücher lautete. Zwischen 1977 und 2019 veröffentlichte er zwei Dutzend literarische Titel, dazu Bücher aus seinem Fach.
Aus Anlass der Wiederkehr seines fünften Todestages organisieren nun Petra Moser und Martin Jürgens aus seinem Freundeskreis ein öffentliches Kolloquium unter dem Motto „Sein gezeichnetes Ich“.
Das Programm:
Jochen Schimmang liest aus „Kindergeschichten und Geschichten über Hermann“; Eckhard Lobsien, der zwei Bücher über Hermann Kinder veröffentlicht hat, referiert über „Die Ästhetik des Schmerzes“ am Beispiel der Erzählung „Der Weg allen Fleisches“. Zsuzsanna Gahse spricht über „Das Tempo“ in Kinders Kammerprosa „Himmelhohes Krähengeschrei“; Katrin Seglitz aus Ravensburg nimmt sich Kinders Roman „Ins Auge“ vor; Petra Moser und Martin Jürgens titeln ihr Referat „Schmerzhafte Identität. Hermann Kinder als Schriftsteller, Wissenschaftler & Zeichner“. Christof Hamann, Literaturwissenschaftler mit Wurzeln am See, geht den Namen in Kinders Prosatext „Lisengrat“ nach; Sabine Peters präsentiert „Hermann Kinder – eine kommentierte Textvorlage“. Jürgen Thaler stellt den umfangreichen Nachlass von Hermann Kinder im Felder-Archiv in Bregenz vor. Yogi Gross und Bernd Konrad und begleiten die Vorträge und Lesungen musikalisch.
„Sein gezeichnetes Ich“. In memoriam Hermann Kinder. Öffentliches Kolloquium am 12. September, von 10.00 bis 18.30 Uhr in der Villa Rheinburg Konstanz, Reichenaustraße 1. Der Eintritt ist frei.


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