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Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (78)

Von Brigitte Matern
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Die unerschrockene Leibwächterin

Es ging ganz schnell an jenem 11. April 1928. Sieben junge Leute sprangen aus dem Zuschauerraum des Gerichtssaals Berlin-Moabit, schnappten sich mit vorgehaltener Pistole den verdutzten Angeklagten und verschwanden. Dem befreiten Genossen Otto Braun gelang die Flucht nach Moskau. Mit ihm floh die Anführerin des Coups, die der bereits üppig mit Nazis durchsetzte Berliner Justizapparat umgehend auf die Fahndungsliste setzte. 

Die „gefährliche Kommunistin“ – 1908 in München geboren – stammte aus gutem Haus: Ihre Mutter war stolzes Mitglied der gehobenen Gesellschaft, der Vater ein Rechtsanwalt, der auch Mittellose und Linke vor Gericht vertrat. Sie durfte deren Prozessakten lesen, was ihr den Blick auf eine Welt voller Ungerechtigkeiten eröffnete. Mit fünfzehn Jahren trat sie der verbotenen Kommunistischen Jugend bei, lernte den KPD-Funktionär Otto Braun kennen und lieben, verschlang die marxistischen Klassiker, plakatierte Parolen, vermöbelte Nazis. 1924 zog sie mit ihm nach Berlin, bekam ihren ersten gefälschten Pass (dem viele weitere folgten) und wurde Agitations- und Propagandasekretärin der Partei. Ihren Lebensunterhalt bestritt sie bis zur Flucht als Stenotypistin. 

Dann, im sowjetischen Exil, durchlief sie eine militärische Ausbildung, die sie angesichts der Übermacht des Feindes für dringend geboten hielt. Sie lernte reiten, schießen, Flugzeuge lenken und wurde schließlich 1934 nach Brasilien beordert – als Bodyguard eines Mannes, den die dortigen Arbeiter:innen „Ritter der Hoffnung“ nannten. Ihm traute man zu, die um sich greifende Empörung über Diktatur und Oligarchie in eine Revolution zu verwandeln. Es misslang. Beide wurden verhaftet.

Als die brasilianische Regierung die inzwischen schwangere Frau nach Deutschland abschieben wollte, brach ein Proteststurm los – für sie als Jüdin und Kommunistin bedeutete das den sicheren Tod. International geachtete Persönlichkeiten wie Romain Rolland und Frauendelegationen aus Frankreich und England setzten sich für sie ein, Hafenarbeiter der ganzen Welt drohten mit Aktionen, und am Ende stellten sich sogar die Mithäftlinge ihrer Deportation in den Weg. Alles vergebens.

Wer war die unerschrockene Frau, die für Gerechtigkeit – „das Richtige, das Gute, das Beste auf der Welt“ – kämpfte und 1942 von den Nazis vergast wurde, weil sie partout keine Genoss:innen verriet? 

Die Auflösung

Am vergangenen Freitag fragten wir nach der deutschen Kommunistin Olga Benario-Prestes (1908–1942). Der „Ritter der Hoffnung“ war Luís Carlos Prestes: 1945 begnadigt, war er bis 1980 Präsident der brasilianischen KP. Robert Cohen erzählt Olga Benarios Geschichte in seinem Roman „Exil der frechen Frauen“. 2016 erschien zudem Cohens Buch „Der Vorgang Benario. Die Gestapo-Akte 1936–1942“, für das er die 2015 erstmals öffentlich zugänglichen deutschen Akten aus russischen Archiven auswertete.

Auf demselben umfangreichen Dossier fußt das 2022 im Verbrecher-Verlag erschienene Buch „Olga Benario Prestes: Eine biografische Annäherung“, verfasst von Anita Leocádia Prestes, der 1936 im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße geborenen Tochter, die im Alter von vierzehn Monaten von ihrer Mutter Olga getrennt worden war.