
Debora Niermann und Sina Rothkopf (Hospizverein Konstanz) © Hospizverein Konstanz
Mit einer gemeinsamen, kleinen Veranstaltungsreihe wollen der Hospizverein und die Volkshochschule Landkreis Konstanz e.V. Menschen dazu ermutigen, sich bei schwerer Krankheit, am Lebensende und in Zeiten der Trauer gegenseitig zu unterstützen. Sie richtet sich ausdrücklich auch an Laien und setzt auf Stärkung, Ermächtigung und gegenseitige Solidarität.
Ein Ziel des Hospizvereins Konstanz ist es, menschliche Werte bis an das Lebensende zu erhalten, Schwerkranke und sterbende Menschen zu begleiten sowie ihnen und ihren Angehörigen Lebensbeistand zu leisten. Durch die Vortragsimpulse und „Letzte-Hilfe-Kurse“ haben Interessierte in den nächsten Wochen die Möglichkeit, sich den oft tabuisierten Themen Verlust, Abschied, Sterben, Tod und Trauer anzunähern. Zudem sollen Berührungsängste abgebaut und Angehörige, Freund:innen, Nachbar:innen oder Kolleg:innen dazu ermutigt werden, Hilfe und Unterstützung anzubieten. Mitmenschlichkeit, Zuhören und Dasein können wertvolle Formen der Hilfe sein.
Familiäres Gefühlserbe
Am Mittwoch, den 21. Januar 2026 um 19:30 Uhr, startet die Reihe des Hospizvereins und der vhs Konstanz in Kooperation mit dem Bodensee-Institut für systemische Therapie und Beratung Radolfzell. Der Hamburger Coach und Autor Sven Rohde, Experte für transgenerationale Übertragungen, hält unter dem Titel „Abgewehrte Trauer – Das Gefühlserbe der Nachkriegsgenerationen“ einen interaktiven Vortrag im Wolkensteinsaal. Wie wirkt abgewehrte Trauer in nachfolgenden Generationen? Welche Spuren hinterlassen Emotionen aus Krieg, Flucht und Verlust bei Kindern, Enkeln und Urenkeln der Erlebnisgeneration – und was bedeutet das für die Hospizarbeit?
Rohde zeigt in seinem Vortrag, wie emotionale Abspaltung als Überlebensstrategie zu einem unbewussten „Gefühlserbe“ wird, das Familien bis heute prägt – mit Gefühlen von Ohnmacht, Pflichtgefühl, Kälte und Sprachlosigkeit. Besonders in Pflegesituationen zeigt sich dieses Erbe in voller Wucht: Wenn Eltern hilfsbedürftig werden, brechen oft alte, nie bearbeitete Muster auf. Auch bei Themen wie Sterbebegleitung, Trauer und Nachlassfragen wird sichtbar, wie stark die Vergangenheit gegenwärtige Beziehungen beeinflusst. Der Eintritt ist frei, Spenden als Kostenbeitrag sind willkommen.
Was ist schon für immer: Vom Leben mit der Endlichkeit
Am Donnerstag, den 5. März 2026 um 19:30 Uhr, laden der Hospizverein und die Stadtbibliothek Konstanz unter dem Titel „Was ist schon für immer?“ zum Gespräch mit der Autorin Katja Lewina und der Literaturwissenschaftlerin Judith Zwick ein: Sterben – das tun doch immer die anderen. Die Alten vielleicht, die Kranken. Aber was, wenn der Tod näher ist als gedacht? Und unser Leben unwägbarer als wir annehmen?
Seit zwei Jahren weiß Katja Lewina von ihrer Herzerkrankung und dass sie ihr jederzeit das Leben kosten kann. Die Diagnose bekam sie kurz nach dem plötzlichen Tod ihres siebenjährigen Sohnes. Mit einem Mal wurde die Möglichkeit zu sterben Teil ihres Alltags. In ihrem Buch „Was ist schon für immer“ beschäftigt sich Lewina mit den Themen Sterblichkeit und Verlust. Ausgehend von ihrer eigenen Situation, erkundet sie eine Erfahrung, die uns am Ende alle betrifft.
Was macht unsere Endlichkeit mit der Liebe? Wie erklärt man das den Kindern? Was wollen wir hinterlassen? Wie reagieren Menschen auf Krankheit und Tod, gibt es richtige und falsche Worte? Was gehört geklärt und was vergessen? Diesen Fragen stellt sich die Autorin in elf Essays ohne die üblichen Carpe-diem-Plattitüden, dafür mit extra viel No-Bullshit-Sauce. Und dem unliebsamen Reminder: Sterben geht uns alle an.
Die Veranstaltung wird von der vhs und dem Kulturamt der Stadt Konstanz unterstützt und findet im Wolkensteinsaal statt. Auch hier ist der Eintritt frei, Spenden aber als Kostenbeitrag willkommen.
Und last but not least, findet am Samstag, den 11. April 2026, von 10:00 bis 16:00 Uhr (inklusive Mittagspause) der nächste Letzte-Hilfe-Kurs „Jetzt bin ich mir sicherer“ im Hospizverein Konstanz (Talgartenstraße 2) statt. Die Kosten betragen 30 €. Anmeldungen sind per E-Mail an hospiz@hospiz-konstanz.de oder telefonisch unter der Nummer 07531 69138-0 möglich.

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