Radweg, warnschild radfahrer, fahrrad 2025 09 13 02 © harald borges

Endlich geht’s Euch ans Leder

Von O. Pugliese
Radweg, warnschild radfahrer, fahrrad 2025 09 13 02 © harald borges
Symbolbild © Harald Borges

Nachdem den Autofahrer:innen, die hohnlächelnd den gesperrten Bahnhofplatz befahren, viel Verständnis entgegengebracht wurde, gibt es kein Verständnis für andere Menschen, die eine unregulierte Fahrt für freie Bürger für sich in Anspruch nehmen: Die Stadt geht auf Betreiben der FDP unbotmäßigen Radler:innen verschärft ans Leder.

Eins ist auch in Konstanz unübersehbar: Mit der Verdüsterung des gesellschaftlichen Klimas geht es auch im alltäglichen Umgang miteinander bergab – nicht zuletzt im Straßenverkehr. Die geistig-moralische Wende hat vor allem das Ausfahren der Ellenbogen befördert, und das zeitigt allüberall unerfreuliche Folgen.

Der Radstreifen auf der alten Rheinbrücke wird seit einigen Jahren (auch wenn er nicht wie momentan zum Fußweg umfunktioniert wird) verstärkt von aggressiven Fußgänger:innen genutzt, die den Radelnden oft genug für Sonnenuntergangs-Selfies oder aus purer Gemeinheit den Weg verstellen. Der Fußweg auf der selben Brücke wird andererseits nur zu oft von gewaltbereiten Radler:innen („ich darf hier fahren, ich arbeite ja im Insel-Hotel, du Idiot“) missbraucht.

FDP für mehr Regulierung

Das erzürnt nicht nur viele Verkehrsteilnehmer:innen, sondern hat bereits im letzten Jahr die FDP als Partei der automobilen Freiheit auf den Plan gerufen, die – nicht ganz zu Unrecht – einen erheblichen Regulierungs- und Strafbedarf gegenüber Falschradler:innen erkannt hat.

Sie forderte, der Fahrradbeauftragte möge „den Verkehr insgesamt geordneter gestalten und die Interessen von FußgängerInnen, Kindern und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen berücksichtigen“. Ihr ist unverständlich, dass „7 Prozent der Arbeitszeit mit Polizeischutz für Rad‑Kontrollen mit einem Verkehrsanteil von 37 Prozent vorgesehen seien, während 93 Prozent der Zeit für den Pkw‑Verkehr verwendet werden, der nur 33 Prozent des Modal‑Splits ausmacht.“ Mit anderen Worten: Die armen Autofahrer:innen werden gegenüber den üblen Radfahrer:innen übelst benachteiligt und unter demütigenden Generalverdacht gestellt, schluchz!

Der Technische und Umweltausschuss beauftragte schließlich einstimmig die Verwaltung, dass „GVD [Gemeindevollzugsdienst] und KOD [Kommunaler Ordnungsdienst] mit dem bestehenden Personal regelmäßig Kontrollen von Radfahrenden und E-Scooter-FahrerInnen“ durchführen.

Viel Geld für eine klamme Stadtkasse

Was dabei herausgekommen ist, hat die Verwaltung jetzt einmal auf Nachfrage der FDP aufgelistet. Von 1. Januar bis 15. Juni 2026 wurden den genannten Zweirädler:innen 1707 gebührenpflichtige Verwarnungen verpasst, was stolze 36.875 Euro in die klamme Stadtkasse spülte, also etwa 21,60 Euro pro ertapptem Missetäter – oder 222 Euro pro Kalendertag. Das ist ein kleiner Schritt für die Ordnungsmacht, aber ein großer Fortschritt für die Menschheit auf dem Weg zu einem kostendeckenden Radverkehr, wie er so manchen Liberalen vorschwebt, die auf der anderen Seite massenhaft Gelder in die kostspielige Infrastruktur fürs Autofahren stecken möchten.

Die Fußgängerzone wird rentabel

An vier Tagen in der Woche lauern also zumeist Viererteams hinter Büschen, Hecken und Mauervorsprüngen, um nichtsahnenden fehlbaren Radler:innen in den Weg zu springen und nach ihrem Portemonnaie zu greifen. Die Liste der geahndeten Verbrechen ist dementsprechend lang: von den Missetäter:innen sind 38 Prozent in der Fußgängerzone geradelt, 25 Prozent waren ohne Licht unterwegs, 28 Prozent wollten entgegen der Fahrtrichtung und trotz des Verbots der Einfahrt weiterfahren, und neun Prozent nutzten den Gehweg, telefonierten beim Radeln oder fuhren über eine rote Ampel.

Bis endlich die ersten Schüsse auf die zumeist jugendlichen Fahrer:innen frisierter E-Scooter durch die Straßen peitschen, muss sich die erboste Öffentlichkeit allerdings noch einige Zeit gedulden: Derzeit fehlt es der Ordnungsmacht noch am nötigen Wissen, um diese technisch unzulässig veränderten Rennsemmeln zu erkennen.

Quellen: Beschlussvorlage 2025-1298, Anfrage 2026-1833, https://www.fdp.de

2 Kommentare

  1. Christina Herbert-Fischer

    // am:

    Ich gebe Herrn Nabholz teils recht, es macht als Fußgänger manchmal keinen Spaß. Aber das gilt auch für die Autofahrer. und auch ich habe schon mal einen Strafzettel bekommen, weil ich, wenn auch geringfügig, zu schnell war.
    Ich denke aber tatsächlich, dass die Verteilung von Kontrollen nicht dem Verhältnis zwischen Autofahrern und Radfahrern entspricht. Trotzdem, wir sollten wir uns alle an die Regeln halten, egal mit welchem Verkehrsmittel wir unterwegs sind.
    Seien wir einfach alle fair miteinander und bitte unterstützt das Fahrradparkhaus. Und sorry, egal was so gesagt wird, die Bahnhofs und Markstättennähe ist ein guter Platz dafür.

  2. Markus Nabholz

    // am:

    Was spricht dagegen, wenn die Stadt die Verkehrsregeln durchsetzt. Es geht um die Sicherheit der Fussgänger! Um einen bissigen Kommentar des Holger R. vorzubeugen: auch ich habe schon zu recht einen Strafzettel in der Hussenstrasse als Radfahrer bekommen. Allerdings fürchte auch ich als Radfahrer das unverschämte Verhalten der radfahrenden Verkehrsteilnehmer. Wenn sich alle,auch Fußgänger, im Verkehr benehmen würden, wäre es in unserer Stadt noch schöner. Leider ist Anstand heutzutage nicht en vogue!

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