Bodenseeforum am 15.6.2020 (c) Harald Borges

Ein „Convention Bureau“ fürs Millionengräble?

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Bodenseeforum (c) Harald Borges
Das rote Licht steht für das Herzblut, das die Konstanzer*innen für ihr Bofo zu opfern bereit sind

Wenn einem nichts mehr einfällt, schreit man nach Vernetzung und beschwört Synergien. So auch die Stadtverwaltung und die FDP, die in der heutigen Gemeinderatssitzung Hand in Hand ein Veranstaltungsbüro zur Belebung des hiesigen Kongress- (sprich Bodenseeforums-) Geschäfts auf den Weg bringen wollen.

Das Bodenseeforum, in den Augen seiner Befürworter*innen der kraftvolle Motor der Konstanzer Wirtschaft, der ständig mit Millionen öffentlicher Gelder geschmiert gehört, soll jetzt noch einen Turbo erhalten, zumindest wenn es nach der FDP geht: „Für die Organisation von zusätzlichen/kaufkraftstarken Tagungen, Kongressen etc., die über mehrere Tage gehen, braucht das Bodensee-Forum ein Veranstaltungsbüro (Convention-Center).“

(Sehen Sie bitte gnädig darüber hinweg, dass der Schlussstein im Grabmal des unbekannten Steuerzahlers nicht wie von der FDP hier behauptet „Bodensee-Forum“ heißt, sondern in Wirklichkeit „Bodenseeforum“, „Bodenseeforum Konstanz“ oder ganz bescheiden „DAS BODENSEEFORUM“; den freiheitsdürstenden Liberalen muss man einfach eine eigene Rechtschreibung zugestehen. Ein gnädiges Wegsehen gilt bitte auch der Tatsache, dass die FDP eigentlich ein „Convention Bureau“ (Veranstaltungsbüro) und kein „Convention-Center“ (Kongresszentrum) vorschlägt, denn immerhin bemüht sie sich heldenhaft, das Denglisch der von ihr so verehrten „Businessmen“ nachzuahmen.)

Hurra, endlich mehr Marketing!

Doch zurück zum Thema.

Was soll das alles? Na klar: „Dieses Büro wäre für die Organisation, die Koordination und das Rahmenprogramm von großen Veranstaltungen im Bodensee-Forum und weiteren Veranstaltungsorten in der Stadt zuständig. Es würde wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg des Bodensee-Forums und auch der anderen MICE-Anbieter im Stadtgebiet beitragen.“ [MICE: Tagungen (Meetings), von Unternehmen veranstaltete Anreiz- und Belohnungsreisen (Incentives), Kongresse (Conventions) und Ausstellungen (Exhibitions bzw. Events).]

Und weiter geht’s im Text: „Wirtschaftsfaktor Tagungen & Kongresse: Die TeilnehmerInnen dieser Veranstaltungen bringen der Stadt zusätzliche Einnahmen (Steuereinnahmen durch zus. Übernachtungen, Einkauf, Besuch der Gastronomie etc.). Deswegen wäre es sinnvoll, dieses Büro bei der MTK (Marketing & Tourismus Konstanz GmbH) zu verankern und die Tourismusbetriebe dadurch an den Kosten zu beteiligen. Wir denken, dass die Aufgabe dieses Büros vor allem die zentrale Vermarktung von mehrtägigen Veranstaltungen in der Stadt Konstanz ist. Deswegen sehen wir eine kreisweite Lösung eher kritisch.“

Im letzten Punkt mag die Verwaltung diesem FDP-Antrag allerdings nicht folgen, wie sie schreibt: Sie möchte „die Geschäftsführung der Marketing und Tourismus Konstanz GmbH (MTK) [bitten,] mit möglichen Partnern ins Gespräch zu gehen und ein Convention Bureau/Veranstaltungsbüro auf regionaler Ebene zu konzipieren.“

Regional statt lokal, macht das Sinn? Sollen die Veranstaltungsbüromitarbeiter*innen ernsthaft Interessenten für das Friedrichshafener Graf-Zeppelin-Haus ans Konstanzer Bodenforum verweisen, wo Konstanz doch nachweislich so viel schöner als Friedrichshafen ist?

Krücken fürs Bodenseeforum?

Die Idee hinter beiden Vorschlägen ist allerdings dieselbe: Da das Bodenseeforum, statt die damals von Oberbürgermeister Ulrich Burchardt versprochenen Gewinne zu scheffeln, Jahr für Jahr Millionen verbrennt, soll mehr Marketing her. Wenn die Kundschaft zu blöd ist, ein bestimmtes Produkt zu kaufen, liegt das ja, wie wir alle wissen, ganz bestimmt nicht am Produkt, sondern an den Hornochsen von Kunden. Folglich soll es mehr Marketing richten, das wie ein Knüppel von allen Seiten auf den störrischen Esel Kongresskunde einprügelt.

Immerhin, die Lösung hat aus Sicht der Bofo-Gläubigen Charme: Die zusätzlichen Kosten für das Veranstaltungsbüro fallen irgendwo jwd oder bei der MTK des in Geschäftsdingen stets nüchtern denkenden Eric Thiel an, und die regionalen Partner vom Bodensee sollen ja auch ihr Scherflein dazu beitragen. Verkauft sich das Bodenseeforum auf diesem Wege tatsächlich besser, kann Thiel mal wieder die Sektkorken krachen lassen, weil er und sein Team eine profitable Regionalpartnerschaft hingekriegt haben, und der Bofo-Bilanz hilft’s auch.

Win-Win also allüberall und für alle?

Nicht umsonst heißt es in den Sitzungsunterlagen: „Für das Bodenseeforum Konstanz als auf Tagungen spezialisiertes Veranstaltungshaus würde die Zusammenarbeit bedeuten: Konzentration auf die wesentlichen Aufgaben der Veranstaltungsdurchführung im Bodenseeforum Konstanz durch Zeitgewinn, da Aufgaben wie Hotelanfragen und -buchungen, Beratungen für das Rahmenprogramm, Site-Inspections in Konstanz, Bewerbungen auf Ausschreibungen etc. vom Convention Bureau übernommen werden.“

Mit anderen Worten: Das Bofo bekäme indirekt neue Arbeitskräfte, die nicht in seiner miesen Bilanz auftauchen. Die MTK rechnet jedenfalls mit mindestens zwei Vollzeitstellen für das neue Büro und mindestens drei Jahren Anschubfinanzierung.

Gott liebt die Liberalen ganz besonders

Natürlich fragt man sich auch, wieso in all den Jahren weder die MTK noch die rührigen Leute vom Bodenseeforum auf die scheint’s so naheliegende Idee gekommen sind, solche fachkundig geschnürten Veranstaltungspakete mit Konzert-, Museums-, Mainau- und auf speziellen Kundenwunsch hin sicher auch Puff-Besuch auf den Markt zu bringen.

Aber sei’s drum, manche Geistesblitze hat Gott in seinem unerforschlichen Ratschluss halt exklusiv der FDP vorbehalten.

Die Aussichten jedenfalls sind glänzend, und die neue Jahrhundertchance Veranstaltungsbüro wird entsprechend vollmundig besungen: „Die Schaffung eines Convention-Bureaus kann zu einer Stärkung des Standortes Konstanz führen und insbesondere über die Erhöhung der Kaufkraft als auch über eine verstärkte Auslastung der hiesigen Kultureinrichtungen und städtischen Angebote zu einer Verbesserung der Einnahmesituation der Stadt beitragen. Aus gesamtstädtischer Sicht ist die Schaffung eines Convention Bureau damit nicht nur als Mehrwert für Tagungseinrichtungen wie das Bodenseeforum oder die hiesige Gastronomie und Hotellerie zu bewerten, sondern kann vielmehr zu einer Stärkung der gesamten städtischen Infrastruktur führen.“

Merken Sie was, kennen sie solche salbungsvollen Worte nicht schon?

Genau. Dasselbe, nämlich eine goldene Eier legende Woll-Milch-Stadtmarketing-Sau hat man uns schon einmal fest in die Hand versprochen: Damals, als es ums Bodenseeforum ging, das uns dann umgehend an den Bettelstab brachte.

Text: O. Pugliese, Bild: Harald Borges

1 Kommentar

  1. Wolfgang Daub

    // am:

    Ja, das Geld des Steuerzahlers verbrennen geht munter weiter: Fernbusbahnhof ganz fern der Innenstadt, Smart (Green) City für ganz ganz viel heiße Luft und BoFo bis in alle Ewigkeit!?
    Aber es sind ja am 9.6.24 Wahlen, da darf Mensch auch abwählen: die Verantwortlichen für die gigantische Geldverschwendung in Konstanz!

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