Demo zum besetzten Haus am Fischmarkt In Konstanz © Ronald Frommann

Die Chérisy als Filmstar

Ein Kommentar

Demo zum besetzten Haus am Fischmarkt In Konstanz © Ronald Frommann
Demo zum besetzten Haus am Fischmarkt in Konstanz © Ronald Frommann

Viele haben ihn schon gesehen, noch mehr haben ihn verpasst, und die meisten möchten ihn gleich noch einmal anschauen: Den Chérisy-Film „Ein Viertel in unserer Stadt. Die unglaubliche Geschichte der Chérisy-Kaserne in Konstanz“ von Hubl Greiner. Ab sofort steht er im Internet als Streaming-Angebot bereit.

Im April 2023 feierte er im Zebra Kino in der Chérisy Premiere, und es war nicht einfach, an Karten für die viel zu seltenen Vorstellungen zu kommen. Jetzt ist es so weit: Dieses spannend aufbereitete Stück Konstanzer Zeitgeschichte, das für viele ältere Semester auch ein Stück ihrer ganz privaten eigenen Geschichte darstellt, kann ab sofort gestreamt werden.

Eine Biotop

Wo einst Nationalsozialisten im Gleichschritt marschierten, existiert heute ein alternatives Wohn- und Arbeitsmodell der links-alternativen Szene. Gegründet wurde das Projekt mit der Vision, eine bessere Form von Zivilgesellschaft zu entwickeln – selbstbestimmtes Leben, gemeinschaftliches Arbeiten, soziales und kulturelles Engagement lagen von Anfang an als Leitvorstellung in der Luft.

Die Kaserne wird 1936 als militärische Einrichtung gebaut. 1945 verliert Deutschland den Krieg gegen die Alliierten und die Gebäude werden von den französischen Besatzern übernommen. Nach deren Abzug im Jahre 1978 stehen sie Gebäude. 1983 gelingt es dem Verein Evangelische Studentengemeinde e.V. erstmals in Deutschland, eine ehemalige Kaserne zivil in Selbstverwaltung nutzen zu können.

Der Filmemacher: „Das Chérisy-Projekt entwickelt sich zur ersten selbstorganisierten Wohnungsinitiative in einer ehemaligen Kaserne in Deutschland. 10 Jahre später wird es zum Vorbild für viele ähnliche Initiativen, die daraufhin bundesweit entstehen. In dem gemeinnützigen Beschäftigungs- und Bildungswerk werden heute 123 Wohnungen bewirtschaftet. Zur Initiative gehören handwerkliche Betriebe, soziale und kulturelle Einrichtungen, Sport- und Spielplätze, Kindertagesstätte, Werkstätten, Ateliers, Studios, Proberäume für Musiker, selbstständige Gewerbetreibende etc. Ab Ende der 90er Jahre häufen sich die Konflikte mit den Behörden. Von allen Seiten gerät das Projekt unter Druck. […] Die Zukunft ist ungewiss.“

Der Film

„Ein Viertel in unserer Stadt“ beschäftigt sich mit der Frage, was von den Visionen übrig ist und welche Zukunft das Projekt hat. Der Film zeigt die Entwicklung des Areals, den Einfluss des besetzten Fischmarktes in den 1970/80ern und die immensen Hürden seitens der Behörden. Er gibt einen Einblick in die kulturellen und sozialen Institutionen, sowie das Leben der Menschen vor Ort. Hubl Greiner hat dazu viele Chérysianer*innen, auch aus den Gründerzeiten, vor die Kamera geholt und die Entstehungsgeschichte der Kaserne und seiner Bewohner*innen aufgearbeitet. Da kam einiges zusammen, was teilweise schon längst vergessen wurde, aber zweifellos zur Konstanzer Stadtgeschichte gehört.

Den Chérisy-Film können Sie bei Vimeo erwerben, streamen und herunterladen:
https://vimeo.com/ondemand/cherisy

Weitere Informationen

Deutschland 2023
Laufzeit: 139 Minuten
Regie, Kamera, Ton, Schnitt: Hubl Greiner, Drehbuch: Claudia Knupfer
Der Film wurde durch den Kulturfonds der Stadt Konstanz sowie durch seemoz e.V. gefördert.
Eine Besprechung finden Sie hier.

Text: Medienmaterial/red.

Ein Kommentar

  1. Ralf Seuffert

    // am:

    Ein Super-Film, ein sagenhaftes zeitgeschichtliches Dokument, sehr schön gemacht!
    Leute! Ansehen, kaufen/streamen!

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