Alter, Pflege, Rollstuhl, Senior © Bild von whitfieldink auf Pixabay

Besser wird es nimmer

Von Harald Borges
Alter, Pflege, Rollstuhl, Senior © Bild von whitfieldink auf Pixabay
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In der öffentlichen Sitzung des Sozialausschusses wird nächsten Mittwoch der aktuelle Bericht der Konstanzer Altenhilfe zu den Versorgungsbedarfen von Bürgerinnen und Bürgern über 65 Jahre präsentiert. Wie also ist es um die Pflege in unserer Stadt bestellt?

Dass das Alter kein Ponyhof ist, hat sich herumgesprochen. Aber der demographische Wandel und veränderte Lebensumstände und Einstellungen führen dazu, dass es immer schwieriger wird, eine angemessene Versorgung für ältere Menschen zu finden und zu finanzieren, gerade wenn diese irgendwann dauerhaft hilfsbedürftig werden.

Die Altenhilfe hat jetzt ihren zweijährlichen Bericht zur aktuellen Lage und den Aussichten für Konstanz veröffentlicht. Die Ausgangslage ist klar: Immer mehr Menschen werden immer älter. „Die Anzahl der Über-65-Jährigen wird erwartungsgemäß bis 2035 sprunghaft ansteigen. Seit Jahren wächst ebenfalls die Zahl der Pflegebedürftigen, also der Menschen, die wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen dauerhaft der Hilfe bedürfen.“

Die wollen sie natürlich überwiegend zuhause in ihrer vertrauten Umgebung erhalten. Derzeit übernehmen die Pflegearbeit in 80 Prozent der Fälle Angehörige, aber diese Unterstützung wird in den nächsten Jahren immer schwächer werden, denn die heutigen Generationen haben weniger Kinder hinterlassen, und deren Bereitschaft, Papa und Mama die Windeln zu wechseln oder die Schnabeltasse zu reichen, nimmt kontinuierlich ab. Gleichzeitig gibt es einen Mangel an professionellen Pflegekräften.

Ambulante Versorgung

In Zahlen heißt dies: Derzeit sind von etwa 87.200 Konstanzer:innen immerhin 4344 pflegebedürftig, wobei der Prozentsatz der Pflegebedürftigen mit dem Alter stark zunimmt –immerhin sind aber auch rund 874 Personen unter 65 Jahren darunter. Zwei Drittel der älteren Pflegebedürftigen sind übrigens weiblich, ein Drittel ist männlich.

In Konstanz unterstützen elf ambulante Pflegedienste „Menschen bei der Körperpflege sowie bei medizinischen Tätigkeiten wie der Gabe von Medikamenten oder dem Wechsel von Verbänden.“ Seit August 2024 wird das Angebot durch eine ambulante Palliativversorgung ergänzt, die die letzten Lebenstage erleichtert und dafür sorgt, dass viele Menschen zum Sterben nicht auch noch ins Krankenhaus verlegt werden müssen, wie es lange Zeit die – für die Patient:innen oft sehr belastende – Praxis war.

Es fehlen Plätze

Allerdings – man kennt das ja auch aus anderen Bereichen unserer auf Kante genähten Daseinsvorsorge – mangelt es in den nächsten Jahren nicht nur an Pflegepersonal, sondern auch an Pflegeplätzen. In der Dauerpflege würden derzeit eigentlich 847 Plätze benötigt, es sind aber nur 739 vorhanden. Bis 2030 wird sich dieses Problem noch deutlich verschärfen, denn dann sollen 149 Dauerpflegeplätze fehlen. Besonders schwierig ist dabei die Lage der Menschen mit einem besonderen Betreuungsbedarf etwa wegen Demenz.

Für jene Menschen, die einen Pflegeplatz bräuchten, aber keinen bekommen können, sieht es eher düster aus: „Bislang konnte die Unterdeckung von ca. 100 Plätzen zum Teil durch ausländische Haushalts- und Pflegekräfte bedient werden“, die mit im Haushalt leben. „Aber die Kapazitäten in der 24-Stunden-Versorgung sind knapp. Vielfach müssen Suchende auf Heimplätze im Landkreis und darüber hinaus zurückgreifen.“ Ein solcher Umzug dürfte natürlich in etlichen Fällen auch einen Verlust der verbliebenen Kontakte zu anderen Menschen in der vertrauten sozialen Umgebung bedeuten.

Enorme Kosten

Die Verweildauer in den Pflegeheimen hat sich dank besserer ambulanter Betreuung in den letzten Jahren halbiert, und zwar von 1108 Tagen im Jahr 2013 auf 553 Tage im Jahr 2025. Dazu mögen auch die für Normalverdiener:innen exorbitanten Kosten beitragen: „In Konstanz liegt seit dem 1.1.2026 der Eigenanteil im ersten Pflegeheimjahr bei den Pflegegraden 2 bis 5 zwischen 3.700 Euro und 4.740 Euro monatlich. Je nach Pflegeheim ist der monatliche Eigenanteil im Vergleich zu 2025 zwischen 190,– Euro und 424,– Euro gestiegen.“

Der Blick in die Zukunft lässt erkennen, dass viele Pflegebedürftige in Zukunft auf pure Mildtätigkeit angewiesen sein dürften. Zwar entsteht im Hafner ein neues Pflegeheim, und manche Baugruppen planen entsprechende Einrichtungen, aber der Ruf nach freiwilliger (und damit für Krankenkassen, Kommunen usw. äußerst kostengünstiger) Nachbarschaftshilfe und Solidarität wird immer lauter. Ob das funktionieren wird, bleibt abzuwarten, denn auch die Hilfsbereitschaft auch der wohlmeinendsten Nachbarschaft könnte schnell an Grenzen stoßen.

Quelle: https://www.konstanz.sitzung-online.de/public/to010?SILFDNR=1004327&refresh=false

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