Alles fließt

Von Harald Borges
Zukunftsmusik 2 beschnitten bearbeitet © benjamin arntzen
Zukunftsmusik 2026 © Benjamin Arntzen (bearbeitet)

In der Exzellenzwoche „Wandel“ der Bodensee Philharmonie präsentieren sich Musiker*innen in neuen Formaten, die sie näher an das Publikum heranbringen sollen. Dafür arbeiten sie mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen, vom Fastnachtsverein bis hin zum Rapper.

Man kann nach Heraklit nicht zweimal in denselben Fluss steigen (weil im Fluss immer wieder anderes Wasser fließt und man selbst sich ständig ändert), und auch Hannes Wader war bereits vor mehr als 40 Jahren klar, „dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war“.

Panta rhei – die Welt ist im Fluss, – und der Wandel ist (angeblich) das einzig Beständige im steten Wechsel zwischen Werden und Vergehen.

Wandel in Zeiten des Wandels

Für die Bodensee Philharmonie mag der Wandel in diesen Zeiten der existenziellen Bedrohung auch einen bitteren Beigeschmack haben, aber in der sechsten „Exzellenzwoche“ (irgendeinen Namen braucht das Kind ja) vom 16. bis 21. März stellt sie sich dem Thema Wandel mit einigen neuen Formaten, die nicht nur neue Hörer*innenschichten ansprechen sondern, sondern auch den Musizierenden Gelegenheit zu Experimenten geben.

Ein wenig fühlt sich das so an, als setzten die Musiker*innen sich für einmal auf den Schoss des Publikums, um diesem ein Stück näherzurücken, statt es nur von der Bühne herab im dunklen Zuhörraum zu beäugen. Natürlich hat das alles auch einen höheren Sinn, denn die Exzellenzwochen gehören zum vom Bund mit Fördermitteln bedachten Projekt „Zukunftsmusik“, das „neue Formen der Begegnung zwischen Orchester und Stadtgesellschaft“ entwickeln will, so verkrampft sich das auch anhören mag. O-Ton: „Workshops laden dazu ein, Wandel nicht nur zu beobachten, sondern selbst zu erfahren: BesucherInnen werden aktiv Teil des musikalischen Prozesses. So entsteht eine besondere Nähe zwischen Bühne und Publikum – niedrigschwellig, offen und dialogisch.“

All das kann in Zeiten, in denen sich immer größere Teile der Stadtgesellschaft unwillig zeigen, das Orchester auch weiterhin zu finanzieren, sicher nichts schaden, denn wer mag schon jemandem ans Leder gehen, mit dem er gerade noch so schön gekuschelt hat?

Aus dem Programm

Den Auftakt gestaltet die Harfenistin Christine Baumann am 16. März von 17.30 bis 19.00 Uhr im Coworking Space St. Johann in der Brückengasse 1b. Das Konzept ist denkbar einfach und offen: Wer auch immer will, kann dort zwanglos vorbeischauen, weggehen und auch wiederkommen. Die Frage des Abends lautet: Wie könnte ein kultureller Wandel in Konstanz aussehen?

Am 19. März geht es ab 19.00 Uhr im Inselhotel zur Sache. An diesem Abend steht das Wort im Mittelpunkt: Sprache, Text und Stimme werden zum verbindenden Element zwischen Musik, Schauspiel, Rap und Gesang. Der Konstanzer Rapper Yasin, die Philharmonie, der Schauspieler André Rohde vom OFF-Theater KUK und die in Gottlieben ansässige Opernsängerin Tatjana Gazdik begegnen sich in einem gemeinsamen Projekt, das unterschiedliche Kunstformen und Genres über den Text miteinander verknüpft. Yasins Raptexte bilden dabei einen zentralen Ausgangspunkt.

Ausgefallen und närrisch wird es dann am 20. März, allerdings ausdrücklich nur für Menschen, die gut zu Fuß sind. Um 17.45 Uhr startet im Richentalsaal im Kulturzentrum am Münster gemeinsam mit der Elefanten AG eine Stadtführung. Geplant ist eine musikalische Entdeckungstour durch die Altstadt zu vier bedeutenden Orten des Konstanzer Brauchtums. Dabei wird an jeder Station ein Teil der Geschichte der närrischen Musik hörbar. Jeder Ort wird von einer anderen Gruppe gestaltet und zeigt einen eigenen Abschnitt der musikalischen Entwicklung – vom historischen Klang bis zur modernen Interpretation. Neben einem Haufen Narren nehmen unter anderen auch die Jazzer von den Blue Birds, Karl & Karle sowie mittelalterliche Instrumente wie Viola d’arco und Vielle an der absehbar unterhaltsamen Veranstaltung teil.

Ein weiteres Event ist da schon programmatischer. „JedeR kann Musik!“ heißt es am 21.3. ab 10.00 Uhr im Studio der Philharmonie am Fischmarkt. Jonathan Chazan von HighNoon – Freunde neuer Musik e.V. und Peer Kaliss von der Musikschule Konstanz möchten Musik lebendig machen und freuen sich über Neugierige jeden Alters, die Lust aufs Musizieren und Komponieren haben – musikalische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Das ist ja letztlich auch der Kern des gesamten Musikwesens: Freude daran zu haben, gemeinsam Geräusche jeder Art zu erzeugen bzw. ihnen zu lauschen – so wie es die zwitschernden Vögel, die lärmigen Gören von nebenan und viele andere Lebensformen auch tun.

Weitere Informationen

Die hier erwähnten Veranstaltungen (die eine kleine Auswahl aus dem Programm darstellen) sind kostenfrei. Weitere Informationen, kostenlose Tickets und das vollständige Programm finden Sie hier.

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