Blaserturm2 ravensburg 260917 ©samuel bosch

Ravensburg: Kein Geld? Kein Wille!

Aus der Redaktion
Blaserturm2 ravensburg 260917 ©samuel bosch
Das Banner in der Morgendämmerung

Seit heute morgen hängt an einem der höchsten Türme von Ravensburg ein großes Transparent. Mit der Aktion kritisieren Klimaaktivist*innen die Untätigkeit des Gemeinderats und der Stadtverwaltung. Es ist bereits das zweite Banner, das gut sichtbar über den Dächern der Stadt weht.

„6 Jahre Klimakonsens: „kein Geld“, kein Wille → Klima-Hölle“: Dieser Spruch ist seit heute Morgen in großen Lettern am Ravensburger Blaserturm zu lesen. Bereits im Frühjahr 2025 hatte eine Gruppe Klimaaktivist*innen ein riesiges Banner am Untertor aufgehängt. Und im Mai 2025 warnten sie erstmals auf dem Blaserturm, dem ehemaligen Feuerwachenturm, vor der brennenden Klimakrise: „Wir schlagen Klima-Feuer-Alarm“, erklären die Aktivist*innen.

2020 verabschiedete der Gemeinderat einstimmig den Ravensburger Klimakonsens. Dann passierte lange nichts. Das Umweltamt klagte immer wieder über zu wenige Stellen. Der Gemeinderat antwortete auf die Kritik mit der Streichung von zwei der vier Stellen. Außer der Fernwärme, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden soll, ergriff die Stadt bisher keine nennenswerten Aktionen, um die selbst gesteckten Klimaziele zu erreichen.

Dass Ravensburg die selbst gesteckten Klimaziele so katastrophal verfehlt, liegt nicht an höheren Mächten, sondern allein an fehlendem politischen Willen. Und das obwohl sich der Gemeinderat einstimmig zum Klimakonsens verpflichtet hat und Klimaschutzmaßnahmen längst von der Mehrheit der Bevölkerung begrüßt werden.

„Herr Rapp hat die Chance, ein Klima-Bürgermeister zu werden, verpasst und sechs Jahre lang zusammen mit großen Teilen des Gemeinderats nur Verbal-Ökologie betrieben“, sagt beispielsweise Jürgen Pfeffer, 78 Jahre alt. Im Wahlkampf zum Oberbürgermeister im Frühjahr 2026 erreichte Daniel Rapp – teilweise auch wegen seiner schlechten Klimapolitik – nur 78 statt den erwarteten über 90 Prozent der Stimmen. 

Geschichte des Klimakonsens

Am 27. Juli 2020 beschloss der Gemeinderat der Stadt Ravensburg einstimmig den Klimakonsens. Neben konkreten Verbesserungen in den Bereichen Mobilität, Gebäude, Bewusstseinsbildung und Kompensation wurde vor allem beschlossen, den CO2-Ausstoß in Ravensburg ab sofort pro Jahr um 13 Prozent zu reduzieren. Das wäre laut den Scientists for Future der notwendige und faire Beitrag der Stadt zum weltweiten Klimaschutz. Nach sechs Jahren, also jetzt, hätte das eine Reduktion um mehr als die Hälfte bewirkt. Tatsächlich gibt es bis heute keine nennenswerte Reduktion des CO2-Ausstoßes. Stattdessen werden Stellen gestrichen, Maßnahmen blockiert und Chancen nicht wahrgenommen.

Nach der Wahl behauptete Baubürgermeister Dirk Bastin, der Klimakonsens werde „mitnichten aufgekündigt oder infrage gestellt“, erklärte aber gleichzeitig, das zentrale Ziel der CO2-Neutralität bis 2040 aus dem Beschluss streichen zu wollen. „Ohne Klimaziele ist der Klimakonsens nichts – faktisch hat der Herr Bastin also doch vor, den Klimakonsens zu streichen“, so Samuel Bosch von der Aktionsgruppe.

Blaserturm ravensburg vom mehlsack aus gesehen © pit wuhrer
Der eingerüstete Blaserturm mitten in der Stadt

Die Aktivist*innen fordern zudem höhere Steuern für groß verdienende und große Unternehmen. Diese hätten schließlich entscheidend von der bisherigen, klimaschädlichen Wirtschaftsweise profitiert. Außerdem müsse Klimaschutz beim Haushalt priorisiert werden: „Ravensburg ist eine reiche Stadt“, sagt Aktivistin Kiki Köffle (22). „Klimamaßnahmen würden dafür sorgen, dass das so bleibt, da sie langfristig Klimafolgekosten in Milliardenhöhe einsparen und uns unabhängig machen.“Alle notwendigen Maßnahmen würden sich „mit höheren Steuern auf ansässige Großverdiener und große Unternehmen gut finanzieren“ lassen.

„Das ist ein Armutszeugnis für die Glaubwürdigkeit dieser Politik. Wir alle haben diesen Sommer einmal mehr gespürt, dass die Klimakrise hier und jetzt stattfindet und insbesondere für ältere Menschen ein großes Problem darstellt“, so Bosch: „Angesichts reihenweise gerissener Hitzerekorde ist die Untätigkeit der Stadt einfach frech.“ 

„,The house is on fire’ – das hat Greta Thunberg vor Jahren gesagt, und es ist aktueller denn je. Darum schlagen wir am Blaserturm, dem Feuermeldeturm Ravensburgs, Alarm.“

Text: Pressemitteilung der Ravensburger Aktivist*innen
Bilder: Von den Türmen mit Banner © Samuel Bosch / Überblick über die Stadt mit eingerüstetem Blaserturm © Pit Wuhrer

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